Moed Katan — Blatt 17b

1und diesen bringe auf den Begräbnisplatz, sodann blase in ihn in vierzig Tagen tausend Posaunenstöße hinein. Als er dies tat, platzte der Krug und jener Gewalttätige starb. Was heißt Šipura? – Man zahlt ihm heim. –

2Was heißt Tebara? R. Jiçḥaq, Sohn des R. Jehuda, erwiderte: Hohe Häuser sind zerstört. Es wird nämlich gelehrt: R. Šimo͑n b. Gamliél sagte: Wohin die Weisen ihre Augen richten, da ist Tod oder Armut.

3DER NAZIRÄER UND DER AUS SEINER UNREINHEIT IN REINHEIT ÜBERGEHENDE AUSSÄTZIGE. R. Jirmeja fragte R. Zera: Wenn sie [vorher] keine Zeit hatten, oder auch wenn sie [vorher] Zeit hatten?

4Dieser erwiderte: Es wird gelehrt: All diejenigen, von denen sie gesagt haben, sie dürfen sich am Halbfeste das Haar scheren, [dürfen es], wenn sie [vorher] keine Zeit hatten; wenn sie aber [vorher] Zeit hatten, dürfen sie es nicht;

5der Naziräer und der Aussätzige dürfen es, auch wenn sie [vorher] Zeit hatten, damit sie ihre Opfer nicht aufschieben.

6Es wird gelehrt: Der Priester und der Leidtragende dürfen sich das Haar scheren. – In welchem Falle gilt dies vom Leidtragenden: wollte man sagen, wenn der achte [Trauertag] auf den Vorabend des Festes fiel, so sollte er sich am Vorabend das Haar scheren, und wollte man sagen, wenn der achte auf einen Šabbath fiel, der Vorabend des Festes ist,

7so sollte er sich am Vorabend des Šabbaths das Haar scheren, denn R. Ḥisda sagte im Namen des Rabina b. Šila, die Halakha sei wie Abba Šaúl, und auch die Weisen pflichten Abba Šaúl bei, daß, wenn der achte auf einen Šabbath fällt, der Vorabend des Festes ist, er sich am Vorabend des Šabbaths das Haar scheren dürfe!? –

8In dem Falle, wenn der siebente auf einen Šabbath fiel, der Vorabend des Festes ist;

9der Tanna der Barajtha ist der Ansicht Abba Šaúls, welcher sagt, ein Teil des Tages gelte als ganzer, somit wird der siebente Tag hin und her gezählt, und da dieser ein Šabbath war, so war er dadurch verhindert;

10der Tanna unserer Mišna aber ist der Ansicht der Rabbanan, welche sagen, ein Teil des Tages gelte nicht als ganzer, somit waren dann die [ersten] sieben Trauertage noch nicht vorüber. –

11In welchem Falle gilt dies hier vom Priester: wollte man sagen, wenn [die Dienstzeit] seiner Priesterwache am Vorabend des Festes ablief, so sollte er sich am Vorabend das Haar scheren!? –

12In dem Falle, wenn [die Dienstzeit] seiner Priesterwache am Feste ablief; der Tanna unserer Mišna ist der Ansicht, da wir gelernt haben, daß an den drei Festen des Jahres alle Priesterwachen an den Festopferteilen und bei der Verteilung des Schaubrotes gleichbeteiligt waren, sei es ebenso, als wäre [die Dienstzeit] seiner Priesterwache am Feste noch nicht abgelaufen; der Tanna der Barajtha aber ist der Ansicht, immerhin war [die Dienstzeit] seiner Priesterwache, wenn sie auch gleichbeteiligt war, bereits abgelaufen.

13Die Rabbanan lehrten: All diejenigen, von denen sie gesagt haben, sie dürften sich am Halbfeste das Haar scheren, dürfen es auch während ihrer Trauer. –

14Es wird ja aber gelehrt, sie dürfen es nicht!? R. Ḥisda erwiderte im Namen R. Šilas: Was hier gelehrt wird, es sei erlaubt, gilt von dem Falle, wenn ihm die Trauerfälle aufeinander folgen.–

15Wenn ihm die Trauerfälle aufeinander folgen, ist es ja jedem erlaubt, wieso nur diesen!? Es wird nämlich gelehrt: Wenn ihm die Trauerfälle aufeinander folgen und das Haar ihm lästig wird, so darf er es ein wenig mit einem Rasiermesser stutzen, auch darf er sein Gewand in Wasser waschen. –

16Hierzu wird ja gelehrt: R. Ḥisda sagte: Nur mit einem Rasiermesser, nicht aber mit einer Schere, nur mit Wasser, nicht aber mit Natron oder Aloë. R. Ḥisda sagte: Dies besagt, daß dem Leidtragenden das Kleiderwaschen verboten ist.

17Die Rabbanan lehrten: Wie sie gesagt haben, man dürfe sich am Halbfeste das Haar nicht scheren, ebenso darf man sich am Halbfeste die Nägel nicht schneiden – so R. Jehuda; R. Jose erlaubt dies.

18Und wie sie gesagt haben, der Leidtragende dürfe sich während seiner Trauer das Haar nicht scheren, ebenso darf er während seiner Trauer die Nägel nicht schneiden – so R. Jehuda; R. Jose erlaubt dies.

19U͑la sagte: Die Halakha ist wie R. Jehuda bei der Trauer und wie R. Jose beim Halbfeste. Šemuél sagte:

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.