Nasir — Blatt 3b
1und die Rabbanan sind der Ansicht, er werde vom daneben genannten nicht erfaßt.
2R. Joḥanan erwiderte: Alle stimmen überein, daß er vom daneben genannten nicht erfaßt werde, vielmehr ist folgendes der Grund R. Meírs: wir berücksichtigen, er kann [die Darbringung der] Vögel eines unreinen Nazirsauf sich genommen haben. –
3Merke, er sagt ja, es sei zu berücksichtigen, somit kann er ja ein freiwilliges Vogelopfer auf sich genommen haben!? – Sodann sollte er gesagt haben: ich nehme auf mich [die Darbringung] eines Vogelpaares. –
4Vielleicht meinte er die Vögel eines Aussätzigen!? – Wenn ein Nazir an ihm vorüberging. – Vielleicht meinte er einen unreinen Nazir, ihn seiner Opfer zu entheben!? – Wenn ein reiner Nazir an ihm vorüberging. –
5Welchen Unterschied gibt es zwischen ihnen? –
6Einen Unterschied gibt es zwischen ihnen in dem Falle, wenn er gesagt hat: er nehme auf sich [die Darbringung von] Vögeln, die neben ‘Haar’ genannt werden. Nach R. Joḥanan ist er, obgleich er diesen Ausdruck gebraucht hat, nur dann [Nazir], wenn ein Nazir an ihm vorüberging, sonst aber nicht, nach Reš Laqiš aber auch dann, wenn kein Nazir an ihm vorüberging. –
7Gibt es denn jemand, der der Ansicht wäre, man werde von dem, was daneben genannt ist, nicht erfaßt!? Es wird ja gelehrt: Sagte jemand: bei der Rechten, so ist dies ein Schwur. Doch wohl aus dem Grunde, weil es heißt:da hob er seine Rechte und seine Linke gegen den Himmel und schwor bei dem, der ewig lebt. –
8Ich will dir sagen, nein, weil die Rechte an sich einen Schwur bedeutet. Es wird nämlich gelehrt: Woher, daß, wenn jemand ‘[bei der] Rechten’ sagt, dies ein Schwur sei? Es heißt:der Herr hat bei seiner Rechten geschworen. Und woher, daß, wenn jemand ‘[bei der] Linken’ sagt, dies ein Schwur sei? Es heißt:und beim Arme seiner Macht.
9SAGTE JEMAND:] ICH WILL NAZIR SEIN INBEZUG AUF TRAUBENKERNE, SCHLAUBEN, DAS HAARSCHEREN ODER DIE VERUNREINIGUNG, SO IST ER NAZIR, UND ALLE GENAUIGKEITEN DES NAZIRATES LIEGEN IHM OB.
10GEMARA. Unsere Mišna vertritt nicht die Ansicht R. Šimo͑ns, denn es wird gelehrt: R. Šimo͑n sagt, er sei nur dann schuldig, wenn er sich allesabgelobt hat; die Weisen sagen, selbst wenn nur eines davon, sei er Nazir. –
11Was ist der Grund R. Šimo͑ns? – Die Schrift sagt:von allem,, was aus dem Weinstocke bereitet wird, weder Kerne noch Schlauben. – Was ist der Grund der Rabbanan? – Die Schrift sagt: des Weines und des Rauschtrankes enthalte er sich. –
12Und R. Šimo͑n, es heißt ja: des Weines und des Rauschtrankes enthalte er sich!? – Dies deutet darauf, daß ihm der Wein auch zu Gebotszwecken gleich dem freigestellten verboten sei. –
13Das sind wohl der Weihsegen und der Unterscheidungssegen, und bezüglich dieser
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.