Nasir — Blatt 41a
1Ferner sollte, wenn man sagen wollte, das Gebot werde mit einer Zange oder einer Feile ausgeübt, hierbei, da das Schermesser nicht genannt wird, die Lehre des Reš Laqiš zur Anwendung kommen!? Dieser sagte nämlich:
2Überall, wo du ein Gebot mit einem Verbote [zusammenstoßen] findest, ist es, wenn du beide aufrecht erhalten kannst, recht, wenn aber nicht, so komme das Gebot und verdränge das Verbot. –
3Was ist der Grund R. Elie͑zers? – Er folgert dies [aus dem Worte] Haupt. Es wird nämlich gelehrt: Sein Haupt, was lehrt dies? Da es beim Nazir heißt :ein Schermesser soll nicht über sein Haupt gehen, so könnte man glauben, dies gelte auch von einem aussätzigen Nazir, so heißt es : sein Haupt. –
4Wieso dies, vielleicht übt er das Gebot aus, auch wenn er [das Haar] mit einer Zange oder einer Feile abnimmt, und wenn du einwendest, demnach braucht ja nichtdas Schermesser angedeutet zu werden, so besagt dies, daß es auch mit einem Schermesser erfolgen dürfe!? Man könnte nämlich glauben, da der Nazir schuldig ist, wenn er es mit einem Schermesser tut, sei auch der Aussätzigeschuldig, so lehrt er uns, daß dem nicht so sei. –
5Wenn man sagen wollte, das Gebot werde mit einer Zange oder einer Feile ausgeübt, so sollte hierbei, da das Schermesser nicht genannt wird, die Lehre des Reš Laqiš zur Anwendung kommen. –
6Wofür verwenden die Rabbanan [das Wort] Haupt? – Das Verbot des Rundscherens zu verdrängen. Es wird nämlich gelehrt :Ihr sollt den Rand eures Haupthaares nicht rundscheren; man könnte glauben, dies gelte auch vom Aussätzigen, so heißt es: sein Haupt. –
7Wozu heißt es sein Haupt, dies geht ja hervor aus [dem Worte] seinen Bart!? Es wird nämlich gelehrt: Seinen Bari; was lehrt dies? Da es heißt den Rand ihres Bartes sollen sie nicht abscheren, so könnte man glauben, dies gelte auch vom Aussätzigen, so heißt es seinen Bart.
8Wozu heißt es nun sein Haupt und seinen Bart!? – Beides ist nötig. Würde der Allbarmherzige nur seinen Bart und nicht sein Haupt geschrieben haben, so könnte man glauben, das Rundscheren des ganzen Hauptes gelte nichtals Rundscheren, daher schrieb der Allbarmherzige auch sein Haupt.
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.