Menachot — Blatt 72b
1Sollte R. Elea͑zar b. R. Šimo͑n dies etwa nicht gehört haben!?
2Vielmehr verhält es sich da anders, weil das Schlachten den Šabbath bereits verdrängthat.
3Und auch gegen Rabbi [ist einzuwenden:] das Schlachten hat ja den Šabbath verdrängt!? –
4Vielmehr, Rabbi ist der Ansicht, das Mähen der Schwingegarbe verdränge den Šabbath nicht. – Etwa nicht, wir haben ja gelernt, die Weisen sagen, sowohl am Šabbath als auch alltags werde sie aus drei [Seá] dargebracht!? – Nicht nach Rabbi. –
5Die Weisen sagen, sowohl am Šabbath als auch alltags von dreien, in drei Körbe und mit drei Sicheln!? – Nicht nach Rabbi. –
6Am Šabbath sprach er zu ihnen: ist heute Šabbath!? – Nicht nach Rabbi.
7HAT MAN SIE AM TAGE GEMÄHT, SO IST SIE TAUGLICH; SIE VERDRÄNGT DEN ŠABBATH. Derjenige, welcher sagt, sie sei am Tage gemäht tauglich, ist ja Rabbi, und es wird gelehrt, sie verdränge den Šabbath, doch wohl das Mähen!? – Nein, die Darbringung. –
8Nicht etwa auch das Mähen, es wird ja gelehrt: Rabbi sagte:Da sagte Moše die Festzeiten des Herrn; was lehrt dies? Wir wissen esnur vom beständigen Opfer und vom Pesaḥopfer, bei denen es zur Zeitheißt, zur Zeit, selbst am Šabbath, zur Zeit, selbst in Unreinheit,
9woher dies von anderen Gemeindeopfern? Es heißt:dies sollt ihr dem Herrn herrichten an euren Festzeiten.
10Woher, daß auch die Schwingegarbe und das, was damit dargebracht wird, und die zwei Brote und das, was damit dargebracht wird, einbegriffen sind? Es heißt: da sagte Moše die Festzeiten des Herrn; die Schrift setzte für diese alle eine Zeit fest.
11Wodurch, wenn durch die Darbringung, so werden ja die zwei Brote nicht dargebracht,
12doch wohl durch das Mahlen und das Sieben, und dem entsprechend die Schwingegarbe durch das Mähen, und sie verdrängt den Šabbath!? –
13Nein, die Schwingegarbe durch die Darbringung und die zwei Brote durch das Backen. Rabbi ist nämlich der Ansicht, der Ofen heilige sie, und wenn man sieam vorangehenden Tage backen würde, würden sie durch das Übernachten untauglich werden. –
14Ist Rabbi denn der Ansicht, der Ofen heilige, es wird ja gelehrt: Die Lämmer des Wochenfestes heiligen das Brot nur durch das Schlachten. Zum Beispiel: hat man sie auf ihren Namen geschlachtet und das Blut auf ihren Namen gesprengt, so ist das Brot heilig;
15hat man sie auf einen anderen Namen geschlachtet und das Blut auf einen anderen Namen gesprengt, so ist das Brot nicht heilig; hat man sie auf ihren Namen geschlachtet und das Blut auf einen anderen Namen gesprengt, so ist das Brot heilig und nicht heilig– so Rabbi.
16R. Elea͑zar b. R. Šimo͑n sagt, es sei nur dann heilig, wenn man sie auf ihren Namen geschlachtet und das Blut auf ihren Namen gesprengt hat!?
17R. Naḥman b. Jiçḥaq erwiderte: Er meint, sie werden dadurch bestimmt, beziehungsweise nicht bestimmt.
18VON FOLGENDEN SPEISOPFERN IST DER HAUFE ABZUHEBEN UND DAS ZURÜCKBLEIBENDE GEHÖRT DEN PRIESTERN: VOM SPEISOPFER AUS FEINMEHL, DEM PFANNENOPFER, DEM TIEGELOPFER, DEN KUCHEN UND FLADEN, DEM SPEISOPFER VON NICHTJUDEN, DEM SPEISOPFER VON FRAUEN, DEM SPEISOPFER DER SCHWINGEGARBE, DEM SÜND-SPEISOPFER UND DEM EIFERSUCHTS-SPEISOPFER.
19R. ŠIMO͑N SAGT, VOM SÜND-SPEISOPFER DER PRIESTER WERDE DER HAUFE ABGEHOBEN, UND DANN DER HAUFE BESONDERS UND DAS ZURÜCKBLEIBENDE BESONDERS DARGEBRACHT.
20GEMARA. R. Papa sagte: Von allem, was hier aufgezählt wird, werden zehn [Kuchen dargebracht]. – Was lehrt er uns damit? –
21Dies schließt die Ansicht R. Šimo͑ns aus; dieser sagt, die Hälfte Kuchen und die Hälfte Fladen, so lehrt er uns, daß dem nicht so ist.
22UND DAS ZURÜCKBLEIBENDE GEHÖRT DEN PRIESTERN. Woher dies? – Von manchen steht dies ausdrücklich geschrieben, und hinsichtlich derjenigen, von welchen dies nicht ausdrücklich geschrieben steht, heißt es:dies ist das Gesetz des Speisopfers; die Söhne Ahrons sollen es darbringen &c. und was davon zurückbleibt, sollen Ahron und seine Söhne essen. –
23Von den aus Weizen zu bringenden, ist es uns nicht fraglich, fraglich ist es nur von den aus Gerste zu bringenden. – Auch von den aus Gerste zu bringenden gehört ja, da von ihnen der Haufe abgehoben wird, das Zurückbleibende den Priestern!? –
24Nach den Rabbanan ist dies auch nicht fraglich, fraglich ist es nur nach R. Šimo͑n, welcher sagt, es gebe Speisopfer, von denen der Haufe abgehoben wird, die aber nicht gegessen werden.
25Wir haben gelernt: R. Šimo͑n sagt, vom Sündspeisopfer der Priester werde der Haufe abgehoben, und dann der Haufe besonders und das Zurückbleibende besonders dargebracht. Woher dies?
26Ḥizqija erwiderte: Die Schrift sagt: und jedes mit Öl gemengte oder trockene Speisopfer soll allen Söhnen Ahrons gehören, und da dies auf das gemengte aus Weizen nicht zu beziehen ist, so beziehe man es auf das gemengte aus Gerste, und da dies ferner auf das trockene aus Weizen nicht zu beziehen ist, so beziehe man es auf das trockene aus Gerste. –
27Ist dies denn hierfür zu verwenden, dies ist ja für folgende Lehre nötig: Woher, daß man nicht Speisopfer gegen Schlachtopferteile?
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.