Menachot — Blatt 54b
1sie streiten nur über den Fall, wenn es vorher zusammengeschrumpft war, und wieder aufgequollen ist; nach der einen Ansicht gibt es bei Verbotenem eine Verdrängung, und nach der anderen Ansicht gibt es bei Verbotenem keine Verdrängung. –
2Gibt es denn jemand, der sagt, bei Verbotenem gebe es eine Verdrängung, wir haben ja gelernt: Wenn man Speisen in Eigröße in die Sonne gelegt hat und sie vermindert worden sind, und ebenso ein olivengroßes[Stück] von einer Leiche oder einem Aase, ein linsengroßesvon einem Kriechtiere, ein olivengroßes von Verwerflichem, Übriggebliebenem oder Talg, so sind sie nicht unrein, beziehungsweise ist man ihretwegen nicht schuldig wegen Verwerflichem, Übriggebliebenem und Talg;
3wenn man sie in den Regen legt und sie aufquellen, so sind sie unrein, und man ist ihretwegen schuldig wegen Verwerflichem, Übriggebliebenem und Talg. Dies ist eine Widerlegung desjenigen, welcher sagt, bei Verbotenem gebe es eine Verdrängung. Eine Widerlegung. –
4Komm und höre: Man darf den Zehnten von frischen Feigen für gedörrte nach Stückzahlentrichten.
5Erklärlich ist dies, wenn du sagst, man richte sich nach dem früheren Zustande, wenn du aber sagst, man richte sich nach dem gegenwärtigen Zustande, entrichtet man ja den Zehnten zu hoch,
6und wir haben gelernt, wenn man den Zehnten zu hoch entrichtet, seien die Früchte tauglich, der Zehnt aber verdorben!? –
7Wie ist, wenn man sich nach dem früheren Zustande richtet, der Schlußsatz zu erklären: und von gedörrten für frische Feigen nach Maß.
8Erklärlich ist dies, wenn du sagst, man richte sich nach dem gegenwärtigen Zustande, wenn du aber sagst, man richte sich nach dem früheren Zustande, entrichtet man ja den Zehnten zu hoch!?
9Vielmehr wird hier von der großen Hebegesprochen,
10und zwar erfolgt es sowohl im Anfangsatze als auch im Schlußsatze mit wohlwollendem Auge. – Wie ist demnach der Schlußsatz zu erklären: R. Elea͑zar b. R. Jose erzählte: Mein Vater nahm zehn Dörrfeigen aus dem Dörrapparate für neunzig [Frischfeigen] aus dem Korbe. Wieso zehn, wenn du sagst, hier werde von der großen Hebe gesprochen!?
11Vielmehr, hier wird von der Zehnthebegesprochen, und zwar nach Abba Elea͑zar b. Gamliél, denn es wird gelehrt: Abba Elea͑zar b. Gamliél sagte:Eure Hebe wird euch angerechnet werden, die Schrift spricht von zweiHeben, von der großen Hebe und von der Zehnthebe;
12wie die große Hebe nach Schätzungund durch Bestimmungentrichtet werden kann, ebenso auch die Zehnthebe nach Schätzung und durch Bestimmung,
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.