Menachot — Blatt 63b

1Heißt es denn zweimalOpfer, es heißt ja nur einmal Opfer!? Bei diesem wird von Kuchen und Fladengesprochen,

2somit darf man nach Belieben nur Kuchen, nur Fladen oder die Hälfte Kuchen und die Hälfte Fladen bringen. Man mische sie durcheinander und hebe den Haufen von beidem zusammen ab; ist er ihm aber von den einen für beides in die Hand gekommen, so hat man der Pflicht genügt.

3R. Jose b. R. Jehuda sagte: Woher, daß, wenn jemand sagt, er verpflichte sich zu einem Gebäck-Speisopfer, er nicht die Hälfte Kuchen und die Hälfte Fladen bringen darf? Es heißt:und jedes Speisopfer, das im Ofen gebacken wird, und jedes, das im Tiegel oder auf der Pfanne zubereitet wird, soll dem Priester, der es darbringt, gehören; und jedes mit Öl gemengte oder trockene Speisopfer soll allen Söhnen Ahrons gehören.

4Wie untendas jedes sich auf zwei besondere Artenbezieht, ebenso bezieht sich auch obendas jedes auf zwei besondere Arten –

5Und R. Jehuda, R. Šimo͑n erwiderte ihm ja treffend!? – Er kann dir erwidern: da es zweimal mit Öl heißt, so ist es ebenso, als würde es zweimal Opfer heißen. –

6Und R. Šimo͑n!? – Hieße es nicht zweimal mit Öl, so könnte man glauben, durchaus die Hälfte Kuchen und die Hälfte Fladen, nicht aber Kuchen allein oder Fladen allein, so lehrt er uns. –

7R. Jose b. R. Jehuda lehrt ja dasselbe, was sein Vater!? – Ein Unterschied besteht zwischen ihnen in dem Falle, wenn es bereits erfolgt ist.

8R. JIŠMA͑ÉL SAGT, DIE SCHWINGEGARBE WURDE AM ŠABBATH AUS DREI SEÁ UND ALLTAGS AUS FÜNF DARGEBRACHT; DIE WEISEN SAGEN, SIE WERDE SOWOHL AM ŠABBATH ALS AUCH ALLTAGS AUS DREI DARGEBRACHT.

9R. ḤANINA DER PRIESTERVORSTEHER SAGT, AM ŠABBATH WURDE SIE VON EINEM GEMÄHT, MIT EINER SICHEL UND IN EINEN KORB [GESAMMELT], ALLTAGS VON DREIEN, IN DREI KÖRBE UND MIT DREI SICHELN; DIE WEISEN SAGEN, SOWOHL AM ŠABBATH ALS AUCH ALLTAGS VON DREIEN, IN DREI KÖRBE UND MIT DREI SICHELN.

10GEMARA. Allerdings sind die Rabbanan der Ansicht, ein allerbestes I͑saron sei aus drei Sea͑ zu gewinnen, somit besteht kein Unterschied zwischen Alltag und Šabbath,

11welcher Ansicht aber ist R. Jišma͑él: ist er der Ansicht, ein allerbestes I͑saron sei nur aus fünf zu gewinnen, so sollte dies auch am Šabbath gelten, und ist er der Ansicht, es sei auch aus drei zu gewinnen, so sollte dies auch alltags gelten!?

12Raba erwiderte: R. Jišma͑él ist der Ansicht, ein allerbestes I͑saron sei ohne Mühe aus fünf und mit Mühe aus drei zu gewinnen; alltags bringe man es daher aus drei, da es so besser ist, am Šabbath aber dehne man lieber eine Arbeit aus, das Sieben, als viele Arbeiten.

13Rabba sagte: R. Jišma͑él und R. Jišma͑él, Sohn des R. Joḥanan b. Beroqa, lehren das gleiche. Es wird nämlich gelehrt: Fällt der vierzehnte [Nisan] auf einen Šabbath, so enthäute man das Pesaḥopfer bis zur Brust – so R. Jišma͑él, Sohn des R. Joḥanan b. Beroqa; die Weisen sagen, man enthäute es vollständig.

14R. Jišma͑él, Sohn des R. Joḥanan b. Beroqa, ist der Ansicht, soweit möglich, sei die Arbeit zu unterlassen, ebenso ist auch hierbei, da dies möglich ist, die Arbeit zu unterlassen. –

15Wieso dies, vielleicht ist R. Jišma͑él dieser Ansicht nur hierbei, wokeine Mißachtung des Geheiligten erfolgt, in jenem Falle aber, wo eine Mißachtung des Geheiligtenerfolgt,

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.