Nasir — Blatt 4a

1ist er ja vom Berg Sinaj hermit einem Schwure belegt!? –

2Vielmehr, nach einer Lehre Rabas: Wenn jemand geschworen hat, [Wein] zu trinken, und darauf spricht: ich will Nazir sein, so erstreckt sich das Nazirat auf den Schwur. –

3Und die Rabbanan, dieser [Schriftvers]ist ja nötig, um hieraus das Verbot des Weines zu Gebotszwecken gleich dem Freigestellten zu entnehmen!? – Die Schrift sollte ja nur den Wein nennen, da sie aber auch den Rauschtrank nennt, so ist beides zu entnehmen. –

4Und R. Šimo͑n!? – Der Rauschtrank wird deshalb genannt, um hieraus hinsichtlich des Tempelszu folgern. Es heißt:Wein und Rauschtrank sollst du nicht trinken, du und deine Söhne mit dir; wie dem Nazir nur Wein verboten ist, nicht aber andere [berauschende] Getränke, ebenso erstreckt sich das Verbot hinsichtlich des Tempels nur auf Wein, nicht aber auf andere berauschende Getränke.

5Dies schließt die Ansicht R. Jehudas aus, denn es wird gelehrt: R. Jehuda sagt, wer eine qei͑lische Feige gegessen oder Honig und Milch getrunken hatund darauf in den Tempel eingetreten ist, sei schuldig.

6Wenn du aber willst, sage ich: R. Šimo͑n ist nicht der Ansicht, daß ein Verbot sich auf Verboteneserstrecke.

7Es wird nämlich gelehrt: R. Šimo͑n sagt, wer Aas am Versöhnungstage gegessen hat, sei frei. –

8Und die Rabbanan, es heißt ja: von allem, was aus dem Weinstocke bereitet wird!? – Die Rabbanan können dir erwidern: dies lehrt, daß die dem Nazir verbotenen Dinge mit einander vereinigt werden. –

9Und R. Šimo͑n!? – Er hält nichts von der Vereinigung. Es wird nämlich gelehrt: R. Šimo͑n sagt, die Geißelungsei auf ein Minimum gesetzt, und nur hinsichtlich des Opfersist Olivengröße erforderlich.

10SAGTE JEMAND:] ICH WILL SEIN WIE ŠIMŠON, DER SOHN MANOAḤS, DER EHEMANN DER DELILA, ODERDER, DER DIE TORE VON A͑ZA AUSHOB, ODER DER, DEM DIE PELIŠTIM DIE AUGEN AUSSTACHEN, SO IST ER NAZIR WIE ŠIMŠON.

11GEMARA. Wozu lehrt er dies alles? – Dies ist nötig. Hieße es nur: ich will wie Šimšon sein, so könnte ein anderer Šimšon gemeint sein, daher heißt es: wie der Sohn Manoaḥs.

12Und hieße es auch: wie der Sohn Manoaḥs, so könnte man glauben, es gebe einen anderen, der so heißt, daher heißt es auch: wie der Ehemann der Delila, oder wie der, dem die Pelištim die Augen ausstachen.

13WELCHEN UNTERSCHIED GIBT ES ZWISCHEN EINEM LEBENSLÄNGLICHEN NAZIR UND EINEM NAZIR WIE ŠIMŠON? EIN LEBENSLÄNGLICHER NAZIR DARF, WENN IHM DAS HAAR LÄSTIG WIRD, ES MIT EINEM SCHERMESSER STUTZEN UND BRINGTDIE DREI OPFERTIERE DAR, UND WENN ER UNREIN WIRD, BRINGT ER DAS UNREINHEITSOPFERDAR,

14EIN NAZIR WIE ŠIMŠON ABER DARF, WENN IHM DAS HAAR LÄSTIG WIRD, ES NICHT STUTZEN, UND WENN ER UNREIN WIRD, BRINGT ER DAS [UNREINHEITS]OPFER NICHT DAR.

15GEMARA. Wer spricht von einem lebenslänglichen Nazir!? – [Die Mišna] ist lückenhaft und muß wie folgt lauten: sagte jemand: ich will lebenslänglicher Nazir sein, so ist er Nazir. Welchen Unterschied gibt es zwischen einem lebenslänglichen Nazir und einem Nazir wie Šimšon? Ein lebenslänglicher Nazir darf, wenn ihm das Haar lästig wird, es mit einem Schermesser stutzen und bringt die drei Opfertiere dar, und wenn er unrein wird, bringt er das Unreinheitsopfer dar, ein Nazir wie Šimšon aber darf, wenn ihm das Haar lästig wird, es nicht stutzen,

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.