Menachot — Blatt 98b

1sie rissen den Vorhang durch und ragten hervor, so heißt es:drauβen waren sie aber nicht zu sehen. Wie geschah dies? Sie drückten in den Vorhang und ragten hervorgleich den zwei Brüsten eines Weibes, wie es heißt:ein Myrrhenbündel ist mein Geliebter, zwischen meinen Brüsten ruht er. –

2Woher, daß die Stangen an den Breitseiten der Lade saßen, vielleicht saßen sie an den Längsseiten!? R. Jehuda erwiderte: Anderthalb Ellen würden für zwei Personennicht gereicht haben. –

3Woher, daß vier [Personen] sie trugen? – Es heißt:es zogen die Kehathiten, zwei,die Träger des Heiligtums, ebenfalls zwei.

4Die Rabbanan lehrten: Zehn Tische fertigte der König Šelomo, wie es heißt:er fertigte zehn Tische und stellte sie in den Tempel, fünf rechts und fünf links.

5Wollte man erklären, fünf rechts der Tür und fünf links der Tür, so würde es sich ja ergeben, daß Tische in der Südseite gestanden haben, und die Tora sagt:und den Tisch stelle auf die linke Seite.

6Vielmehr stand [der Tisch] Mošes in der Mitte, und fünf rechts und fünf links.

7Die Rabbanan lehrten: Zehn Leuchter fertigte Šelomo, wie es heißt: er fertigte zehn goldene Leuchter nach ihrer Vorschrift und stellte sie in den Tempel, fünf rechts und fünf links.

8Wollte man erklären, fünf rechts der Tür und fünf links der Tür, so würde es sich ja ergeben, daß Leuchter in der Nordseite gestanden haben, und die Tora sagt:und den Leuchter gegenüber dem Tische.

9Vielmehr stand der [Leuchter] Mošes in der Mitte, und fünf rechts und fünf links. –

10Das Eine lehrt, sie standen von der Mitte des Hauses ab einwärts, und ein Anderes lehrt, sie standen von einem Drittel des Hauses ab einwärts!? –

11Das ist kein Widerspruch; eines rechnet das Allerheiligstezum Tempel und eines rechnet das Allerheiligste nicht zum Tempel.

12Die Rabbanan lehrten: Sie standen in der Richtung von Osten nach Westen– so Rabbi; R. Elea͑zar b. R. Šimo͑n sagt, von Norden nach Süden. Was ist der Grund Rabbis? – Er folgert dies vom Leuchter; wie der Leuchter von Osten nach Westen, ebenso auch jene von Osten nach Westen. –

13Woher dies vom Leuchter selbst? – Von der westlichen Lampe heißt es:sollen sie herrichten &c. vor dem Herrn,

14wonach alle übrigen nicht vor dem Herrn waren, und wenn man sagen wollte, von Norden nach Süden, so waren ja alle vor dem Herrn. –

15Was ist der Grund des R. Elea͑zar b. R. Šimo͑n? – Er folgert dies von der Lade; wie die Lade von Norden nach Süden, ebenso auch jene von Norden nach Süden. – Sollte es auch Rabbi von der Lade folgern!? – Man folgere hinsichtlich des äußeren vom äußeren, nicht aber hinsichtlich des äußeren vom inneren. –

16Sollte es R. Elea͑zar b. R. Šimo͑n vom Leuchter folgern!? – Er kann dir erwidern: auch der Leuchter stand in der Richtung von Norden nach Süden. –

17Es heißt ja aber: Ahron und seine Söhne sollen sie herrichten!? – Sieneigten seitwärts.

18Es wird nämlich gelehrt:Auf die Vorderseite des Leuchters sollen die sieben Lampen ihr Licht werfen; dies lehrt, daß sie sich mit ihren Vorderseiten zur mittelsten Leuchte neigten. Hieraus entnimmt R. Nathan, daß das Mittelstedas geschätzteste ist. –

19Einleuchtend ist es nach demjenigen, der von Osten nach Westen sagt, daß zehn in zwanziggestanden haben, wieso aber konnten zehn in zwanzigstehen nach demjenigen, der von Norden nach Süden sagt!?

20Und wie konnten fernerdie Priester durch!? Und ferner würden sich ja Tische in der Südseite befunden haben!? Und wo hat ferner der Tisch Mošesgestanden!? –

21Wo hat nach deiner Auffassung, auch nach demjenigen, der von Osten nach Westen sagt, der Tisch Mošesgestanden!?

22Du glaubst wohl, sie standen in einer Reihe, sie standen in zwei Reihen. –

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.