Menachot — Blatt 78b
1WENN MAN DAS DANKOPFER INNERHALB SCHLACHTET UND DAS BROT SICH AUSSERHALB DER MAUER BEFINDET, SO IST DAS BROT NICHT HEILIG. SCHLACHTET MAN ES BEVOR [DAS BROT] IM OFEN EINE KRUSTE BEKOMMEN HAT, ODER AUCH ALLE [BROTE] EINE KRUSTE BEKOMMEN HABEN, MIT AUSNAHME VON EINEM, SO IST DAS BROT NICHT HEILIG.
2GEMARA. Was heißt außerhalb der Mauer? R. Joḥanan erklärt, außerhalb der Mauer von Beth Phage; Reš Laqiš erklärt, außerhalb der Mauer des Tempelhofes.
3Reš Laqiš erklärt, außerhalb der Mauer des Tempelhofes, denn es muß, da es auf[heißt], in der Nähe sein.
4R. Joḥanan sagt, außerhalb der Mauer von Beth Phage, außerhalb des Tempelhofes aber ist es heilig, denn es braucht nicht in der Nähe zu sein. –
5Hierüber streiten sie ja bereits einmal!? Wir haben nämlich gelernt:
6Wer das Pesaḥopfer auf Gesäuertemschlachtet, übertritt ein Verbot; R. Jehuda sagt, dies gelte auch vom beständigenOpfer. Hierzu sagte Reš Laqiš, man sei nur dann schuldig, wenn [das Gesäuerte] sich im Besitze des Schlachtenden, des Sprengenden oder eines Mitgliedes der Gesellschaftbefindet, und es sich im Tempelhofe befindet, und R. Joḥanan sagte, auch wenn es sich nicht im Tempelhofe befindet. –
7Beides ist nötig. Würde nur [der Streit] über diesen Fall gelehrt worden sein, so könnte man glauben, R. Joḥanan vertrete seine Ansicht nur hierbei, weil esüberall, wo es sich auch befindet, verboten ist, während er hinsichtlich der Heiligkeit des Brotes Reš Laqiš beipflichte, daß es heilig sei, wenn es sich innerhalb befindet, nicht aber wenn außerhalb.
8Und würde er nur über jenen Fall gelehrt worden sein, so könnte man glauben, Reš Laqiš vertrete diese Ansicht nur in jenem Falle, während er in diesem Falle R. Joḥanan beipflichte.
9Daher ist beides nötig. Übereinstimmend mit R. Joḥanan wurde gelehrt: Wenn man das Dankopfer innerhalb schlachtet und das Brot sich außerhalb der Mauer von Beth Phage befindet, so ist das Brot nicht heilig.
10SCHLACHTET MAN ES BEVOR [DAS BROT] IM OFEN EINE KRUSTE BEKOMMEN HAT.
11Woher dies? – Die Rabbanan lehrten:Mit Kuchen aus gesäuertem Brote bringe er sein Opfer dar bei der Schlachtung, dies lehrt, daß das Brot erst dann heilig sei, wenn es im Ofen eine Kruste bekommenhat. Bringe er sein Opfer dar bei der Schlachtung, dies lehrt, daß das Brot nur durch die Schlachtung des Opfers heilig werde. Schlachtung des Dankopfers, dies lehrt, daß, wenn man es auf einen anderen Namen geschlachtet hat, das Brot nicht heilig sei.
12Die Rabbanan lehrten: Man genügt seiner Pflichtmit halbgebackenem und mit im Tiegel bereitetem Ungesäuertem. Was heißt halbgebackenes Ungesäuertes? R. Jehuda erwiderte im Namen Šemuéls: Wenn man es durchbricht und [der Teig] sich nicht fadenartig zieht.
13Raba sagte: Ebenso bei den Broten des Dankopfers. – Selbstverständlich, bei diesen heißt es Brot und bei jenem heißt es Brot!? –
14Man könnte glauben, solches gelte als Angebrochenes, und der Allbarmherzige sagteines, daß man kein Angebrochenes nehme, so lehrt er uns.
15Es wurde gelehrt: Hat man das Dankopfer zu achtzig Broten geschlachtet, so sind, wie Ḥizqija sagt, vierzig von den achtzig heilig, und wie R. Joḥanan sagt, keine vierzig von den achtzigheilig.
16R. Zera sagte: Alle stimmen überein, daß, wenn er gesagt hat, nur vierzig von den achtzig mögen heilig sein, sie heiligsind, und wenn: die vierzig mögen nur dann heilig sein, wenn alle achtzig heilig sind, sie nicht heilig sind, sie streiten nur über den Fall, wenn er nichts gesagt hat; einer ist der Ansicht, er tat dieszur Sicherheit, und einer ist der Ansicht, er wollte ein großes Opferbringen.
17Abajje sagte: Alle stimmen überein, daß er dies zur Sicherheit tat, und sie streiten darüber, ob Dienstgefäße ohne Absichtheiligen; einer ist der Ansicht, Dienstgefäße heiligen auch ohne Absicht, und einer ist der Ansicht, Dienstgefäße heiligen nicht ohne Absicht.
18R. Papa sagte: Alle stimmen überein, daß Dienstgefäße ohne Absicht heiligen, und sie streiten über das Schlachtmesser; einer ist der Ansicht, das Schlachtmesser heiligewie jedes andere Dienstgefäß, und einer ist der Ansicht, da es keinen Innenraum hat, heilige es nicht wie jedes andere Dienstgefäß.
19Manche lesen: R. Papa sagte: Alle stimmen überein, daß Dienstgefäße nur bei Absicht heiligen, und sie streiten über das Schlachtmesser; einer ist der Ansicht, das Schlachtmesser sei, obgleich es keinen Innenraum hat, bedeutender als andere Dienstgefäßeund heilige, und einer ist der Ansicht, es sei nicht bedeutender als andere Dienstgefäße.
20HAT MAN ES AUSSERHALB DER FRIST ODER AUSSERHALB DES RAUMESGESCHLACHTET, SO IST DAS BROT HEILIG. WENN MAN ES GESCHLACHTET HAT UND ES SICH HERAUSSTELLT, DASS ES TOTVERLETZT WAR, SO IST DAS BROT NICHT HEILIG;
21WENN MAN ES GESCHLACHTET HAT UND ES SICH HERAUSSTELLT, DASS ES FEHLERBEHAFTET WAR, SO IST [DAS BROT], WIE R. ELIE͑ZER SAGT, HEILIG, UND WIE DIE WEISEN SAGEN, NICHT HEILIG.
22HAT MAN ES AUF EINEN ANDEREN NAMEN GESCHLACHTET, UND EBENSO WENN MAN DEN WIDDER DER EINWEIHUNG ODER DIE ZWEI LÄMMER DES WOCHENFESTES AUF EINEN ANDEREN NAMEN GESCHLACHTET HAT, SO IST DAS BROT NICHT HEILIG.
23GEMARA. Wer ist [der Autor] unserer Mišna? –
24Es ist R. Meír, denn es wird gelehrt: Die Regel ist: war die Untauglichkeit vor dem Schlachten erfolgt, so ist das Brot nicht heilig, erfolgt die Untauglichkeit nach dem Schlachten, so ist das Brot heilig. Hat man es außerhalb der Frist oder außerhalb des Raumes geschlachtet, so ist das Brot heilig.
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.