Menachot — Blatt 71a
1R. Jošija: Du setzt dich nichthin, bis du mir folgendes erklärt hast. Woher, daß die Schwingegarbe beim Wurzelnerlaubt mache? –
2Woher, es heißt:reife Frucht, demnach gibt es, was keine reife Frucht ist. –
3Vielleicht keine reife Frucht, jedoch ein Drittel der Reifeerreicht!?
4Vielmehr, erklärte Šemuél:Wenn die Sichel beginnt, demnach gibt es, woran die Sichel noch nicht gelegt wird. – Vielleicht, woran die Sichel noch nicht gelegt wird, jedoch als Viehfutter brauchbar!?
5R. Jiçḥaq erwiderte:das stehende Getreide, wahrscheinlich gibt es, was nicht stehendes Getreide ist. – Vielleicht kein stehendes Getreide, jedoch Gras!?
6Vielmehr, erklärte Raba: Das du säest, von der Zeit des Säens. R. Papa sprach zu Raba: Demnach sollte dies auch von dem Falle gelten, wenn es noch nicht gewurzelt hat!? Dieser erwiderte: Metbrauer, es heißt:imFelde.
7MAN DARF AUF KÜNSTLICH BEWÄSSERTEN FELDERN IN TÄLERNMÄHEN, NICHT ABER AUFSCHOBERN. DIE LEUTE VON JERIḤO MÄHTEN MIT BILLIGUNG DER WEISEN UND SCHOBERTEN OHNE BILLIGUNG DER WEISEN AUF; SIE WEHRTEN ES IHNEN ABER NICHT. MAN DARF [GETREIDE] ALS FUTTERGRAS MÄHEN UND SEINEM VIEH ZU FRESSEN GEBEN. R. JEHUDA SAGT, NUR DANN, WENN MAN BEGONNEN HAT, ALS ES EIN DRITTEL DER REIFE NOCH NICHT ERREICHT HATTE; R. ŠIMO͑N SAGT, MAN DÜRFE DIES, AUCH NACHDEM ES EIN DRITTEL DER REIFE ERREICHT HAT.
8FERNER DARF MAN MÄHEN WEGEN DER JUNGEN SETZLINGE, WEGEN DER TRAUERFEIER, UND WEGEN DER STÖRUNG DER LEHRVORTRÄGE; JEDOCH BINDE MAN ESNICHT ZU BÜNDELN, SONDERN LEGE ES IN HAUFEN.
9ES IST GEBOT, DIE SCHWINGEGARBE VOM STEHENDEN GETREIDE ZU BRINGEN; FINDET MAN KEINES, SO BRINGE MAN SIE VON GARBEN; ES IST GEBOT, SIE VON FEUCHTEM ZU BRINGEN, FINDET MAN KEINES, SO BRINGE MAN SIE VON TROCKENEM; ES IST GEBOT, SIE NACHTS ZU MÄHEN, HAT MAN SIE AM TAGE GEMÄHT, SO IST SIE TAUGLICH; SIE VERDRÄNGT DEN ŠABBATH.
10GEMARA. Es wird gelehrt: R. Binjamin sagte: Ein Schriftvers lautet und seine Ernte mähet, so sollt ihr eine Garbe bringen, und ein anderer lautet:das erste eurer Ernte zum Priester;
11wie ist dies zu erklären? An einer Stelle, aus der du bringst, darfst du nicht mähen, an einer Stelle, aus der du nicht bringst, darfst du mähen. –
12Vielleicht: von der Art, von der du bringst, darfst du nicht mähen, von der Art, von der du nicht bringst, darfst du mähen!? – Dies kannst du nicht sagen, wegen der Erklärung R. Joḥanans.
13DIE LEUTE VON JERIḤO MÄHTEN MIT BILLIGUNG DER WEISEN UND SCHOBERTEN OHNE BILLIGUNG DER WEISEN &C. Der Autor, nach dem sie es verwehrt. beziehungsweise nicht verwehrt haben, ist ja R. Jehuda,
14und R. Jehuda ist ja nicht der Ansicht, das Mähen der Leute von Jeriḥo sei mit Billigung der Weisen erfolgt!? Es wird nämlich gelehrt: Sechs Dinge taten die Leute von Jeriḥo, drei mit Billigung der Weisen und drei ohne Billigung der Weisen.
15Folgende mit Billigung der Weisen: sie pfropften Dattelpalmen den ganzen Tag, sie leierten das Šemaherunter und sie mähten vor der Schwingegarbe; dies erfolgte mit Billigung der Weisen. Folgende ohne Billigung der Weisen: sie schoberten [das Getreide] vor der Schwingegarbe, sie erlaubten Triebe von Johannisbrotbäumenund Sykomoren des Heiligtums, und sie brachen Lücken in ihre Gemüse- und Obstgärten, damit die Armen in den Jahren der Dürre an Šabbathen und Festen die abgefallenen Früchte essenkönnen – so R. Meír.
16R. Jehuda sprach zu ihm: Wenn sie dies mit Billigung der Weisen getan haben, so sollte auch jeder andere dies tun dürfen!? Vielmehr, diese und jene ohne Billigung der Weisen, nur hatten sie ihnen drei verwehrt und drei nicht verwehrt.
17Folgende verwehrten sie ihnen nicht: sie pfropften den ganzen Tag Dattelpalmen, sie leierten das Šema͑ herunter und sie mähten und schoberten vor der Schwingegarbe. Folgende aber verwehrten sie ihnen:
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.