Menachot — Blatt 65a

1Das ist es, was gelehrt wird: Petaḥja war über die Geflügelopfer gesetzt. Petaḥja ist Mordekhaj, und Petaḥja wird er deshalb genannt, weil er Worte zu lösen [pataḥ] und zu erklären verstand; er war auch in den siebzig Sprachen kundig. –

2Das ganze Synedrium war ja in den siebzig Sprachen kundig!? R. Joḥanan sagte nämlich: Man wähle in das Synedrium nur solche, die weise sind, ein schönes Aussehen und eine stattliche Figur haben, gesetzten Alters sind, Zauberei verstehen und in den siebzig Sprachen kundig sind, damit das Synedrium keines Dolmetschers benötige. –

3Vielmehr, er vermengte die Sprachen und erklärte [die Worte]. Deshalb wird Mordekhaj Bilšangenannt.

4WIE VERFUHR MAN DABEI? GERICHTSBOTEN ZOGEN AM VORABENDE DES FESTES AUS UND BANDEN DIE AM BODEN HAFTENDEN [ÄHREN] IN BÜNDELN ZUSAMMEN, UM SIE LEICHTER MÄHEN ZU KÖNNEN. AUS ALLEN UMLIEGENDEN STÄDTEN SAMMELTEN SICH LEUTE AN, DAMIT DAS MÄHEN UNTER GROSSEM AUFZUGE ERFOLGE.

5BEI ANBRUCH DER DUNKELHEITSPRACH ER ZU IHNEN: IST DIE SONNE UNTERGEGANGEN? SIE ERWIDERTEN: JAWOHL. – IST DIE SONNE UNTERGEGANGEN? SIE ERWIDERTEN; JAWOHL. – IST DIES EINE SICHEL? SIE ERWIDERTEN: JAWOHL. – IST DIES EINE SICHEL? SIE ERWIDERTEN: JAWOHL. – IST DIES EIN KORB? SIE ERWIDERTEN: JAWOHL. – IST DIES EIN KORB? SIE ERWIDERTEN: JAWOHL.

6AM ŠABBATH SPRACH ER: IST HEUTE ŠABBATH? SIE ERWIDERTEN: JAWOHL. – IST HEUTE ŠABBATH? SIE ERWIDERTEN: JAWOHL. – SOLL ICH MÄHEN? SIE ERWIDERTEN: MÄHE. – SOLL ICH MÄHEN? SIE ERWIDERTEN: MÄHE.

7JEDE DIESER FRAGEN WURDE DREIMAL WIEDERHOLT, UND SIE ERWIDERTEN: JAWOHL, JAWOHL, JAWOHL. WOZU DIES ALLES? WEGEN DER BOÉTHUSÄER, DIE SAGEN, DAS MÄHEN DER SCHWINGEGARBE HABE NICHT AM AUSGANGE DES FESTES ZU ERFOLGEN.

8GEMARA. Die Rabbanan lehrten: Folgende Tage sind es, an denen das Fasten verboten und manche [auch], an denen die Trauer verboten ist: vom Neumondstage des Nisan bis zum achten desselben ist, weil dann das beständige Opfer eingeführt wurde, die Trauer verboten; vom achten desselben bis zum Schlüsse des Festes ist das Wochenfest festgesetzt worden, und an diesen ist die Trauerverboten.

9«Vom Neumondstage des Nisan bis zum achten desselben ist, weil dann das beständige Opfer eingeführt wurde, die Trauer verboten.» Die Saduzäer sagten nämlich, das beständige Opfer werde von einzelnen freiwillig gespendet und dargebracht, und sie stützten sich auf folgenden Schriftvers:das eine Lamm sollst dumorgens herrichten and das andere Lamm sollst du abends herrichten.

10Man erwiderte ihnen aber:Auf meine Opfergabe, meine Speise zu meinen Feueropfern &c. sollt ihracht haben; sie kommen alle aus der Tempelkasse.

11«Vom achten desselben bis zum Schlüsse des Festes ist das Wochenfest festgesetzt worden, und an diesen ist die Trauer verboten.» Die Boéthusäer sagten nämlich, das Wochenfest müsse auf einen Šabbathfolgen,

12da ließ sich R. Joḥanan b. Zakkaj mit ihnen ein und sprach zu ihnen: Toren, woher wißt ihr dies? Niemand war da, der ihm zu antworten wußte, nur ein Alter plapperte etwas gegen ihn und sprach: Unser Meister Moše war ein Freund der Jisraéliten, und da ihm bekannt war, daß das Wochenfest nur einen Tag habe, verlegte er es auf [den Tag] nach dem Šabbath, damit die Jisraéliten zwei Tage in Wonne verbringen können. Da hielt er ihm folgenden Schriftvers entgegen:Elf Tage beträgt der Weg von Ḥoreb bis zum Berge Sei͑r;

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.