Nasir — Blatt 13a

1HAT SEINE FRAU [VORZEITIG] ABORTIERT, SO IST ER KEIN NAZIR. R. ŠIMO͑N SAGT, ER MÜSSE SAGEN: WÄRE ES EIN LEBENSFÄHIGES KIND, SO BIN ICH PFLICHTGEMÄSS NAZIR, WENN ABER NICHT, SO BIN ICH FREIWILLIGNAZIR.

2GEBÄRT SIE WIEDERUM, SO IST ER NAZIR. R. ŠIMO͑N SAGT, ER MÜSSE SAGEN: WÄRE DAS ERSTE KIND LEBENSFÄHIG, SO SEI DAS ERSTE [NAZIRAT] EIN PFLICHTGEMÄSSES UND DIESES EIN FREIWILLIGES, WENN ABER NICHT, SO SEI DAS ERSTE EIN FREIWILLIGES UND DIESES EIN PFLICHTGEMÄSSES.

3GEMARA. Wozu ist dieszu lehren nötig!? – Wegen des Schlußsatzes: wenn eine Tochter, ein Geschlechtsloser oder ein Zwitter, so ist er kein Nazir. – Selbstverständlich!? – Man könnte glauben, er habe verstanden: wenn ich Vaterwerde, so lehrt er uns, daß dem nicht so sei.

4WENN ER ABER GESAGT HAT: WENN ICH EIN KIND BEKOMME &C. Selbstverständlich!? – Man könnte glauben, ein Kind, das als solches unter den Menschengilt, so lehrt er uns.

5HAT SEINE FRAU ABORTIERT, SO IST ER KEIN NAZIR. Wer lehrt dies? – Es ist R. Jehuda, [der Autor der Lehre] vom Haufen.

6R. ŠIMO͑N SAGT, ER MÜSSE SAGEN: WÄRE ES EIN LEBENSFÄHIGES KIND, SO BIN ICH PFLICHTGEMÄSS NAZIR, WENN ABER NICHT, SO BIN ICH FREIWILLIG NAZIR. R. Abba fragte R. Hona: Wie ist es, [wenn jemand gesagt hat:] ich will Nazir sein, wenn ich einen Sohn bekomme, und seine Frau abortiert hat, und nachdem er ein Opfer abgesondert, sie wiederumgeboren hat? –

7Nach wessen Ansicht: wenn nach R. Šimo͑n, so ist es ja nach ihm nicht fraglich, R. Šimo͑n sagt ja, ein Zweifel beim Nazirate sei erschwerendzu entscheiden!? Vielmehr, nach R. Jehuda, welcher sagt, ein Zweifel beim Nazirate sei erleichternd zu entscheiden; wie ist es nun, ist es heilig oder nicht? –

8In welcher Hinsicht? – Hinsichtlich der Schur und der Verwendung zur Arbeit. – Dies bleibt unentschieden.

9Ben Riḥumi fragte Abajje: Wie ist es, [wenn jemand gesagt hat:] ich will Nazir sein, wenn ich einen Solin bekomme, und ein anderer dies hört und spricht: auf mich; bezieht er dies auf seinen Ausspruchoder auf sich selbst?

10Und wie ist es, wenn du entscheidest, er beziehe dies auf sich selbst, wenn jemand gesagt hat: ich will Nazir sein, wenn ich einen Sohn bekomme, und ein anderer dies hört und spricht: ich ebenfalls; bezieht er dies auf sich selbst, oder meint er es wie folgt: mir wäre dies ebenso lieb wie dir? Und wie ist es ferner, wenn du entscheidest, da es in seiner Gegenwart erfolgt ist,

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.