Moed Katan — Blatt 25b

1und als sie an eine Brücke herankamen, blieben die Kamele stehen. Da fragte ein Araber: Was hat dies zu bedeuten? Man erwiderte ihm: Die Gelehrten erweisen einander Ehrerbietung; einer sagt: Meister, geh du voran, und der andere sagt: Meister, gehe du voran. Jener sprach: Nach [meinem] Urteile gehe Rabba b. Hona voran. Hierauf schritt das Kamel des Rabba b. Hona voran, und jenem Araber fielen die Back- und Vorderzähne aus.

2Alsdann sprach ein Jüngling über sie: Ein Sproß von Ehrwürdigen kam aus Babel, das Buch des Krieges mit sich führend. Pelikan und Meerkatze haben sich verbunden, Verderben und Unglück anzusehen, das aus Šinea͑r gekommen. Er zürnte über seine Welt, raubte ihr Seelen, und wie eine junge Braut freute er sich mit ihnen. Es jubelt und freut sich, der auf den Wolken reitet, wenn die Seele eines Unschuldigen und Frommen zu ihm kommt.

3Als die Seele Rabinas zur Ruhe einkehrte, sprach ein Trauerredner über ihn: Das Haupt schütteln die Palmen über den einer Palme gleichenden Frommen; wollen wir Nächte wie Tage [in Trauer] verbringen [über den, der Nächte zu Tagen machte.]

4R. Aši fragte Bar Qipoq: Was wirst du an jenem Tage sprechen? Dieser erwiderte: Wenn die Zedern die Flamme erfaßt, was vermag der Isop an der Wand? Ist der Levjathan von der Angel geholt, was sollen nun die Fischlein im Sumpfe? Wenn in dem reißenden Strome die Angel waltet, was vermag das Grubengewässer!?

5Da sprach Bar Abin zu ihm: Ich würde, behüte und bewahre, den Frommen gegenüber [die Worte] ‘Feuer’ und ‘Angel’ nicht gebrauchen! – Was würdest du sprechen? – Ich würde sagen: Beweinet die Leidtragenden und nicht den Dahingeschiedenen; er zur Ruhe, wir aber in Betrübnis.

6Da grämte sich [R. Aši] über sie, und die Füße wurden ihnen verdreht. An jenem Tage kamen sie ihn nicht betrauern. Das ist es, was R. Aši sagte: Weder Bar Qipoq kann die Ḥaliça vollziehen, noch kann dies Bar Abin.

7Einst sprach Raba, als er am Tigris ging, zu Bar Abin: Sage etwas. Da stellte er sich hin und sprach: Die Mehrheit des Dritten im Wasser; denke und erbarme dich unser. Wir irrten uns ab von dir, wie eine Frau von ihrem Manne; verlaß uns nicht beim Zeichen des bittren Wassers.

8R. Ḥanin war der Schwiegersohn des Fürsten und er hatte keine Kinder; da flehte er um Erbarmen und bekam einen Sohn, und an dem Tage, an dem er ihn bekam, starb er. Da sprach ein Trauerredner über ihn: Die Festlichkeit wurde in Trauer verwandelt, Jubel und Kummer traten zusammen, zur Zeit seiner Freude seufzte er, zur Zeit der Begnadigung verlor er seinen Gnader. Da benannten sie [das Kind] nach ihm Ḥanin.

9Als die Seele R. Joḥanans zur Ruhe einkehrte, sprach R. Jiçḥaq b. Elea͑zar über ihn: Schwer ist dieser Tag für Jisraél, wie der Tag, an dem die Sonne mittags untergeht. Es heißt nämlich: an diesem Tage werde ich die Sonne mittags untergehen lassen, und hierzu sagte R. Joḥanan, damit sei der Todestag Jošijahus gemeint.

10Als die Seele R. Joḥanans zur Ruhe einkehrte, hielt R. Ami die siebentägige und dreißigtägige Trauer. Da sprach R. Abba, Sohn des R. Ḥija b. Abba: R. Ami tat dies nur für sich, denn folgendes sagte R. Ḥija b. Abba im Namen R. Joḥanans: Selbst über einen Lehrer, der ihn Weisheit lehrte, sitze man nur einen Tag.

11Als die Seele R. Zeras zur Ruhe einkehrte, sprach ein Trauerredner über ihn: Das Land Šinea͑r war schwanger und gebar, das Land der Pracht zog seinen Liebling groß; wehe ihm, spricht Raqqath, daß es sein köstliches Gerät verloren hat.

12Als die Seele R. Abahus zur Ruhe einkehrte, vergossen die Säulen von Cäsarea Tränen. Als R. Jose [starb], floß Blut in den Rinnen von Sepphoris. Als R. Ja͑qob [starb], sah man die Sterne am Tage. Als R. Aši [starb], wurden alle Bäume entwurzelt. Als R. Ḥija [starb], fielen Feuerschollen vom Himmel. Als R. Menaḥem b. Jose [starb], wurden alle Figuren wie die Glättsteine plattgedrückt.

13Als R. Tanḥum b. Ḥija [starb], wurden alle Statuen zerschlagen. Als R. Eljašib [starb], wurden in Nehardea͑ siebzig Einbrüche verübt. Als R. Hamuna [starb], fielen Hagelschollen vom Himmel. Als Rabba und R. Joseph [starben], stießen die Ufer des Euphrat an einander. Als Abajje und Raba [starben], stießen die Ufer des Tigris an einander. Als die Seele des R. Mešaršeja zur Ruhe einkehrte, trugen die Dattelpalmen Disteln.

14Die Rabbanan lehrten:

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.