Nasir — Blatt 2b

1und bei der Beerbung nennt er das Grundgesetz der Erbschaftzuerst. –

2Demnachsollte er auch hierbei die Umschreibungen zuerst nennen!? – Vielmehr aus folgendem Grunde: [die Gültigkeit] der Ansätze wird durch eine Schriftauslegung gefolgert, und diese ist ihm lieb. –

3Sollte er damit auch eingangs beginnen!? – Der Autor beginnt mit dem, was hauptsächlich zum Opfer [verpflichtet], bei der Erklärung aber nennt er die Ansätze zuerst.

4SAGTE JEMAND: ICH WILL SEIN, SO IST ER NAZIR. Vielleicht meinte er: ich will im Fasten verweilen!? Šemuél erwiderte: Wenn ein Nazir an ihm vorüberging. –

5Es wäre anzunehmen, daß Šemuél der Ansicht ist, Ansätze, die nichtsbeweisen, gelten nicht als Ansätze? – Ich will dir sagen, wenn ein Nazir an ihm vorüberging, so ist eine andere Absicht nicht zu vermuten, wenn aber ein Nazir nicht vorüberging, sagen wir, er meinte vielleicht: ich will im Fasten verweilen. –

6Vielleicht meinte er, er wolle ihn seiner Opfer entheben!? – Wenn er im Herzen [das Richtige] gedacht hat. –

7Wozu braucht dies demnach gelehrt zu werden!? – Man könnte glauben, Mund und Herz müssen übereinstimmen, so lehrt er uns.

8ICH WILL SCHÖN SEIN, SO IST ER NAZIR. Vielleicht meinte er: ich will mich schön zeigen in der Ausübung der Gebote!? Es wird nämlich gelehrt:Dieser ist mein Gott, ich will ihn verherrlichen; ich will ihn verherrlichenbei der Ausübung der Gebote: ich will ihm [zu Ehren] eine schöne Festhütte, einen schönen Feststrauß, schöne Çiçithmachen, eine schöne Torarolle schreiben und sie in schöne Seide hüllen.

9Šemuél erwiderte: Wenn er sich an das Haar faßte und sprach: ich will schönsein. –

10Diesist ja eine Übertretung, und das soll schön heißen!? –

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.