Nasir — Blatt 42b
1GEMARA. Es wurde gelehrt: Rabba sagte im Namen R. Honas: Die Schrift sagt ausdrücklich :verunreinige er sich nicht, und wenn es noch außerdem heißt :komme er nicht, so ist ihm die Verunreinigung und außerdem das Eintretenverboten worden, nicht aber die Verunreinigung während derUnreinheit.
2R. Joseph sagte: Bei Gott, R. Hona sagte, auch die Verunreinigung während der Unreinheit. R. Hona sagte nämlich: Wenn ein Nazir sich auf einem Begräbnisplatze befindet und man ihm seinen Toten oder einen fremden Toten hinreicht imd er diesen berührt, so ist er schuldig. Weshalb denn, er ist ja ohnehin unrein!? Vielmehr sagte es R. Hona auch von der Verunreinigung während der Unreinheit.
3Abajje wandte gegen ihn ein: Man könnte glauben, daß, wenn ein Priestereinen Toten auf der Schulter trägt und man ihm seinen Toten oder einen fremden Toten hinreicht und er diesen berührt, er schuldig sei, so heißt es:er entweihe nicht, nur wenn er noch nicht entweiht ist, ausgenommen dieser, der bereits entweiht ist!?
4Dieser erwiderte: Du kannst dagegen aus einer Mišna einwenden, denn wir haben gelernt: Wenn er sich den ganzen Tag an Toten verunreinigt hat, so ist er nur einmal schuldig; wenn man ihm aber wiederholt gesagt hat, daß er sich nicht verunreinige, so ist er wegen jedes Males schuldig. Weshalb denn, er ist ja bereits unrein!? –
5[Die Lehren] widersprechen ja einander!? – Dies ist kein Widerspruch; das eine, wenn eine Verbindungbesteht, das andere, wenn keine Verbindungbesteht. –
6Ist denn die Verbindung bei der Unreinheitaus der Tora, R. Jiçḥaq b. Joseph sagte ja im Namen R. Jannajs, eine Verbindung der Unreinheit gebe es nur bei der Hebe und den Opfern, nicht aber beim Nazir und dem Herrichtendendes Pesaḥopfers. Welchen Unterschied gibt es nun hierbei, wenn du sagst, dies sei aus der Tora!? –
7Dies gilt von der Verbindung des Menschen mit einem Menschen, jenes aber von der Verbindung des Menschen mit der Leiche. –
8Von der Verunreinigung während der Unreinheit gilt dieswohl deshalb nicht, weil er bereits unrein ist,
9und auch beim Eintretenwährend der Unreinheit ist er ja bereits unrein!? R.Joḥanan erwiderte: Das eine in einem Raume,
10das andere auf dem Felde. –
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.