Menachot — Blatt 88b

1so erfolgt es ja außerhalb, und wenn für den Nazir, so wird ja das Brot des Nazirs durch das Schlachten des Widders heilig!?

2Da sprach R. Ḥija zu ihm: Damit maß man das Pfannenopfer des Hochpriesters, ein Viertellog Öl für jeden Kuchen. Da las er über ihn:Aus fernem Lande der Mann meines Ratschlusses.

3WOFÜR DIENTE DAS HALBE LOG? Rabbi saß und warf folgende Frage auf: Wozu war das halbe Log gesalbt worden: wenn für die Ehebruchsverdächtigte, so ist esja nicht profan, daß man es zu heiligen brauchte, denn es heißt:heiliges Wasser, und wenn für das Dankopfer, so werden ja die Brote des Dankopfersdurch das Schlachten des Dankopfers heilig!?

4Da sprach R. Šimo͑n b. Rabbi zu ihm: Damit wurde das halbe Log Öl für jede Lampezugemessen. Da sprach jener: Leuchte Jisraéls, so war es auch.

5R. Joḥanan sagte im Namen Rabbis: Wenn eine Lampe [vorzeitig] ausgeht, so ist das Öl verbrauchtund der Docht verbraucht. Was mache er nun? Er reinige sie, tue Öl hinein und zünde sie an.

6R. Zeriqa saß und warf folgende Frage auf: Tue er das ursprüngliche Quantum Öl hinein, oder nur das fehlendeQuantum?

7R. Jirmeja erwiderte: Selbstverständlich das ursprüngliche Quantum, denn wenn das fehlende, so weiß man ja nicht, wieviel noch fehlt. Wolltest du erwidern, man berechne es, so sind es ja nicht sieben, sondern mehr Maße.

8Da las jener über ihn:Brich auf in deinem Schmuck, fahr einher für die Sache der Wahrheit und die Demut der Gerechtigkeit.

9Es wurde auch gelehrt: R. Abahu sagte im Namen R. Joḥanans, manche sagen, R. Abba sagte im Namen R. Ḥaninas im Namen Rabbis: Geht eine Lampe aus, so ist das Öl verbraucht und der Docht verbraucht. Was mache er nun? Er reinige sie, tue das ursprüngliche Quantum Öl hinein und zünde sie an.

10R. Hona, Sohn des R. Jehuda, sagte im Namen des R. Šešeth: Die Lampen im Heiligtumewaren aus [beweglichen]Teilen.

11Er ist nämlich der Ansicht, [die Worte] Talent und getriebenbeziehen sich auf den Leuchter und die Lampen, und da sie gereinigt werden mußten, so konnte dies nur dann erfolgen, wenn sie aus [beweglichen] Teilenwaren.

12Man wandte ein: Wie verfuhr er dabei? Er nahm sie ab, legte sie in Aloëund trocknete sie mit einem Schwamme ab; hierauf tat er Öl hinein und zündete siean!? –

13Er ist der Ansicht des Autors der folgenden Lehre: Die Weisen sagen, man rührte sienicht von ihrer Stelle. –

14Demnach konnte man, wenn man dies wollte, sie von ihrer Stelle rühren!? – Lies vielmehr: man konnte sie nicht von ihrer Stelle rühren. –

15Wer ist unter Weisen zu verstehen? – Es ist R. Elea͑zar, denn es wird gelehrt: R. Elea͑zar b. R. Çadoq sagte: Obenbefand sich eine Art Plättchen aus Gold, das er, wenn er sie reinigte, gegen die Mündung, und wenn er das Öl hineintat, nach obendrückte.

16Hierüber streiten auch die Autoren der folgenden Lehre: Der Leuchter und die Lampen wurden aus dem Talentegefertigt, nicht aber wurden die Zangen und die Pfannen aus dem Talente gefertigt. R. Neḥemja sagte: Der Leuchter wurde aus dem Talente gefertigt, nicht aber wurden die Lampen, die Zangen und die Pfannen aus dem Talente gefertigt. –

17Worüber streiten sie? – Über den folgenden Schriftvers: Es wird nämlich gelehrt:Aus einem Talente reinen Goldes soll man ihn fertigen; dies lehrt, daß der Leuchter aus dem Talente gefertigt worden ist. Woher, daß auch die Lampen einbegriffen sind? Es heißt: all diese Geräte. Man könnte glauben, auch die Pfannen und die Zangen seien einbegriffen, so heißt es ihn – so R. Neḥemja. –

18R. Neḥemja befindet sich ja in einem Widerspruche!? – Zwei Tannaím streiten über die Ansicht R. Neḥemjas.

19R. Jehošua͑ b. Qorḥa sagte: Der Leuchter wurde aus dem Talente gefertigt, nicht aber wurden die Zangen, die Pfannen und die Lampen aus dem Talente gefertigt; [die Worte] all diese Geräte deuten darauf, daß die Geräte aus Gold waren. –

20Daß sie aus Gold waren, ist ja ausdrücklich geschrieben:und mache seine sieben Lampen, und man soll ihm die Lampen aufsetzen, damit er das ihm Gegenüberliegende beleuchte, und seine Zangen und seine Pfannen aus reinem Golde!? – Dies ist wegen der Dillen nötig; man könnte glauben, diese seien, da sie schwarz werden, und die Tora das Geld Jisraéls geschont hat,

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.