Menachot — Blatt 42a

1Nein, kein Maß nach oben, wohl aber eines nach unten. Wenn du nicht so erklären wolltest, so wäre auch hinsichtlich des Palmenzweiges zu verstehen, für diesen gebe es überhaupt kein festgesetztes Maß,

2und dem widersprechend haben wir gelernt, ein Palmenzweig, der drei Handbreiten groß ist, um ihn schütteln zu können, sei tauglich!? Du mußt also erklären, er habe kein festgesetztes Maß nach oben, wohl aber nach unten, ebenso haben auch jene kein festgesetztes Maß nach oben, wohl aber nach unten.

3Die Rabbanan lehrten: Çiçith, unter Çiçith ist Wedelartiges zu verstehen, denn so heißt es:er nahm mich beim Schöpfe [Çiçith] meines Hauptes. Abajje sagte: Sie müssen auseinander sein, wie der Schöpf eines Aramäers.

4Die Rabbanan lehrten: Hat man sie an die äußerste Ecke oder an eine Schnurangebracht, so sind sie tauglich; nach R. Elie͑zer b. Ja͑qob sind sie in beiden Fällen untauglich.

5Wessen Ansicht vertritt die Lehre R. Gidels im Namen Rabhs, daß nämlich die Çiçith über dem Winkel hängen müssen, denn es heißt:auf den Ecken ihrer Kleider, wessen nun? Die des R. Elie͑zer b. Ja͑qob.

6R. Ja͑qob sagte im Namen R. Joḥanans: Es ist eine Entfernungin der Größe des Daumengelenkes erforderlich.

7Und sowohl die Lehre R. Papasals auch die des R. Ja͑qob ist nötig. Aus der Lehre R. Papas könnte man entnehmen, es müsse innerhalb drei [Fingerbreiten] sein, nicht weiter, und je näher desto besser; daher ist die Lehre R. Ja͑qobs nötig.

8Und aus der Lehre R. Ja͑qobs könnte man entnehmen, [eine Entfernung] in der Größe des Daumengelenkes, nicht näher, und je weiter desto besser; daher [sind beide] nötig.

9Rabina und R. Sama saßen vor R. Aši, und als R. Sama bemerkte, daß das Gewand Rabinas zerrissenund [die Entfernung] weniger als ein Daumengelenk war, sprach er zu ihm: Hält der Meister nichts von der Lehre R. Ja͑qobs? Dieser erwiderte: Dies nur bei der Anfertigung.

10Da wurde jener verlegen. Hierauf sprach R. Aši zu ihm: Frage nicht, einer von ihnen gleicht zweien von uns.

11R. Aḥa b. Ja͑qob nahm vier [Fäden], legte sie doppelt, brachte sie in das Gewand und schlang sie zusammen. Er ist der Ansicht, es müssen acht am Gewände sein, wie es Fäden sein müssen.

12R. Jirmeja aus Diphte nahm acht, die sechzehn ergeben, und schlang sie nicht zusammen. Mar, der Sohn Rabinas, verfuhr wie wir.

13Einst traf R. Naḥman den R. Ada b. Ahaba Çiçith einknüpfen und den Segen sprechen: ‘Çiçith zu machen’. Da sprach er zu ihm: Was ist das für Çiçi, das ich höre? Rabh sagte, die Çiçith benötigen keines Segensspruches.

14Als die Seele R. Honas zur Ruhe einkehrte und R. Ḥisda da hinkam, wies er auf einen Widerspruch hin, in dem Rabh sich befindet. Kann Rabh denn gesagt haben, die Çiçith benötigen keines Segensspruches, R. Jehuda sagte ja im Namen Rabhs: Woher, daß von einem Nichtjuden gefertigte Çiçith untauglich seien? Es heißt:sprich zu den Kindern Jisraél, daß sie Çiçith machen, die Kinder Jisraél sollen sie machen, nicht aber Nichtjuden. –

15Wieso ist dies ein Widerspruch? R. Joseph erwiderte: R. Ḥisda ist der Ansicht, über ein Gebot, wobei ein Nichtjude zulässig ist, braucht ein Jisraélit den Segen nichtzu sprechen, und über ein Gebot, wobei ein Nichtjude nicht zulässig ist, muß ein Jisraélit den Segen sprechen. –

16Ist dies denn eine stichhaltige Regel, zur Beschneidung ist ja ein Nichtjude zulässig, denn es wird gelehrt, wenn in einer Stadt kein jisraélitischer Arztanwesend ist, sondern nur ein aramäischer und ein samaritanischer, lasse man, wie R. Meír sagt, den aramäischen und nicht den samaritanischen, und wie R. Jehuda sagt, den samaritanischenund nicht den aramäischen beschneiden,

17dennoch muß ein Jisraélit darüber den Segen sprechen, denn der Meister sagte, der Beschneidende spreche: ‘gepriesen sei, der uns mit seinen Geboten geheiligt und uns die Beschneidung befohlen hat’!? –

18Die Erklärungist ja nur nach Rabh nötig, und nach Rabh ist sie auch ungültig. Es wurde nämlich gelehrt: Woher, daß die Beschneidung durch einen Nichtjuden ungültig ist? Daro b. Papa erklärte im Namen Rabhs:Du sollst mein Bündnis beobachten.

19R. Joḥanan erklärte:Beschneiden beschnitten, der Beschnittene beschneide.

20Von der Festhütte ist für ihneine Stütze zu entnehmen, von den Tephillin aber eine Widerlegung.

21Die von einem Nichtjuden gefertigte Festhütte ist tauglich, denn es wird gelehrt, eine Hütte von Nichtjuden, Frauen, Tieren, Samaritanern und jede andere Hütte sei tauglich, nur müsse sie nach Vorschrift überdachtsein,

22und ein Jisraélit braucht darüber keinen Segen zu sprechen. Es wird nämlich gelehrt: Wer eine Festhütte für sich macht, spreche: ‘Gepriesen seist du, o Herr, unser Gott, König der Welt, der du uns leben lassen, erhalten und diese Zeit erreichen lassen hast’. Schickt er sich an, sich in dieser hinzusetzen, so spreche er: ‘Gepriesen seist du, o Herr, unser Gott, König der Welt, der du uns mit deinen Geboten geheiligt und uns befohlen hast, in der Festhütte zu weilen’. Über das Machen der Festhütte spricht man aber keinen Segen.

23Von den Tephillin ist eine Widerlegung gegen ihn zu entnehmen. Die von einem Nichtjuden gefertigten Tephillin sind untauglich, denn R. Ḥenana, Sohn des Raba

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.