Menachot — Blatt 44a
1[sein] ist verächtlicher.
2Die Rabbanan lehrten: Die Purpurschnecke gleicht [im Aussehen] des Körpers dem Meere und in ihrer Beschaffenheit einem Fische, und nur einmal in siebzig Jahren kommt sie hervor; mit ihrem Blute färbt man die Purpurfäden. Deshalb ist ihr Preis so sehr hoch.
3Es wird gelehrt: R. Nathan sagte: Du hast in der Tora auch nicht das geringste Gebot, für das es nicht eine Belohnung auf dieser Welt gäbe; die der zukünftigen Welt aber ist nicht zu ermessen. Geh und lerne dies vom Gebote der Çiçith.
4Einst hörte jemand, der mit dem Gebote der Çiçith behutsam war, daß es in einer der überseeischen Städte eine Hetäre gebe, die vierhundert Goldstücke als Lohn nehme. Da sandte er ihr vierhundert Zuz und vereinbarte mit ihr eine Zeit. Als diese Zeit heranreichte, kam er und wartete an ihrer Tür,
5und ihre Dienerin ging und sprach zu ihr: Jener Mann, der dir die vierhundert Goldstücke geschickt hat, ist gekommen; er wartet an der Tür. Sie sprach: Er trete ein. Nachdem er eingetreten war, richtete sie für ihn sieben Betten her, sechs aus Silber und eines aus Gold; zwischen dem einen und dem anderen befand sich eine Stufe aus Silber, die obere aber aus Gold.
6Alsdann stieg sie nackt hinauf und ließ sich auf dem oberen nieder. Als aber auch er hinaufstieg und sich nackt neben sie niederlassen wollte, schlugen ihm seine vier Çiçith gegen das Gesicht; da ließ er sich hinabgleiten und blieb auf dem Boden sitzen. Hierauf ließ sie sich ebenfalls hinabgleiten und blieb auf dem Boden sitzen. Sie sprach zu ihm: Beim Kapitolzu Rom, ich laß dich nicht, bis du mir gesagt hast, welchen Makel du an mir gefunden hast.
7Er erwiderte ihr: Beim Kult, noch nie habe ich ein so schönes Weib deinesgleichen gesehen; allein, der Herr, unser Gott, hat uns ein Gebot anbefohlen, es heißt Çiçith, und neben diesem heißt es zweimal:ich bin der Herr, euer Gott; ich bin es, der dereinst bestrafen, und ich bin es, der dereinst belohnen wird. Diese nun kamen mir wie vier Zeugen vor.
8Da sprach sie zu ihm: Ich laß dich nicht, bis du mir deinen Namen gesagt hast, den Namen deiner Stadt, den Namen deines Lehrers und den Namen des Lehrhauses, in dem du das Gesetz lernst. Da schrieb er es auf und gab ihr in die Hand.
9Hierauf machte sie sich auf und teilte ihr Vermögen; ein Drittel für die Regierung, ein Drittel für die Armen und ein Drittel behielt sie in ihrem Besitze, mit Ausnahme jener Bettpolster.
10Alsdann kam sie in das Lehrhaus R. Ḥijas und sprach zu ihm: Meister, befiehl meinethalben, daß man mich zur Proselytin mache. Er sprach zu ihr: Meine Tochter, hast du vielleicht auf einen der Schüler ein Auge geworfen? Da zog sie das Schriftstück hervor und überreichte esihm. Sodann sprach er: Geh, freue dich deines Kaufes.
11Jene Polster, die sie ihm verbotenerweise gebettet hatte, bettete sie ihm erlaubterweise. Dies ist die Belohnung auf dieser Welt; die der zukünftigen Welt aber ist nicht zu ermessen.
12R. Jehuda sagte: Ein geborgtes Gewand ist dreißig Tage von den Çiçith befreit, von dann ab pflichtig.
13Desgleichen wird gelehrt: Wer im Jisraéllande in einem Gasthause wohnt oder im Auslande ein Haus mietet, ist dreißig Tage von der Mezuza befreit, von dann ab verpflichtet. Wer aber ein Haus im Jisraéllande mietet, bringe sofort eine Mezuza an, wegen der Besiedelung des Jisraéllandes.
14IST VON DER HANDTEPHILLA NICHT ABHÄNGIG. R. Ḥisda sagte: Dies gilt nur von dem Falle, wenn man sie hat, hat man sie aber nicht, so ist jene von dieser abhängig.
15Sie fragten ihn: Hast du dies gesagt? Er erwiderte ihnen: Nein; demnach sollte, wer nicht zwei Gebote ausüben kann, auch eines nicht ausüben!? – Welcher Ansicht war ervorher? – Mit Rücksicht darauf, man könnte eine Fahrlässigkeit begehen.
16R. Šešeth sagte: Wer die Tephillin nicht anlegt, übertritt achtGebote;
17wer keine Çiçith an seinem Gewände hat, übertritt fünf Gebote;
18ein Priester, der nicht die Estradebesteigt, übertritt drei Gebote;
19wer keine Mezuza an seiner Tür hat, übertritt zwei Gebote:du sollst sie schreiben, du sollst sie schreiben.
20Reš Laqiš sagte: Wer die Tephillin anlegt, lebt lange, denn es heißt:
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.