Moed Katan — Blatt 18a

1Die Halakha ist wie R. Jose sowohl beim Halbfeste als auch bei der Trauer. Šemuél sagte nämlich, bei der Trauer sei die Halakha nach der Ansicht des Erleichternden zu entscheiden.

2Bei Pinḥas, dem Bruder Šemuéls, ereignete sich ein Todesfall, und Šemuél besuchte ihn, um ihn zu trösten. Als er bemerkte, daß seine Nägel groß gewachsen waren, fragte er ihn: Weshalb schneidest du sie nicht ab? Jener erwiderte: Würdest du, wenn solches sich bei dir ereignen würde, [die Trauer] so mißachten!?

3Dies war wie ein Versehen aus dem Munde eines Machthabers, und ein Todesfall ereignete sich bei Šemuél. Als hierauf sein Bruder Pinḥas ihn besuchte, um ihn zu trösten, nahm er seine Nägel und warf sie ihm ins Gesicht, indem er sprach: Weißt du denn nicht, daß mit den Lippen ein Bündnis geschlossen ist!?

4R. Joḥanan sagte nämlich: Woher, daß ein Bündnis mit den Lippen geschlossen ist? Es heißt: da sprach Abraham zu seinen Dienern: Bleibet hier mit dem Esel, ich aber und der Knabe wollen dorthin gehen und anbeten und dann wieder zu euch kommen. Dies bewirkte, daß auch beide zurückkehrten.

5Hieraus könnte man entnehmen, nur die der Hände und nicht die der Füße, aber R. A͑nan b. Taḥlipha sagte: Mir wurde von Šemuél erklärt, einerlei ob die der Hände oder die der Füße.

6R. Ḥija b. Aši sagte im Namen Rabhs: Mit einer Nagelschere ist es aber verboten. R. Šaman b. Abba erzählte: Einst stand ich am Halbfeste im Lehrhause vor R. Joḥanan, und er biß sich die Nägel mit den Zähnen ab und warf sie fort.

7Hieraus ist dreierlei zu entnehmen: es ist zu entnehmen, daß man sich am Halbfeste die Nägel abnehmen dürfe; es ist zu entnehmen, daß sie nicht eklig seien, und es ist zu entnehmen, daß man sie fortwerfen dürfe. –

8Dem ist ja aber nicht so, es wird ja gelehrt: Drei Dinge wurden von den Nägeln gesagt: wer sie begräbt, ist ein Gerechter, wer sie verbrennt, ist ein Frommer, und wer sie fortwirft, ist ein Frevler!? – Dies aus dem Grunde, weil eine Schwangere auf sie treten und abortieren könnte,

9aber im Lehrhause sind keine Frauen anwesend. Wenn du aber einwendest, es kommt ja vor, daß man sie sammelt und hinauswirft, so ist mit ihnen eine Veränderung vorgegangen.

10R. Jehuda erzählte im Namen Rabhs, ein [Gelehrten]paar sei aus Ḥamthan vor Rabbi gekommen, und Mar Zuṭra lehrte, ein [Gelehrten]paar sei aus Ḥamthan vor unseren Meister gekommen, und habe ihn hinsichtlich der Nägel gefragt, und er erlaubte es ihnen; und hätten sie ihn hinsichtlich [des Rasierens] des Lippenbartes gefragt, so würde er es ihnen ebenfalls erlaubt haben. Šemuél sagte: Sie fragten ihn auch hinsichtlich [des Rasierens] des Lippenbartes, und er erlaubte es ihnen.

11Abiṭol der Schreiber sagte im Namen R. Papas: Den Lippenbart von einem Mundwinkel bis zum anderen. R. Ami sagte: Nur wenn er hinderlich ist. R. Naḥman b. Jiçḥaq sprach: Für mich gilt er als hinderlich.

12Ferner sagte Abiṭol der Schreiber im Namen R. Papas: Der Pareo͑ in den Tagen Mošes war eine Elle [groß], sein Bart eine Elle, und sein Glied eine Elle und eine Spanne. Das ist es, was geschrieben steht :und den niedrigsten der Menschen stellt er über sie.

13Ferner sagte Abiṭol der Schreiber im Namen Rabhs: Der Pareo͑ in den Tagen Mošes war ein Magier, denn es heißt: siehe, er geht ans Wasser hin &c..

14FOLGENDE DÜRFEN AM HALBFESTE [DIE KLEIDER] WASCHEN: WER AUS ÜBERSEEISCHEN LÄNDERN HEIMKEHRT. R. Asi sagte im Namen R. Joḥanans: Wer nur ein Hemd hat, darf es am Halbfeste waschen.

15R. Jirmeja wandte ein: Folgende dürfen am Halbfeste waschen: wer aus überseeischen Ländern heimkehrt &c. Nur diese, nicht aber, wer nur ein Hemd hat!?

16R. Ja͑qob erwiderte R. Jirmeja: Ich will es dir erklären. Unsere Mišna [spricht von dem Falle], wenn man zwei hat, die schmutzig sind.

17R. Jiçḥaq b. Ja͑qob b. Gijori ließ im Namen R. Joḥanans sagen: Man darf am Halbfeste Linnenzeug waschen. Raba wandte ein: Handtücher

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.