Menachot — Blatt 50b

1wohl aber dürfe die Gemeinde es bringen, die solchesals Pflichtopfer bringt, so heißt es:ihr sollt nicht bringen.

2Man könnte glauben, man dürfe es auf den inneren Altar nicht bringen, wohl aber auf den äußeren Altar, so heißt es:und das Salböl und das Räucherwerk von Spezereien für das Heiligtum; wie ich dir geboten habe, sollen sie tun; nur das, was im Abschnitte gesagt ist!?

3R. Papa erwiderte: Dies ist selbstverständlich; selbstverständlich ist diesvon der Gemeinde auf dem äußeren Altar, da dies nicht vorkommt, und selbstverständlich ist dies von einem einzelnen auf dem inneren Altar, da dies nicht vorkommt, aber dies gilt auch von einem einzelnen auf dem äußeren Altar, obgleich wir dies bei den Stammesfürsten finden, denn bei diesen war es eine Bestimmung pro praesenti.

4DAS PFANNENOPFER DES HOCHPRIESTERSWURDE NICHT GETEILTGEBRACHT, VIELMEHR BRACHTE ER EIN GANZES I͑ARON UND TEILTE ES, DIE HÄLFTE BRACHTE ER MORGENS DAR UND DIE HÄLFTE ABENDS. WENN

5DER PRIESTER MORGENS DIE HÄLFTE DARGEBRÄCHT HAT UND GESTORBEN IST, UND AN SEINER STELLE EIN ANDERER EINGESETZT WORDEN IST, SO DARF DIESER NICHT EIN HALBES I͑SARON VOM HAUSE ODER DAS HALBE I͑SARON SEINES VORGÄNGERS DARBRINGEN, VIELMEHR BRINGE ER EIN GANZES I͑SARON UND TEILE ES, DIE HÄLFTE BRINGE ER DAR UND DIE HÄLFTE GEHE VERLOREN; ES ERGIBT SICH, DASS ZWEI HÄLFTEN DARGEBRACHT WERDEN UND ZWEI HÄLFTEN VERLORELN GEHEN.

6GEMARA. Die Rabbanan lehrten: Würde es geheißen haben: Speisopfer, die Hälfte, so würde man verstanden haben, er bringe morgens ein halbes I͑saron vom Hause und bringe es dar, und abends ein halbes I͑saron vom Hause und bringe es dar,

7daher heißt es:seine Hälfte morgens und seine Hälfte abends, er bringe die Hälfte vom ganzen dar. Wie mache er es? Er hole ein ganzes I͑saron und teile es, die Hälfte bringe er morgens dar und die Hälfte abends.

8Man könnte glauben, wenn die Hälfte des Abends unrein geworden oder abhanden gekommen ist, bringe er abends ein halbes I͑saron vom Hause und bringe es dar, so heißt es: seine Hälfte morgens und seine Hälfte abends, er bringe die Hälfte vom ganzen dar.

9Wie mache er es? Er hole ein ganzes I͑saron und teile es, die Hälfte bringe er dar und die Hälfte gehe verloren; es ergibt sich, daß zwei Hälften dargebracht werden und zwei Hälften verloren gehen.

10Man könnte glauben, wenn der Hochpriester morgens die Hälfte dargebracht hat und gestorben ist, und an seiner Stelle ein anderer eingesetzt worden ist, bringe dieser ein halbes I͑saron vom Hause oder ein halbes I͑saron seines Vorgängers dar, so heißt es: und seine Hälfte abends, er bringe die Hälfte vom ganzen dar.

11Wie mache er es? Er hole ein ganzes I͑saron und teile es, [die Hälfte] bringe er dar und die Hälfte gehe verloren; es ergibt sich, daß zwei Hälften verloren gehen und zwei Hälften dargebracht werden.

12Ein Jünger rezitierte vor R. Naḥman: Man lasse die Hälfte des ersten und die Hälfte des anderen verderben, und sie kommen in den Verbrennungsraum.

13Da sprach R. Naḥman zu ihm: Allerdings die des ersten, da sie zur Darbringung geeignetwar, wozu aber ist das Verderbenlassen bei der des anderen nötig, sie war ja von vornherein zur Vernichtung bestimmt!?

14Der dir dies gesagt hat, ist wohl ein Schüler der Schule des Rabba b. Abuha, welcher sagt, das Verderbenlassen sei sogar beim Verwerflichenerforderlich.

15R. Aši sagte: Du kannst auch sagen, nach den Rabbanan, denn da man bei der Teilung beliebig die eine oder die andere darbringen kann, so gelten beide als geeignet.

16Es wurde gelehrt: Wie wurde das Pfannenopfer des Hochpriesters hergerichtet? R. Ḥija b. Abba sagte im Namen R. Joḥanans, es wurde gebacken und nachher gebrägelt. R. Aši sagte im Namen R. Ḥaninas, es wurde gebrägelt und nachher gebacken.

17R. Ḥija b. Abba sagte: Meine Ansicht ist einleuchtend;tuphine, dies heißt teaphena naéh, [beim Backenschön]. R. Asi sagte: Meine Ansicht ist einleuchtend; tuphine, dies heißt teaphena na [beim Backen halbgar].

18So folgende Tannaím: Tuphine, dies heißt teaphena na [beim Backen halbgar]. Rabbi erklärte: Tuphine, teaphena naéh, [beim Backen schön]. R. Jose erklärte: Wiederholtbacken. Er hält von [der Auslegung] halbgar und von [der Auslegung] schön.

19Dort haben wir gelernt: Das Kneten, das Formen und das Backen des Pfannenopfers des Hochpriesters erfolgt innerhalbund es verdrängt den Šabbath.

20Woher dies? R. Hona erwiderte: Tuphine, teaphena naéh [beim Backen schön], und wenn man es am vorangehenden Tage backt, verliert es das [frische] Aussehen. R. Joseph wandte ein: Man kann es ja in Kräuternverwahren!?

21In der Schule R. Jišma͑éls wurde gelehrt:Soll es hergerichtet werden, selbst am Šabbath, soll es hergerichtet werden, selbst in Unreinheit.

22Abajje erwiderte: die Schrift sagt:Feinmehl als beständiges Speisopfer,

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.