Moed Katan — Blatt 23a

1lesen sieben [Personen aus der Torarolle], und man gehe fort. R. Jehošua͑ b. Qorḥa sagte: Nicht etwa fortgehen und auf der Straße umherspazieren, vielmehr muß man dasitzen und sich dem Schmerze hingeben.

2Im Hause des Leidtragenden darf man keine Lehre und keine Agada vortragen. Man erzählt von R. Ḥanan ja b. Gamliél, daß er im Hause des Leidtragenden Lehre und Agada vor trug.

3Die Rabbanan lehrten: In der ersten Woche gehe der Leidtragende nicht aus der Tür seines Hauses; in der zweiten darf er ausgehen, jedoch nicht auf seinem Platze sitzen; in der dritten darf er auf seinem Platze sitzen, jedoch nicht sprechen; in der vierten ist er jedem anderen Menschen gleich.

4R. Jehuda sagte: Es braucht ja nicht gesagt zu werden, daß er in der ersten Woche aus der Tür seines Hauses nicht gehe, wo ja alle zu ihm ins Haus kommen, um ihn zu trösten; vielmehr: in der zweiten Woche gehe er nicht aus der Tür seines Hauses; in der dritten darf er ausgehen, jedoch nicht auf seinem Platze sitzen; in der vierten darf er auf seinem Platze sitzen, jedoch nicht sprechen; in der fünften ist er jedem anderen Menschen gleich.

5Die Rabbanan lehrten: Dreißig Tage hinsichtlich der Heirat; stirbt einem seine Frau, so darf er, bevor drei Feste vorüber sind, keine andere heiraten. R. Jehuda sagt, [vor dem] ersten und zweiten Feste ist es verboten, [vor dem] dritten ist es erlaubt.

6Hat er keine Kinder, so darf er sofort heiraten, wegen der Unterlassung der Fortpflanzung; hinterließ sie ihm kleine Kinder, so darf er sofort heiraten, wegen ihrer Versorgung.

7Als einst Joseph, dem Priester, seine Frau starb, sprach er auf dem Begräbnisplatze zu ihrer Schwester: Geh, versorge die Kinder deiner Schwester; jedoch wohnte er ihr erst nach langer Zeit bei. – Was heißt ‘nach langer Zeit’? R. Papa erwiderte: Nach dreißig Tagen.

8Die Rabbanan lehrten: Dreißig Tage hinsichtlich des Bleichens, sowohl bei neuen als auch bei alten Kleidern, wenn sie aus der Mangel kommen. Rabbi sagt, sie haben es nur bei neuen Kleidern verboten. R. Elea͑zar b. R. Šimo͑n sagt, sie haben es nur bei neuen weißen Kleidern verboten.

9Abajje ging mit einem gebleichten Mantel aus, nach Rabbi. Raba ging mit einem neuen roten römischen Hemde aus, nach R. Elea͑zar b. R. Šimo͑n.

10SIE SAGTEN NÄMLICH, DER ŠABBATH ZÄHLE MIT, OHNE DIE TRAUER ABZUBRECHEN. Die Judäer und die Galiläer [streiten hierüber]; die einen sagen,

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.