Moed Katan — Blatt 28a

1die anderer Frauen stelle man wohl.

2R. Elea͑zar sagte, dies gelte auch von anderen Frauen, denn es heißt: und Mirjam starb daselbst und wurde daselbst begraben; man begrub sie unmittelbar nach dem Tode.

3Ferner sagte R. Elea͑zar: Auch Mirjam starb mit einem Kusse. Dies ist durch [das Wort] daselbst von Moše zu entnehmen, und nur deshalb beißt es bei ihr nicht: durch den Mund des Herrn, weil dies zu sagen unschicklich wäre.

4R. Ami sagte: Weshalb wird vom Tode Mirjams neben dem Abschnitte von der roten Kuh [berichtet]? Dies besagt, wie die rote Kuh Sühne schafft, ebenso schaffe der Tod der Frommen Sühne. R. Elea͑zar sagte: Weshalb wird vom Tode Ahrons neben dem Abschnitte von den priesterlichen Gewändern berichtet? [Dies besagt,] wie die priesterlichen Gewänder Sühne schaffen, ebenso schafft der Tod der Frommen Sühne.

5Die Rabbanan lehrten: Stirbt jemand plötzlich, so ist dies ein hinraffender Tod; war er einen Tag krank und stirbt, so ist dies ein überstürzter Tod; R. Ḥananja b. Gamliél sagt, dies sei ein Seuchentod, denn es heißt: Menschensohn, siehe ich werde dir deiner Augen Lust durch die Seuche wegnehmen, und darauf folgt: ich redete am Morgen zum Volke, und am Abend starb mein Weib.

6War er zwei Tage [krank] und stirbt, so ist dies ein rascher Tod, wenn drei [Tage], so ist dies der Tod durch Anschreien; wenn vier [Tage], so ist dies der Tod durch Verweis; fünf [Tage bettlägerig und sterben] ist der Tod eines jeden Menschen.

7R. Ḥanin sagte: Welcher Schriftvers deutet hierauf? Stehe [hen], deine Tage sind herangenaht, zum Sterben; hen: eins, sind herangenaht: zwei, Tage: zwei, zusammen fünf. Hen ist eins, denn ἕν heißt im Griechischen eins.

8Stirbt jemand mit fünfzig Jahren, so ist dies der Tod der Ausrottung, mit zweiundfünfzig Jahren, so ist dies der Tod Šemuéls aus Rama; mit sechzig Jahren, so ist dies ein gewöhnlicher Tod.

9Mar Zuṭra sagte: Welcher Schriftvers deutet hierauf? Es heißt: in Vollreife [bekelaḥ] kommst du ins Grab; [der Zahlenwert des Wortes] bekelaḥ beträgt sechzig.

10Siebzig Jahre ist ein Greisenalter; achtzig ist ein hohes Alter, denn es heißt: unser Leben währt siebzig Jahre und wenn es hoch kommt, achtzig Jahre. Rabba sagte: Von fünfzig bis sechzig Jahren ist es ein Tod der Ausrottung, und nur wegen des Ansehens Šemuéls aus Rama zählt er dies nicht mit auf.

11Als R. Joseph sechzig Jahre alt wurde, veranstaltete er ein Fest für die Rabbanan, indem er sagte: Nun bin ich der Ausrottung entgangen. Abajje sprach zu ihm: Allerdings ist der Meister der Ausrottung in Bezug auf die Jahre entgangen, ist er ihr auch in Bezug auf die Tage entgangen? Dieser erwiderte: Immerhin hast du die Hälfte.

12R. Hona starb plötzlich und die Rabbanan waren darüber bestürzt; da lehrte ihnen Zoga aus Hadjabene: Dies gilt nur von dem, der kein hohes Alter erreicht, wer aber ein hohes Alter erreicht, für den ist dies ein Tod mit einem Kusse.

13Raba sagte: Leben, Kinder und Nahrung hängen nicht vom Verdienste ab, sondern vom Glücke. Rabba und R. Ḥisda waren beide fromme Gelehrte; wenn der eine um Regen bat, kam er, und wenn der andere um Regen bat, kam er.

14Dennoch lebte R. Ḥisda zweiundneunzig Jahre, während Rabba nur vierzig Jahre lebte. Bei R. Ḥisda wurden sechzig Hochzeiten gefeiert, während bei Rabba sechzig Todesfälle waren.

15Bei R. Ḥisda erhielten die Hunde Feinbrot, und auch das wollten sie nicht, während bei Rabba die Menschen Gerstenbrot aßen, und auch das hatten sie nicht.

16Raba sagte: Um drei Dinge bat ich den Himmel; zwei gewährte man mir und eines nicht. Die Weisheit R. Honas und den Reichtum R. Hisdas gewährte man mir, die Bescheidenheit Rabbas gewährte man mir nicht.

17R. Seo͑rim, der Bruder Rabas, saß vor Raba, als er in der Agonie lag. Da sprach dieser: Möge der Meister [dem Todesengel] sagen, daß er mich nicht quäle. Jener erwiderte: Ist denn der Meister nicht sein Beisitzer!? Dieser entgegnete: Da mein Glück fort ist, so beachtet er mich nicht mehr. Hierauf bat ihn jener, ihm [nach dem Tode] zu erscheinen. Als er ihm später erschien, fragte er ihn: Hatte der Meister Schmerzen? Dieser erwiderte: Wie beim Stiche der Schröpflanzette.

18Raba saß vor R. Naḥman, als er in der Agonie lag. Da sprach dieser: Möge der Meister ihm sagen, daß er mich nicht quäle. Jener erwiderte: Ist der Meister denn kein angesehener Mann!? Dieser entgegnete: Wer ist angesehen, wer ist geachtet und wer ist bedeutungsvoll!?

19Hierauf bat er ihn, ihm [nach dem Tode] zu erscheinen. Als er ihm später erschien, fragte er ihn: Hatte der Meister Schmerzen? Dieser erwiderte: Wie man ein Haar aus der Milch zieht. Dennoch würde ich, wenn der Heilige, gepriesen sei er, mir anheim stellen würde, zurück in diese Welt umzukehren, dies nicht tun; so groß ist die Angst vor dem Todesengel.

20Als er R. Elea͑zar erschien, aß er gerade Hebe, und er sprach zu ihm: Ich esse ja Hebe, die Heiliges genannt wird! So entging er der Stunde.

21R. Šešeth erschien er auf der Straße; da sprach er: Wie ein Vieh auf der Straße [sterben]!? Und er kam zu ihm nach Hause.

22R. Aši erschien er auf der Straße; da sprach er zu ihm: Warte mir dreißig Tage, bis ich mein Studium wiederholt habe, denn es heißt: Heil dem, der da mit seinem Studium in der Hand anlangt. Als er zu ihm am dreißigsten Tage kam, sprach er: Weshalb die [Eile]!? – Die Füße des Sohnes Nathans drängen, und eine Regierung berührt die andere nicht um ein Haar.

23Gegen R. Ḥisda vermochte er nichts, da sein Mund vom Studieren nicht abließ. Da kletterte er auf eine Zeder des Lehrhauses und sie brach; da hielt jener inne, und er bemächtigte sich seiner.

24R. Ḥija vermochte er sich nicht zu nähern; da verstellte er sich eines Tages als Bettler und klopfte an seiner Tür, indem er rief: Gebt mir etwas Brot. Nachdem man es ihm gegeben hatte, sprach er: Der Meister hat ja Mitleid mit einem Armen, weshalb hat er kein Mitleid mit mir!? Hierauf gab er sich ihm zu erkennen und zeigte ihm eine Feuerrute; da lieferte er sich ihm aus.

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.