Menachot — Blatt 81b

1[SAGTE ER:] DAS DANKOPFER VON PROFANEM UND DAS BROT VOM [ZWEITEN] ZEHNTEN, SO BRINGE ER JENES UND DAS BROTVON PROFANEM; [SAGTE ER:] DAS DANKOPFER VOM ZEHNTEN UND DAS BROT VON PROFANEM, SO BRINGE ER ES SO; [SAGTE ER:] DIESES UND DAS BROT VOM ZEHNTEN, SO BRINGE ER ES SO. ER BRINGE ES ABER NICHT VOM WEIZEN DES ZWEITEN ZEHNTEN, SONDERN VOM ERLÖSE DES ZWEITEN ZEHNTEN.

2GEMARA. R. Hona sagte: Sagte jemand, er nehme auf sich [die Darbringung] der Dankopferbrote, so bringe er das Dankopfer und die Brote. Dieser wußte nämlich, daß das Brot nicht ohne Dankopfer dargebracht werde, und wollte ein Dankopfer mit dem Brote spenden, und wenn er Dankopferbrote sagte, so nannte er nur das letztere. –

3Wir haben gelernt: [Sagte er:] das Dankopfer vom Zehnten und das Brot von Profanem, so bringe er es, wie er gelobt hat. Weshalb denn, da er das Brot von Profanem gelobt hat, so sollte er doch [das Opfer] und das Brot von Profanem bringen!? –

4Anders ist es in diesem Falle; er sagte: das Dankopfer vom Zehnten, somit ist es ebenso, als würde er gesagt haben, er wolle das Brot für das Dankopfer eines anderenbringen. –

5Wieso lehrt er demnach im Anfangsatze, wenn [er gesagt hat:] das Dankopfer von Profanem und das Brot vom Zehnten, bringe er dieses und das Brot von Profanem, man sollte auch hierbei sagen, es sei ebenso als würde er gesagt haben, er wolle das Dankopfer für das Brot eines anderen bringen!? –

6Es ist nicht gleich; allerdings wird das Brot zum Dankopfer gebracht, wird aber das Dankopfer zum Brote gebracht!? –

7Komm und höre: Sagte jemand, er nehme auf sich [die Darbringung] eines Dankopfers ohne Brot oder eines Schlachtopfers ohne Gußopfer, so nötige man ihn, das Dankopfer mit dem Brote oder das Schlachtopfer mit dem Gußopfer zu bringen.

8Nur wenn er [das Dankopfer] genannt hat, nicht aber, wenn er das Dankopfer nicht genannthat!? –

9Nein, dasselbe gilt auch, wenn er das Dankopfer nicht genannt hat, da er aber vom Schlachtopfer ohne Gußopfer lehren will, und diesvom Gußopfer ohne Schlachtopfer nicht lehrenkann, so lehrt er es auch vom Dankopfer. –

10Weshalbdenn, dies ist ja ein Gelübde mit einer Tür!?

11Ḥizqija erwiderte: Hier ist die Ansicht der Schule Šammajs vertreten, die sagt, man richte sich nach der ersten Fassung. Wir haben nämlich gelernt: [Sagte jemand], er wolle Nazir sein inbezug auf Trocken-und Dörrfeigen, so ist er, wie die Schule Šammajs sagt, Nazir, und wie die Schule Hillels sagt, nicht Nazir.

12R. Joḥanan erwiderte: Du kannst auch sagen, die der Schule Hillels, wenn er nämlich sagt, wenn er gewußt hätte, daß man nicht sogeloben könne, würde er nicht so, sondern andersgelobt haben. – Wieso nötigeman ihn!? – Wenn er zurücktreten will. –

13Komm und höre: Wenn jemand gesagt hat, er nehme auf sich [die Darbringung] eines Dankopfers ohne Brot oder eines Schlachtopfers ohne Gußopfer, und als man ihm sagte, er habe das Dankopfer mit dem Brote oder das Schlachtopfer mit dem Gußopfer zu bringen, er erwiderte, wenn er dies gewußt hätte, würde er nicht gelobt haben, so nötige man ihn und halte ihm vor:achte und höre.

14Erklärlich ist diesnach Ḥizqija, gegen R. Joḥanan aber ist dies ja ein Einwand!? – R. Joḥanan kann dir erwidern; hier ist entschieden die Ansicht der Schule Šammajs vertreten. –

15Was heißt: achte und höre? Abajje erwiderte: Achte, bringe das Dankopfer; höre, bringe das Brot. Raba erklärte: Achte, bringe das Dankopfer und das Brot; höre, pflege nicht so zu verfahren.

16DIESES UND DAS BROT VOM ZEHNTEN, SO BRINGE ER ES SO. Muß er es denn bringen!? R. Naḥman und R. Ḥisda erklärten: Wenn er will, bringe er, und wenn er nicht will, bringe er nicht.

17ER BRINGE ES NICHT VOM WEIZEN DES ZWEITEN ZEHNTEN, SONDERN VOM ERLÖSE DES ZWEITEN ZEHNTEN. R. Naḥman und R. Ḥisda sagten beide: Dies gilt nur vom Weizen des zweiten Zehnten, vom Weizen aber, der für den Erlös des zweiten Zehnten gekauft worden ist, bringe man es wohl.

18R. Jirmeja saß vor R. Zera und trug vor: Dies gilt nur vom Weizen des zweiten Zehnten, vom Weizen aber, der für den Erlös vom zweiten Zehnten gekauft worden ist, bringe man es wohl. Da sprach er zu ihm: Meister, so sagst du, ich aber sage, auch nicht vom Weizen, der für den Erlös vom zweiten Zehnten gekauft worden ist. Ich will meinen Grund sagen, und ich will deinen Grund sagen. Ich will deinen Grund sagen: hinsichtlich des Dankopfers folgerst du diesvom Heilsopfer

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.