Menachot — Blatt 87a
1UND KEINEN VOM BODEN, WEGEN DER HEFE, SONDERN VOM MITTELSTEN DRITTEL.
2WIE UNTERSUCHT MAN IHN? DER SCHATZMEISTER SITZT DABEI MIT DEM HEBERIN DER HAND, UND SOBALD DER GISCHTAUFSTEIGT, KLOPFT ERMIT DEM HEBER.
3R. JOSE B. R. JEHUDA SAGT, ENTHÄLT ER KAHM, SEI ER UNTAUGLICH, DENN ES HEISST:makellos sollen sie sein (und ihre Speisopfer, makellos sollen sie sein) und ihre Gußopfer.
4GEMARA. MAN BRINGE IHN NICHT VON EINEM DUNG- &C. MAN BRINGE KEINEN SÜSSEN, KEINEN GEKOCHTEN UND KEINEN RAUCHIGEN; HAT MAN IHN GEBRACHT, SO IST ER UNTAUGLICH. Vorher heißt es ja aber, daß man keinen aus Sonnentraubenbringe, und wenn man ihn gebracht hat, er tauglich sei!?
5Rabina erwiderte: Man wende diese Lehreum. R. Aši erwiderte: Kommt die Süßigkeit von der Frucht, so ist er nicht widerlich, kommt die Süßigkeit von der Sonne, so ist er widerlich.
6MAN BRINGE KEINEN ALTEN – SO RABBI; DIE WEISEN ERLAUBEN DIES. Ḥizqija sagte: Folgendes ist der Grund Rabbis. Die Schrift sagt:zum Lamme, Wein, wie das Lamm nur einjährig sein muß, ebenso der Wein einjährig. –
7Demnach sollte doch, wie ein zweijähriges Lamm untauglich ist, auch zweijähriger Wein untauglich sein!? Wolltest du sagen, dem sei auch so, so wird ja gelehrt, daß man keinen zweijährigen Wein bringe, und wenn man ihn gebracht hat, sei er tauglich. Der Autor, welcher sagt, daß man ihn nicht bringe, ist ja Rabbi, und er lehrt, wenn man ihn gebracht hat, sei er tauglich!?
8Vielmehr, erklärte Raba, ist folgendes der Grund Rabbis; es heißt:sieh nicht nach dem Weine, wenn er rötlich schillert.
9MAN BRINGE IHN NICHT VON DEN SPALIERTRAUBEN &C. Es wird gelehrt: Von Weinbergen, die zweimal jährlich bearbeitet werden.
10R. Joseph hatte ein Stück Garten, das er doppelt umzugraben pflegte, und es brachte ihm doppelt guten Wein.
11MAN FÜLLTE IHN NICHT IN GROSSE BOTTICHE. Es wird gelehrt: Die krugartigen, lydischen und mittelgroßen Fässer
12stelle man nicht paarweise auf, sondern einzeln.
13WIE UNTERSUCHT MAN IHN? DER SCHATZMEISTER SITZT DABEI MIT DEM HEBER IN DER HAND, UND SOBALD DER GISCHT AUFSTEIGT, KLOPFT ER MIT DEM HEBER. Es wird gelehrt: Sobald der Gischt der Hefe aufsteigt, klopft der Schatzmeister mit dem Heber. –
14Sollte er esdoch sagen!? – Dies ist eine Stütze für R. Joḥanan, denn R. Joḥanan sagte, wie zuträglich das Sprechen für die Spezereienist, so schädlich ist das Sprechen für den Wein.
15R. JOSE B. R. JEHUDA SAGT &C. R. Joḥanan fragte: Ist, wenn man solchen geweiht hat, dieserhalb wegen des Fehlerbehafteten zu geißeln: gleicht er, da er untauglich ist, einem fehlerbehafteten [Vieh], oder gibt es Leibesfehler nur bei einem Vieh? – Dies bleibt unentschieden.
16Die Rabbanan lehrten: Widder [holte man] aus Moáb, Lämmer aus Ḥebron, Kälber aus Šaron und Tauben vom Königsberge.
17R. Jehuda sagte: Man holte Lämmer, die sehr breite Rückenhatten. Raba b. R. Šila sagte: Was ist der Grund R. Jehudas? Es heißt:es weidet dein Vieh an diesem Tage, ein breites Lamm.
18Es heißt:Über deine Mauern, Jerušalem, habe ich Wächter bestellt; den ganzen Tag und die ganze Nacht schweigen sie nicht; die ihr den Herrn anruft, euch sei keine Ruhe. Was sagen sie? Raba b. R. Šila erwiderte:Du erhebst dich, dich Çijons zu erbarmen.
19R. Naḥman b. Jiçḥaq erwiderte:Der Herr baut Jerušalem wieder auf. – Was hatten sie vorhergesagt? Raba b. R. Šila erwiderte:Denn der Herr hat Çijon erwählt, er hat es zum Wohnsitze für sich begehrt.
20ZWEI TROCKENMASSE GAB ES IM HEILIGTUME: EIN I͑SARON UND EIN HALBES I͑SARON; R. MEÍR SAGT, EIN I͑SARON, EIN [ANDERES] I͑SARON UND EIN HALBES I͑SARON.
21WOFÜR DIENTE DAS I͑SARON? DAMIT MASS MAN ALLE SPEISOPFER. MAN MASS NICHT MIT EINEM DREI [I͑SARON] FASSENDEN [GEFÄSSE] FÜR EINEN FARREN ODER EINEM ZWEI FASSENDEN FÜR EINEN WIDDER, SONDERN EINZELNE I͑SARON.
22WOFÜR DIENTE DAS HALBE I͑SARON? DAMIT MASS MAN DAS SPEISOPFER DES HOCHPRIESTERS, DIE HÄLFTE MORGENS UND DIE HÄLFTE ABENDS.
23GEMARA. Es wird gelehrt: R. Meír sagte: Wozu heißt es: ein I͑saron, ein I͑saron für das Lamm? Dies lehrt, daß es im Heiligtume zwei I͑saronmaße gab, eines gehäuft und das andere gestrichen;
24mit dem gehäuften maß man alle Speisopfer
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.