Menachot — Blatt 55b

1Es darf nicht gesäuert gebacken werden; was lehrt dies, es heißt ja bereits:es darf nicht gesäuert hergerichtet werden? Aus den Worten: es darf nicht gesäuert hergerichtet werden, könnte man entnehmen, man sei wegen aller Tätigkeiten nur einmal schuldig, so heißt es: es darf nicht gebacken werden;

2das Backen war einbegriffen und wurde deshalb herausgegriffen, um alles andere damit zu vergleichen: wie das Backen eine gesonderte Tätigkeit ist, und man ist dieserhalb besonders schuldig, ebenso auch das Kneten, das Formen und jede andere gesonderte Tätigkeit,

3dies schließt das Glättenein, das ebenfalls eine gesonderte Tätigkeit ist, derentwegen man besonders schuldig ist. –

4Wir entnehmen es aus [dem Worte] ihr Anteil. –

5Vielleicht deutet das ganze hierauf!? –

6Wenn dem so wäre, so sollte es doch heißen: ihr Anteil darf nicht gesäuert gebacken werden, wenn es aber heißt: es darf nicht gesäuert gebacken werden, ihr Anteil, so ist beides zu entnehmen. –

7Vielleicht ist man wegen des Backens, das der Allbarmherzige besonders nennt, einmal schuldig und wegen der übrigen zusammen einmal!? – Dies war in der Generalisierung einbegriffen und ist aus der Generalisierung herausgegriffen worden, um etwas zu lehren, und dies bezieht sich nicht nur auf dieses allein, sondern auf die ganze Generalisierung. –

8Vielleicht sind [die Worte] soll nicht hergerichtet werden eine Generalisierung und [die Worte] soll nicht gebacken werden eine Spezialisierung, und wenn auf eine Generalisierung eine Spezialisierung folgt, so enthält die Generalisierung nur das, was die Spezialisierung nennt, nur das Backen, anderes aber nicht!?

9R. Apṭoriqi erwiderte: Die Generalisierung und die Spezialisierung sind von einander entfernt, und wenn die Generalisierung und die Spezialisierung von einander entfernt sind, wird [die Regel] von der Generalisierung und Spezialisierung nicht angewandt.

10R.Ada b. Ababa, manche sagen, Kadi, wandte ein: Wird denn, wenn die Generalisierung und die Spezialisierung von einander entfernt sind, [die Regel] von der Generalisierung und Spezialisierung nicht angewandt, es wird ja gelehrt:Er schlachte es am Orte, wo das Brandopfer geschlachtet wird; wie das Brandopfer auf der Nordseite geschlachtet wird, ebenso auch dieses auf der Nordseite.

11Braucht dies denn hieraus entnommen zu werden, es heißt ja bereits:am Orte, wo das Brandopfer geschlachtet wird, ist das Sündopfer zu schlachten!? Jeneswurde deshalb hervorgehoben, um es festzusetzen: hat man es nicht in der Nordseite geschlachtet, so hat man es untauglich gemacht.

12Du sagst, es sei dieserhalb hervorgehoben worden, vielleicht ist dem nicht so, sondern daß nur dieses der Nordseite benötigt, nicht aber andere? Es heißt:er schlachte das Sündopfer am Orte, wo das Brandopfer (geschlachtetwird), und dies ist eine Hauptnorm für alle Sündopfer, daß sie der Nordseite benötigen.

13Nur deshalb, weil der Allbarmherzige geschrieben hat: er schlachte das Sündopfer, sonst aber würde man gesagt haben, nur für jenes und nicht für andere sei die Nordseite erforderlich;

14doch wohl deshalb, weil hierbei eine Generalisierung und eine Spezialisierung vorhanden ist, somit wird hier [die Regel] von der Generalisierung und Spezialisierung angewandt, obgleich sie von einander entfernt sind!?

15R. Aši entgegnete: Ist dies denn überhaupt eine Generalisierung und Spezialisierung, dies ist jaeine Spezialisierung und Generalisierung, somit ist die Generalisierung eine Hinzufügung zur Spezialisierung, und schließt alles ein!?

16Dem Autor ist vielmehr das es auffallend und er lehrt wie folgt: vielleicht ist dem nicht so, sondern deutet darauf, daß nur dieses der Nordseite benötigt, nicht aber anderes, denn der Allbarmherzige sagt es. –

17Was schließt nun das es aus, wo dies entnommen wird aus [den Worten] er schlachte das Sündopfer!? – Dies lehrt, nur dieses in der

18Nordseite, nicht aber der Ziegenbock Naḥšonsin der Nordseite.

19Man könnte nämlich glauben, dieser sei, da er hinsichtlich des Stützenseinbegriffen ist, auch hinsichtlich der Nordseite einbegriffen, so lehrt er uns. –

20Woher dies vom Stützen? – Es wird gelehrt:Er stütze seine Hand auf den Kopf des Ziegenbockes, dies schließt den Ziegenbock Naḥšons hinsichtlich des Stützens ein – so R. Jehuda; R. Šimo͑n sagt,

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.