Menachot — Blatt 65b

1wäre nun unser Meister Moše ein Freund der Jisraéliten, wieso hielt er sie vierzig Jahre in der Wüste!? Jener entgegnete: Meister, damit willst du mich abfertigen!? Dieser erwiderte: Tor, sollte etwa unsere vollkommene Tora nicht soviel sein, wie euer eitles Geschwätz!?

2Ein Schriftvers lautet:sollt ihr fünfzig Tage zählen, und ein anderer lautet:sieben volle Wochen sollen es sein; wie ist dieszu erklären?

3Eines, wenn das Festauf einen Šabbath fällt, und eines, wenn das Fest auf einen Wochentagfällt.

4R. Elie͑zer sagte: Dies ist nicht nötig; es heißt:sollst du dir zählen, die Zählung ist dem Gerichte überlassen, da dieses die Feste weiht.Am Tage nach dem Šabbath, das ist der Tag nach dem Feste und nicht nach dem Šabbath der Schöpfung, denn dessen Zählung kann durch jedermannerfolgen.

5R. Jehošua͑ sagte: Die Tora sagt, daß man die Tage zähle und den Neumond weihe, und daß man die Tage zähle und das Wochenfest weihe; wie der Neumond vor seinem Eintritte kenntlich ist, denn er unterscheidet sich vom vorangehenden Tage, indem er heilig und jener profan ist, ebenso muß auch das Wochenfest vor seinem Eintritte kenntlich sein.

6Wenn man nun sagen wollte, das Wochenfest folge stets auf einen Šabbath, so unterscheidet es sich ja nicht vom vorangehenden [Tage], denn der eine ist heilig und der andereist heilig.

7R. Jišma͑él sagte: Die Tora lehre, daß man die Schwingegarbe am Pesaḥfeste und die zwei Brote am Wochenfest darbringe; wie diese am Feste, und zwar am Beginne des Festes, ebenso auch jene am Feste, am Beginnedes Festes.

8R. Jehuda b. Bethera sagte: Obenwird der Šabbath genannt und untenwird der Šabbath genannt, wie es dort das Fest ist, nächstdem Beginne des Festes, ebenso auch hier am Feste, nächst dem Beginnedes Festes.

9Die Rabbanan lehrten:Ihr sollt euch zählen, das Zählen ist jedem besonders geboten;

10am Tage nach dem Šabbath, am Tage nach dem Feste. Vielleicht ist dem nicht so, sondern am Tage nach dem Šabbath der Schöpfung? R. Jose b. Jehuda erwiderte: Es heißt:sollt ihr fünfzig Tage zählen,

11die Zählung darf in jedem Falle, wie sie auch erfolgt, nur fünfzig Tage betragen, und wenn man sagen wollte, am Tage nach dem Šabbath der Schöpfung, könnten es ja zuweilen einundfünfzig, zweiundfünfzig, dreiundfünfzig, vierundfünfzig, fünfundfünfzig und sechsundfünfzigsein.

12R. Jehuda b. Bethera sagte: Dies ist nicht nötig;

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.