Menachot — Blatt 73b
1Das Heilsopfer eines Nichtjuden ist ein Brandopfer. Wenn du willst, aus einem Schriftverse zu entnehmen, und wenn du willst, zu begründen. Wenn du willst, zu begründen: weil ein Nichtjude an den Himmeldenkt;
2wenn da willst, aus dem Schriftverse zu entnehmen:das sie dem Herrn darbringen, als Brandopfer, alles, was siedarbringen, sei ein Brandopfer.
3R. Ḥama b. Gorja wandte ein: Hat ein Nichtjude ein Heilsopfer gespendet und es einem Jisraéliten gegeben, so esse es der Jisraélit, und wenn einem Priester, so esse es der Priester!?
4Raba erwiderte: Dies ist wie folgt zu verstehen: damit ein Jisraélit dadurch Sühne erlange, so esse es der Jisraélit, damit ein Priester dadurch Sühne erlange, so esse es der Priester.
5R. Šezbi wandte ein: Von folgenden Opfern wird der Haufe abgehoben und das Zurückbleibende gehört den Priestern: vom Speisopfer von Nichtjuden!? R. Joḥanan erwiderte: Dies ist kein Einwand; eines nach R. Jose dem Galiläer und eines nach R. A͑qiba.
6Es wird nämlich gelehrt:Mann; wozu heißt es zweimal Mann? Dies schließt Nichtjuden ein, daß auch sie gleich den Jisraéliten [Opfer] geloben und freiwillig spenden können.
7Das sie dem Herrn als Brandopfer darbringen; ich weiß dies nur vom Brandopfer, woher dies vom Heilsopfer? Es heißt:ihrer Gelübde. Woher dies vom Dankopfer? Es heißt:ihrer freiwilligen Gaben.
8Woher, daß auch Geflügel, Wein, Weihrauch und Holz einbegriffen sind? Es heißt: all ihrer Gelübde, all ihrer freiwilligen Gaben.
9Wieso heißt es demnach Brandopfer? Dies schließt das Naziropfer aus – so R. Jose der Galiläer. R. A͑qiba sagte: Das sie dem Herrn als Brandopfer darbringen, dies gilt nur vom Brandopfer allein. –
10Ist denn der Ausschluß des Naziropfers hieraus zu entnehmen, dies geht ja aus folgendem hervor:Rede zu den Kindern Jisraél und sprich zu ihnen: Wenn ein Mann &c. das Gelübde eines Nazirs ablegen will, sich abzusondern; die Kinder Jisraél können dies geloben, nicht aber kann ein Nichtjude dies geloben!? –
11Wenn aus jenem [Schriftverse], so könnte man glauben, er bringe nicht das Opfer, wohl aber sei er Nazir, so lehrt er uns. –
12Wir haben gelernt: R. Šimo͑n sagte: Sieben Bestimmungen traf das Gericht, und dies ist eine von diesen. Wenn ein Nichtjude aus überseeischen Ländern ein Brandopfer schickt, so wird das Gußopfer, wenn er esmitgeschickt hat, von seinem dargebracht, wenn aber nicht, aus Gemeindemitteln dargebracht.
13Wessen Ansicht vertritt diese Lehre: wohl die R. Jose des Galiläers und nicht die des R. A͑qiba? – Du kannst auch sagen, die des R. A͑qiba, denn diesgilt vom Brandopfer und allem, was dazu gehört. –
14Es wird gelehrt:Eingeborener, ein Eingeborener bringe Gußopfer dar, nicht aber bringe ein Nichtjude Gußopfer dar. Man könnte glauben, zu seinem Brandopfer sei kein Gußopfer erforderlich, so heißt esso. Wer ist nun der Autor dieser Lehre: weder R. Jose der Galiläer noch R. A͑qiba;
15wenn R. Jose der Galiläer, so sagt er ja, auch Wein [besonders], und wenn R. A͑qiba, so sagt er ja, nur das Brandopfer, anderes aber nicht!? –
16Wenn du willst, sage ich, R. Jose der Galiläer, und wenn du willst, sage ich, R. A͑qiba. Wenn du willst, sage ich, R. Jose der Galiläer, und man streiche in jener Lehre [das Wort] Wein, und wenn du willst, sage ich, R. A͑qiba, denn dies gilt vom Brandopfer und allem, was dazu gehört.
17R. ŠIMO͑N SAGT, VOM SÜND-SPEISOPFER DER PRIESTER &C. Woher dies? –
18Die Rabbanan lehrten:Es gehöre dem Priester wie das Speisopfer, der Dienst ist durch ihn selbstzulässig.
19Du sagst, [dies lehre,] daß der Dienst durch ihn selbst zulässig sei, vielleicht ist dem nicht so, sondern, daß das Sünd-Speisopfer der Priester [zum Essen] erlaubt sei; [der Schriftvers:] jedes Speisopfer eines Priesters ist vollständig darzubringen, es darf nicht gegessen werden, ist auf das freiwillige Speisopfer zu beziehen, während das Pflichtige gegessen werden darf!?
20Es heißt: es gehöre dem Priester wie das Speisopfer, er vergleicht sein Pflichtopfer mit seinem freiwilligen Opfer; wie sein freiwilliges Opfer nicht gegessen werden darf, ebenso darf auch sein Pflichtopfer nicht gegessen werden. R. Šimo͑n sprach: Es heißt ja nicht: es gehöre dem Priester wie sein Speisopfer, sondern: wie das Speisopfer!? Vielmehr vergleicht dies
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.