Moed Katan — Blatt 3a
1die Abzweigungen aber hat der Allbarmherzige nicht verboten. Es heißt nämlich: aber das siebente Jahr soll für das Land eine Zeit unbedingter Ruhe sein; du darfst dein Feld nicht besäen &c.;
2merke, das Beschneiden ist ja im Säen und das Winzern im Mähen einbegriffen, weshalb nennt sie der Allbarmherzige besonders?
3Um zu sagen, daß man nur wegen dieser Abzweigungen schuldig sei, wegen anderer aber ist man nicht schuldig. –
4Etwa nicht, es wird ja gelehrt: Du darfst dein Feld nicht besäen, und deinen Weinberg darfst du nicht beschneiden; ich weiß dies vom Säen und vom Beschneiden, woher dies vom Jäten, Graben und Entblättern? Es heißt: dein Feld nicht, deinen Weinberg nicht, keinerlei Arbeit auf dem Felde, keinerlei Arbeit im Weinberg.
5Woher, daß das Ausschneiden, Beschneiden und Abkratzen der Bäume verboten ist? Es heißt: dein Feld nicht, deinen Weinberg nicht, keinerlei Arbeit auf dem Felde und keinerlei Arbeit im Weinberg.
6Woher, daß das Düngen, Entblättern, Beerden und Ausräuchern der Bäume verboten ist? Es heißt: dein Feld nicht, deinen Weinberg nicht, keinerlei Arbeit auf dem Felde und keinerlei Arbeit im Weinberg.
7Man könnte glauben, man dürfe auch nicht Olivenbäume umgraben, Weinstöcke behacken, Gräben mit Wasser füllen und Kreisfurchen um die Weinstöcke ziehen, so heißt es: du darfst dein Feld nicht besäen und deinen Weinberg sollst du nicht beschneiden;
8das Säen war ja einbegriffen, weshalb wurde es besonders hervorgehoben? Um anderes damit zu vergleichen und dir zu sagen: wie das Säen sich dadurch auszeichnet, daß es eine Arbeit für Feld und Weinberg ist, ebenso alles andere, was eine Arbeit für Feld und Weinberg ist. –
9Nur rabbanitisch, und der Schriftvers ist nichts weiter als eine Anlehnung. –
10Ist denn das Umgraben im Siebentjahre erlaubt, es heißt ja: im siebenten Jahre sollst du es unbestellt und brach lassen; unbestellt, nicht umgraben, und brach, nicht entsteinigen!?
11R. U͑qaba b. Ḥama erwiderte: Es gibt zweierlei Umgrabungen; die eine, um die Bäume zu kräftigen, und die andere, um Ritzen zu füllen. Die Bäume zu kräftigen ist verboten, die Ritzen zu füllen ist erlaubt.
12Es wurde gelehrt: Über das Pflügen im Siebentjahre [streiten] R. Joḥanan und R. Elea͑zar; einer sagt, er erhalte Geißelhiebe, und einer sagt, er erhalte keine Geißelhiebe. Es ist anzunehmen, daß sie über [eine Lehre] des R. Abin im Namen R. Ilea͑s streiten, denn R. Abin sagte im Namen R. Ilea͑s: Überall, wo das Gebot generalisiert und das Verbot spezialisiert, ist [die Regel] vom Generellen und Speziellen nicht anzuwenden.
13Nach dem er Geißelhiebe erhält, hält nichts von der Lehre R. Abins im Namen R. Ilea͑s,
14und nach dem er keine Geißelhiebe erhält, hält wohl von der Lehre R. Abins. –
15Nein, keiner hält von der Lehre R. Abins im Namen R. Ilea͑s; nach dem er Geißelhiebe erhält, stimmt dies ja,
16und derjenige, nach dem er keine Geißelhiebe erhält, kann dir erwidern: merke, das Beschneiden ist ja im Säen und das Winzern im Mähen einbegriffen, weshalb nennt sie der Allbarmherzige besonders? Um zu sagen, daß man nur wegen dieser Abzweigungen schuldig sei, nicht aber ist man wegen anderer schuldig. –
17Etwa nicht, es wird ja gelehrt: Dein Feld sollst du nicht besäen und deinen Weinberg sollst du nicht beschneiden; ich weiß dies vom Säen und vom Beschneiden, woher dies vom Jäten, Graben und Entblättern? Es heißt: dein Feld nicht, deinen Weinberg nicht, keinerlei Arbeit auf dem Felde und keinerlei Arbeit im Weinberg.
18Woher, daß das Ausschneiden, Beschneiden und Abkratzen der Bäume verboten ist? Es heißt: dein Feld nicht, deinen Weinberg nicht, keinerlei Arbeit auf dem Felde und keinerlei Arbeit im Weinberg.
19[Woher, daß das Düngen, Entblättern und Ausräuchern der Bäume verboten ist? Es heißt: dein Feld nicht, deinen Weinberg nicht, keinerlei Arbeit auf dem Felde und keinerlei Arbeit im Weinberg.]
20Man könnte glauben, man dürfe auch nicht Olivenbäume umgraben, Weinstöcke behacken, Gräben mit Wasser füllen und Kreisfurchen um die Weinstöcke ziehen, so heißt es: du darfst dein Feld nicht besäen;
21das Säen war ja einbegriffen, weshalb wurde es besonders hervorgehoben? Um anderes damit zu vergleichen und dir zu sagen: wie das Säen sich dadurch auszeichnet, daß es eine Arbeit für Feld und Weinberg ist, ebenso alles andere, was eine Arbeit für Feld und Weinberg ist!? –
22Nur rabbanitisch, und der Schriftvers ist nichts weiter als eine Anlehnung.
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.