Menachot — Blatt 43a
1und vierzigtägigen Urin und lasse es darin von morgens bis abends weichen; wird die Farbe zerstört, so ist es untauglich, wenn aber nicht, so ist es tauglich.
2Ferner sagte R. Ada vor Raba im Namen R. A͑viras: Man hole harten Gerstensauerteig und backe es darin; wird die Farbe besser, so ist es tauglich, wenn aber schlechter, so ist es untauglich. Als Merkzeichen diene dir: falsche Änderung und wahre Änderung. –
3Das, was er sagt, es gebe dafür keine Untersuchung, bezieht sich auf die Probe.
4Einst holte Mar aus Moski zur Zeit R. Aḥajs Purpurfäden und untersuchte sie mit dem Mittel R. Jiçḥaqs, des Sohnes R. Jehudas, und die Farbe wurde zerstört, und darauf mit dem Mittel R. Adas, und sie wurde besser.
5Sie wollten sie als untauglich erklären, da sprach R. Aḥaj zu ihnen: Dies ist ja weder Purpurblau noch Imitation. Es ist vielmehr anzunehmen, daß beide Mittel zusammen gehören;
6wenn man es mit dem Mittel R. Jiçḥaqs, des Sohnes R. Jehudas, untersucht hat, und die Farbe nicht zerstört worden ist, so ist es tauglich, ist aber die Farbe zerstört worden, so untersuche man mit dem Mittel des R. Ada, mit vertrocknetem Sauerteig; wird die Farbe besser, so ist es tauglich, wenn aber schlechter, so ist es untauglich. Von dortließen sie sagen, beide Mittel gehören zusammen.
7R. Mani war beim Kaufen vorsichtig, gemäß der Erschwerung der obigen Lehre; da sprach ein Greis zu ihm: So verfuhren die Alten, die vor dir waren, und sie hatten Glück in ihrem Handel.
8Die Rabbanan lehrten: Kauft jemand auf dem Markte von einem Jisraéliten ein mit Çiçith versehenes Gewand, so bleibt es in seinem Zustande, wenn aber von einem Nichtjuden, so ist es, wenn von einem Händler, tauglich, und wenn von einem Privaten, untauglich,
9trotzdem sie gesagt haben, man dürfe kein mit Çiçith versehenes Gewand an einen Nichtjuden verkaufen, es sei denn, daß man die Çiçith entfernt. –
10Aus welchem Grunde? – Hier erklärten sie, wegen einer Hure; R. Jehuda erklärte, er könnte sich jemandem auf der Reise anschließenund ihn ermorden.
11R. Jehuda knüpfte Çiçith ein in die Schürze seiner Hausfrau, auch sprach er jeden Morgen den Segen: ‘Sich in die Çiçith zu hüllen’. –
12Wenn ereinknüpfte, so war er ja der Ansicht, es sei ein von der Zeit nicht abhängigesGebot, wieso sprach er demnach jeden Morgenden Segen!? –
13Dies nach Rabbi, denn es wird gelehrt: Über die Tephillin spreche man den Segen, so oft man sie anlegt – so Rabbi. –
14Demnach sollte dies auch von jeder anderen Stundegelten!? – R. Jehuda war ein keuscher Mann und legte den ganzen Tag das Gewand nicht ab. – Weshalb gerade morgens? – Beim Wechseln des Nachtgewandes auf ein Taggewand.
15Die Rabbanan lehrten: Alle sind zu den Çiçith verpflichtet, Priester, Leviten, Jisraéliten, Proselyten, Frauen und Sklaven; nach R. Šimo͑n sind Frauen befreit, weil es ein von der Zeit abhängiges Gebot ist, und Frauen von einem von der Zeit abhängigen Gebote befreit sind.
16Der Meister sagte: Alle sind zu den Çiçith verpflichtet, Priester, Leviten, Jisraéliten. Selbstverständlich, wenn Priester, Leviten und Jisraéliten frei wären, wer denn sollte verpflichtet sein!? –
17Dies ist wegen der Priester nötig. Es heißt:du sollst kein Mischgewebe tragen, Wolle und Flachs zusammen. Quasten sollst du dir machen; man könnte nun glauben, dem das Tragen von Mischgewebe verboten ist, sei zu den Çiçith verpflichtet, Priester aber, denen das Tragen von Mischgewebeerlaubt ist, seien nicht verpflichtet, so lehrt er uns.
18Dies ist ihnen zwar beim Tempeldienste erlaubt worden, außerhalb des Tempeldienstes aber ist es ihnen nicht erlaubt worden.
19«Nach R. Šimo͑n sind Frauen befreit.» Was ist der Grund R. Šimo͑ns? – Es wird gelehrt:Ihr sollt es sehen, ausgenommen ist das Nachtgewand.
20Du sagst, ausgenommen ist das Nachtgewand, vielleicht ist dem nicht so, sondern: ausgenommen ist das Gewand eines Blinden? Wenn es heißt:womit du dich zudeckst, so wird ja auch vom Gewände eines Blinden gesprochen, somit schließen [die Worte] ihr sollt es sehen das Nachtgewand aus.
21Was veranlaßt dich, das Gewand eines Blinden einzuschließen und das Nachtgewand auszuschließen? Ich schließe das Gewand eines Blinden ein, weil es von anderen gesehen wird, und ich schließe das Nachtgewand aus, weil es auch von anderen nicht gesehen wird. –
22Wofür verwenden die Rabbanan
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.