Menachot — Blatt 75a

1wie bei diesem das Öl in das Gefäß zu tun ist, ebenso auch bei jenemdas Öl in das Gefäß, und wie bei jenem Nachgießen und Einrühren erforderlich ist, ebenso ist auch bei diesem Nachgießen und Einrühren erforderlich.

2DIE KUCHEN SIND EINZURÜHREN – SO RABBI; DIE WEISEN SAGEN, DAS MEHL.

3Die Rabbanan lehrten:Feinmehl eingerührt, dies lehrt, daß das Mehl einzurühren ist; Rabbi sagt, die Kuchen seien einzurühren, denn es heißt: Kuchen eingerührt. Sie sprachen zu ihm: Auch bei den Broten des Dankopfers heißt es ja Kuchen, und diese kann man ja nicht als Kuchen, sondern nur das Mehl einrühren!?

4Wie verfahre man dabei? Man tue vor der Herrichtung Öl in das Gefäß, dann [das Mehl] und wiederum Öl, alsdann rühre man ein, knete, backe, zerbrocke es, tue darauf Öl und hebe den Haufen ab.

5Rabbi sagte: Man rühre die Kuchen ein, denn es heißt: Kuchen mit Öl eingerührt. – Wie verfahre man dabei? Man tue vor der Herrichtung Öl in das Gefäß und darauf [das Mehl], sodann knete, backe und zerbrocke man es, tue Öl darauf und rühre es ein; hierauf tue man wiederum Öl dazu und hebe den Haufen ab. –

6Wieso sagten die Rabbanan zu Rabbi, diessei nicht möglich? R. Šemuél b. R. Jiçḥaq erwiderte: Es ist nur ein Viertel[log] Öl, und dieses sollte auf viele Kuchen verteilt werden!?

7DIE KUCHEN BENÖTIGEN DES EINRÜHRENS UND DIE FLADEN DES BESTREICHENS. Die Rabbanan lehrten: Kuchen eingerührt, nicht aber Fladen eingerührt. Man könnte nämlich einen Schluß folgern: wenn Kuchen, die des Bestreichens nicht benötigen, des Einrührens benötigen,

8um wieviel mehr benötigen Fladen, die des Bestreichens benötigen, des Einrührens; daher heißt es Kuchen eingerührt, nicht aber Fladen eingerührt. Fladen bestrichen, nicht aber Kuchen bestrichen. Man könnte nämlich einen Schluß folgern: wenn Fladen, die des Einrührens nicht benötigen, des Bestreichens benötigen, um wieviel mehr benötigen Kuchen, die des Einrührens benötigen, des Bestreichens; daher heißt es Fladen bestrichen, nicht aber Kuchen bestrichen. –

9Wieso geht dieshieraus hervor!? Raba erwiderte: Die Schrift sollte es nicht fortgelassen, sondern auch geschrieben haben: Kuchen bestrichen und Fladen eingerührt.

10WIE BESTREICHT MAN SIE? IN DER FORM EINES CHI. WAS ÜBRIG BLEIBT &C. GEGESSEN. Was heißt Chi? R. Kahana erwiderte: In der Form eines griechischen Chi.

11Die Rabbanan lehrten: Besteht ein Speisopfer zur Hälfte aus Kuchen und zur Hälfte aus Fladen, so hole man ein Log Öl und teile es, die Hälfte für die Kuchen und die Hälfte für die Fladen;

12die Kuchen rühre man ein und die Fladen bestreiche man. Man bestreiche die Fladen vollständig, und das übrige Öl verwende man für die Kuchen. R. Šimo͑n b. Jehuda sagt im Namen R. Šimo͑ns, man bestreiche sie in der Form eines Chi, und das übrige Öl werde von den Priestern gegessen.

13Ein anderes lehrt: Werden Fladen allein dargebracht, so hole man ein Log Öl und bestreiche sie und wiederhole dies, bis das Öl im Log vollständig verbraucht ist. R. Šimo͑n b. Jehuda sagt im Namen R. Šimo͑ns, man bestreiche sie in der Form eines Chi, und das übrige Öl werde von den Priestern gegessen.

14ALLE SPEISOPFER, DIE IN EINEM GEFÄSSE HERGERICHTET WERDEN, BENÖTIGEN DES ZERBROCHENS.

15GEMARA. Was schließt dies aus? R. Papa erwiderte: Dies schließt die zwei Brote und das Schaubrot aus.

16Die Rabbanan lehrten:Zerbrich es in Brocken &c. ein Speisopfer, dies schließt alle Speisopfer hinsichtlich des Zerbrockens ein. Man könnte glauben, auch die zwei Brote und das Schaubrot seien einbegriffen, so heißt es es.

17Und gieße Öl darüber, ein Speisopfer, dies schließt alle Speisopfer hinsichtlich des Nachgießens ein. Man könnte glauben, auch das gebackene Speisopfer sei einbegriffen, so heißt es Öl darüber.

18Wollte man nur Kuchen und nicht Fladen ausschließen, so heißt es es. – Wieso geht dies hieraus hervor, vielleicht schließt dies das Speisopfer der Priester aus!?

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.