Menachot — Blatt 43b

1[die Worte] womit du dich zudeckst? – Diese verwenden sie für folgende Lehre:An den vier Zipfeln deines Gewandes, vier und nicht drei.

2Du sagst, vier und nicht drei, vielleicht ist dem nicht so, sondern: vier und nicht fünf? Wenn es heißt: womit du dich zudeckst, so wird ja auch von einem fünfzipfligen gesprochen, somit ist [das Wort] vier zu erklären: vier und nicht drei.

3Was veranlaßt dich, das fünfzipflige einzuschließen und das dreizipflige auszuschließen? Ich schließe das fünfzipflige ein, weil in fünf vier enthalten sind, und ich schließe das dreizipflige aus, weil in drei nicht vier enthalten sind. –

4Und R. Šimo͑n!? – Dies geht aus [dem Worte] womithervor. –

5Und die Rabbanan!? – [Die Einschließung durch das Wort] womit leuchtet ihnen nicht ein. – Wofür verwenden die Rabbanan [die Worte] ihr sollt es sehen? – Diese verwenden sie für folgende Lehre: Ihr sollt es sehen und euch erinnern; sieh dieses Gebot und erinnere dich eines anderen, mit diesem zusammenhängenden Gebotes, nämlich des Lesens des Šema͑. Es wird nämlich gelehrt: Wann beginnt morgens die Zeit des Šema͑lesens? Sobald man zwischen blau und weiß unterscheiden kann.

6Ferner lehrt ein Anderes: Ihr sollt es sehen und euch erinnern; sieh dieses Gebot und erinnere dich eines anderen Gebotes, das sich in der Nähe von diesem befindet, des Gebotes vom Mischgewebe, denn es heißt:du sollst kein Mischgewebe tragen, Wolle und Flachs zusammen. Quasten sollst du dir machen. Ferner lehrt ein Anderes:

7Ihr sollt es sehen und euch aller Gebote des Herrn erinnern; wer zu diesem Gebote verpflichtet ist, ist zu allen anderen Geboten verpflichtet. Dies nach R. Šimo͑n, welcher sagt, dies sei ein von der Zeit abhängiges Gebot.

8Ferner lehrt ein Anderes: Ihr sollt es sehen und euch aller Gebote des Herrn erinnern; dieses Gebot wiegt alle anderen Gebote auf.

9Ferner lehrt ein Anderes: Ihr sollt es sehen und euch erinnern und tun; das Sehen bringt zur Erinnerung, und die Erinnerung bringt zum Tun. Ferner sagte R. Šimo͑n b. Joḥaj: Wer mit diesem Gebote behutsam ist, dem Ist es beschieden, das Gesicht der Göttlichkeit zu empfangen, denn hierbei heißt es: ihr sollt es sehen, und dortheißt es: den Herrn, deinen Gott, sollst du fürchten und ihm sollst du dienen.

10Die Rabbanan lehrten: Beliebt sind die Jisraéliten, daß der Heilige, gepriesen sei er, sie mit Geboten umringt hat. Tephillin an ihren Häuptern, Tephillin an ihren Armen, Çiçith an ihren Gewändern und Mezuzoth an ihren Türen. Hierüber sprach David:Siebenmal des Tagespreise ich dich wegen deiner gerechten Ordnungen.

11Wenn David sich im Bade befand und sich nackt dastehen sah, sprach er: Wehe mir, daß ich nackt ohne Gebote dastehe! Als er sich aber der Beschneidung an seinem Fleische erinnerte, beruhigte er sich. Nachdem er herausgekommen war, sprach er darüber einen Lobgesang, denn es heißt:Dem Musikmeister über das Achte, ein Psalm Davids; über die Beschneidung, die für den achten [Tag] verliehen worden ist.

12R. Elie͑zer b. Ja͑qob sagte: Wer Tephillin an seinem Kopfe, Tephillin an seinem Arme, Çiçith an seinem Gewände und eine Mezuza an seiner Tür hat, ist geschützt, daß er nicht sündige, denn es heißt:der dreifache Faden wird nicht so schnell zerreißen. Ferner heißt es:der Engel des Herrn lagert rings um die, die ihn fürchten, und errettet sie.

13Es wird gelehrt: R. Meír sagte: Weshalb ist das Purpurblau anders als alle anderen Farben? Weil das Purpurblau dem Meere, das Meer der Himmelsveste und die Himmelsveste dem Throne der Herrlichkeit gleicht, denn es heißt:und unter seinen Füßen war es wie eine Art von Saphirfliesen, und wie der Himmel selbst an Reinheit. Ferner heißt es:wie das Aussehen eines Saphirsteines ist das Aussehen des Thrones.

14Es wird gelehrt: R. Meír sagte: Größer ist die Strafe wegen der weißen [Fäden]als die Strafe wegen der purpurblauen. Dies ist mit folgendem zu vergleichen. Einst beauftragte ein König aus Fleisch und Blut seine zwei Diener, einen beauftragte er, ihm ein Siegel aus Ton zu bringen, und einen beauftragte er, ihm ein Siegel aus Gold zu bringen; beide aber vergingen sich und brachten sie nicht. Wessen Strafe ist nun größer? Doch wohl desjenigen, den er beauftragt hat, ihm ein Siegel aus Ton zu bringen, der es ihm nicht gebracht hat.

15Es wird gelehrt: R. Meír sagte: Der Mensch ist verpflichtet, täglich hundert Segenssprüche zu sprechen, denn es heißt:und nun Jisraél, wasverlangt der Herr, dein Gott, von dir.

16R. Ḥija, Sohn des R. Ivja, bemühte sich, sie am Šabbath und an den Festtagendurch Wohlgerüche und Süßigkeiten zu ergänzen.

17Es wird gelehrt: R. Meír sagte: Der Mensch ist verpflichtet, täglich folgende drei Segenssprüche zu sprechen: ‘Daß er mich nicht zu einem Nichtjuden gemacht hat.’ ‘Daß er mich nicht zu einem Weibe gemacht hat.’ ‘Daß er mich nicht zu einem Unwissenden gemacht hat.’

18Einst hörte R. Aḥa b. Ja͑qob, wie sein Sohn den Segen sprach: ‘Daß er mich nicht zu einem Unwissenden gemacht hat.’ Da sprach er zu ihm: Auch dies noch! Jener fragte: Wie denn sollte der Segen lauten? – ‘Daß er mich nicht zu einem Sklaven gemacht hat.’ – Das ist ja dasselbe, was ‘ein Weib’!? – Ein Sklave

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.