Menachot — Blatt 60b
1es wird von der Darbringung des Pflichtigen Speisopfers gesprochen und es wird von der Darbringung des freiwilligen Speisopfers gesprochen, wie das freiwillige Speisopfer des Heranbringens benötigt, ebenso benötigt auch das pflichtige Speisopfer des Heranbringens.
2[Entgegnet man:] wohl das freiwillige Speisopfer, weil es des Öls und des Weihrauchs benötigt, so beweist das Eifersuchts-Speisopfer
3[das Entgegengesetzte; erwidert man:] wohl das Eifersuchts- Speisopfer, weil es des Schwingens benötigt, so beweist das freiwillige Speisopfer[das Entgegengesetzte].
4Die Replikation wiederholt sich nun: die Eigenheit des einen gleicht nicht der Eigenheit des anderen und die Eigenheit des anderen gleicht nicht der Eigenheit des einen; das Gemeinsame bei ihnen ist, daß sie hinsichtlich des Abhäufens einander gleichen, und sie gleichen einander hinsichtlich des Heranbringens, somit ist auch das Sünd-Speisopfer einzuschließen, es gleicht ihnen hinsichtlich des Abhäufens, und es gleiche ihnen auch hinsichtlich des Heranbringens.
5Aber das Gemeinsame bei ihnen ist auch, daß sie für Reiche wie für Arme geeignet sind, während das Sünd-Speisopfer nicht für Reiche wie für Arme geeignetist, daher heißt es: das Speisopfer.
6R. Šimo͑n sagte: Und bringe es, dies schließt das Speisopfer der Schwingegarbe hinsichtlich des Heranbringens ein, denn es heißt:ihr sollt die Erstlingsgarbe eurer Ernte zum Priester bringen. Er reiche es, dies schließt das Eifersuchts-Speisopfer hinsichtlich des Heranbringens ein, denn es heißt:er reiche es zum Altar.
7Dies wäre durch einen Schluß zu folgern: wenn das Sünd-Speisopfer, das des Schwingens nicht benötigt, des Heranbringens benötigt, um wieviel mehr benötigt das Eifersuchts-Speisopfer, das des Schwingens benötigt, des Heranbringens. [Entgegnet man:] wohl das Sünd-Speisopfer, weil es aus Weizen dargebracht wird,
8so beweist das Speisopfer der Schwingegarbe[das Entgegengesetzte; erwidert man:] wohl das Speisopfer der Schwingegarbe, weil es des Öls und des Weihrauchs benötigt, so beweist das Sünd-Speisopfer [das Entgegengesetzte].
9Die Replikation wiederholt sich nun: die Eigenheit des einen gleicht nicht der Eigenheit des anderen und die Eigenheit des anderen gleicht nicht der Eigenheit des einen; das Gemeinsame bei ihnen ist, daß sie hinsichtlich des Abhäufens einander gleichen, und sie gleichen einander hinsichtlich des Heranbringens, somit ist auch das Eifersuchts-Speisopfer einzuschließen, es gleicht ihnen hinsichtlich des Abhäufens, und gleiche ihnen auch hinsichtlich des Heranbringens.
10Aber das Gemeinsame bei ihnen ist auch, daß sie aus grobem Mehl nicht tauglichsind, daher heißt es: er reiche es.
11R. Jehuda sagte: Und bringe es, dies schließt das Eifersuchts-Speisopfer hinsichtlich des Heranbringens ein, denn es heißt:er bringe ihr Opfer;
12hinsichtlich des Speisopfers der Schwingegarbe aber ist kein Schriftversnötig, denn hinsichtlich dessen ist es durch einen Schluß zu folgern: wenn das Sünd- Speisopfer, das des Schwingens nicht benötigt, des Heranbringens benötigt, um wieviel mehr benötigt das Speisopfer der Schwingegarbe, das des Schwingens benötigt, des Heranbringens.
13[Entgegnet man:] wohl das Sünd-Speisopfer, weil es aus Weizen dargebracht wird, so beweist das Eifersuchts-Speisopfer [das Entgegengesetzte; erwidert man:] wohl das Eifersuchts-Speisopfer, weil es zur Aufklärung der Sündedient, so beweist das Sünd-Speisopfer [das Entgegengesetzte].
14Die Replikation wiederholt sich nun: die Eigenheit des einen gleicht nicht der Eigenheit des anderen und die Eigenheit des anderen gleicht nicht der Eigenheit des einen; das Gemeinsame bei ihnen ist, daß sie hinsichtlich des Abhäufens einander gleichen, und sie gleichen einander hinsichtlich des Heranbringens, somit ist auch das Speisopfer der Schwingegarbe einzuschließen, es gleicht ihnen hinsichtlich des Abhäufens, und es gleiche ihnen auch hinsichtlich des Heranbringens.
15Dagegenist nichts einzuwenden. R. Šimo͑naber wendet wie folgt ein: das Gemeinsame bei ihnen ist, daß sie häufiger sind. –
16Und R. Jehuda!? – Im Gegenteil, dieses ist häufiger, denn bei jenen kann es vorkommen, daß sie überhaupt nicht [dargebracht werden]. –
17Vielleicht besagt [das Wort] bringen, daß ein einzelner noch andere außer den im Abschnitte genannten Speisopfernfreiwillig darbringen dürfe!?
18Dies ist auch aus einem Schluß zu folgern: die Gemeinde bringt Pflichtige Speisopfer aus Weizen und pflichtige Speisopfer aus Gerste, ebenso bringe ein einzelner, der freiwillige Opfer aus Weizen bringt, auch freiwillige Opfer aus Gerste. – Es heißt:diese, nur diese. –
19Vielleicht deutet [das Wort] diese darauf, daß, wenn jemand gesagt hat, er spende ein Speisopfer, er alle fünfdarbringen müsse!? – Es heißt von diesen, er kann nach Belieben sowohl eines als auch alle fünf darbringen.
20R. Šimo͑n sagte: Das Speisopfer, dies schließt andere Speisopfer, beispielsweise Speisopfer von Nichtjuden, und Speisopfer von Frauen, hinsichtlich des Heranbringens ein. Man könnte nun glauben, auch die zwei Brote und das Schaubrot seien einzuschließen, so heißt es von diesen. –
21Was veranlaßt dich, andere Speisopfer einzuschließen und die zwei Brote und das Schaubrot auszuschließen? – Ich schließe andere Opfer ein, weil von ihnen aufs Altarfeuer kommt, und ich schließe die zwei Brote und das Schaubrot aus, weil von ihnen nichts aufs Altarfeuer kommt.
22Man könnte nun glauben, das Speisopfer des Gußopfers, das vollständig aufs Altarfeuer kommt, benötige des Heranbringens, so heißt es reiche es. –
23Dieses ist ja verwandtworden!? – [Es heißt] reiche es. – Was veranlaßt dich, andere Opfer einzuschließen und das Speisopfer des Gußopfers auszuschließen? –
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.