Menachot — Blatt 41b

1nur dürfen sie nicht beschädigt sein. – Hieraus wäre also zu entnehmen, daß man sie aus einem Gewände in ein anderes einknüpfen darf? – Vielleicht nur dann, wenn es abgetragen ist.

2Die Rabbanan lehrten: Für ein vollständig purpurblaues Gewand sind alle anderen Farben zulässig, nur nicht Purpurimitation.

3Man wandte ein: Für ein Gewand sind nur [Çiçith] derselben Art zulässig. In ein vollständig purpurblaues Gewand knüpfe man purpurblaue und andersfarbigeein, jedoch keine Purpurimitation; hat man solche eingeknüpft, so ist es tauglich!?

4R. Naḥman b. Jiçḥaq erwiderte: Das ist kein Einwand; eines gilt von einem Gewande mit vier Fäden und eines gilt von einem Gewande mit acht Fäden. –

5Hieraus ist also zu entnehmen, daß man sie aus einem Gewände in ein anderes einknüpfen darf? – Vielleicht nur dann, wenn es bereits erfolgt ist.

6Es wurde gelehrt: Rabh sagt, man knüpfe nicht [die Çiçith] aus einem Gewände in ein anderes ein; Šemuél sagt, man knüpfe sie aus einem Gewande in ein anderes ein.

7Rabh sagt, man zünde an einem Lichteein anderes nicht an; Šemuél sagt, man zünde an einem Lichte ein anderes an.

8Rabh sagt, die Halakha sei beim Rücken wie R. Šimo͑n; Šemuél sagt, die Halakha sei beim Rücken nicht wie R. Šimo͑n.

9Abajje sagte: Bei allem pflegte der Meisternach Rabh zu verfahren, ausgenommen folgende drei Dinge, bei denen er nach Šemuél zu verfahren pflegte: man knüpfe [die Çiçith] aus einem Gewande in ein anderes ein, man zünde an einem Lichte ein anderes an, und die Halakha ist beim Rücken wie R. Šimo͑n.

10Es wird nämlich gelehrt: R. Šimo͑n sagt, man dürfe [am Šabbath] ein Bett, einen Stuhl oder eine Bankrücken, nur dürfe man nicht beabsichtigen, eine Schramme zu machen.

11R. Jehuda pflegte sie einem Wäscherzu geben. R. Ḥanina pflegte sie in Knäulezu wickeln. Rabina pflegte sie einzunähen.

12Die Rabbanan lehrten: Wieviel Fäden knüpfe man ein? Die Schule Šammajs sagt, vier, die Schule Hillels sagt, drei.

13Wievielmuß nachhängen? Die Schule Šammajs sagt, vier [Fingerbreiten], die Schule Hillels sagt, drei. Die drei, von denen die Schule Hillels spricht, sind solche, von denen jede den vierten Teil der Faustbreite eines gewöhnlichen Menschen mißt. R. Papa sagte: Die Faustbreite der Tora hat vier Finger mit dem Daumen, sechs mit dem kleinen Finger und fünf mit dem Mittelfinger gemessen.

14R. Hona sagte: Vier innerhalb vier und viernachhängend. R. Jehuda sagte: Drei innerhalb drei und drei nachhängend.

15R. Papa sagte: Die Halakha ist, vier innerhalb drei und vier nachhängend. –

16Demnach haben sie ein festgesetztes Maß, und dem widersprechend wird gelehrt: Çiçith, unter Çiçith ist etwas Vorragendes zu verstehen, unter Çiçith ist irgendwelche Länge zu verstehen. Bereits traten die Ältesten der Schule Šammajs und die Ältesten der Schule Hillels im Söller des R. Joḥanan b. Bethera zusammen und sagten: Für die Çiçith ist kein Maß festgesetzt; ebenso ist auch für den Palmenzweigkein Maß festgesetzt.

17Doch wohl überhaupt kein Maß!? –

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.