Nasir — Blatt 43a
1Auch in einem Räume wird er ja, sobald er mit der Hand hineinlangt, unrein, und wenn er dann vollständig eintritt, war er bereits unrein!?
2Vielmehr, erklärte R. Elea͑zar, ist die Verbindung durch die Handerfolgt, so ist nur die Verunreinigung und nicht das Eintreten vorhanden, wenn aber durch den Körper, so sind die Verunreinigung und das Eintreten gleichzeitig erfolgt. – Es ist ja aber nicht anders möglich, als daß er die Nase zuerst hineinsteckt und dadurch unrein wird!?
3Vielmehr, erklärte Raba, ist er zuerst mit der Handhineingekommen, so ist nur die Verunreinigung und nicht das Eintreten vorhanden, ist er mit dem Körperhineingekommen, so sind die Verunreinigung und das Eintreten gleichzeitig erfolgt. – Es ist ja aber nicht anders möglich, als daß er zuerst mit dem Zeh hineinkommt und dadurch unrein wird!?
4Vielmehr, erklärte R. Papa, wenn er in einer Truhe, einer Kiste oder einem Schranke hineingekommen ist und jemanddas Verdeck entfernt hat, wobei die Verunreinigung und das Eintreten gleichzeitig erfolgt sind. Mar, Sohn des R. Aši, erklärte: Wenn er [in einen Raum,] in dem ein Sterbender lag, eintrat und dieser während seines Aufenthaltes gestorben ist; die Verunreinigung und das Eintreten erfolgen dann gleichzeitig.
5Die Rabbanan lehrten :Sich zu entweihen, biszur Stunde seines Sterbens. Rabbi sagte :Wenn sie tot sind, bis zur Stunde, wo sie tot sind. –
6Welchen Unterschied gibt es zwischen ihnen? R. Joḥanan erwiderte: Ein Unterschied besteht nur in der Auslegung. Reš Laqiš erwiderte: Ein Unterschied besteht zwischen ihnen hinsichtlich eines Sterbenden. Nach demjenigen, der dies aus [den Worten] sich zu entweihen folgert, gilt dies auch von einem Sterbenden, und nach demjenigen, der dies aus [den Worten] wenn sie tot sind folgert, gilt dies nur von einem Toten, nicht aber von einem Sterbenden. –
7Worauf bezieht derjenige, der es aus [den Worten] sich zu entweihen folgert, [die Worte] wenn sie tot sind!? – Diese verwendet er für eine Lehre Rabbis, denn es wird gelehrt: Rabbi sagte: Wenn sie tot sind, nur [an ihrer Leiche] darf er sich nicht verunreinigen, wohl aber darf er sich an ihrem Aussatze und an ihrem Ausflusseverunreinigen. –
8Auch nach demjenigen, der es aus [den Worten] wenn sie tot sind entnimmt, sind sie ja hierfür nötig!? – Die Schrift könnte ja sagen: wenn tot, wenn es aber heißt: wenn sie tot sind, so ist beides zu entnehmen. –
9Worauf bezieht derjenige, der es aus [den Worten] wenn sie tot sind entnimmt, [die Worte] sich zu entweihen !? – [Die Worte] sich zu entweihen deuten hierauf: nur wer nicht entweiht ist, ausgenommen derjenige, der bereits entweiht ist. –
10Auch nach demjenigen, der es aus [den Worten] sich zu entweihen entnimmt, sind sie ja hierfür nötig!? – Die Schrift könnte ja sagen: zu entweihen, wenn es aber heißt: sich zu entweihen, so ist beides zu entnehmen.
11Man wandte ein: Ein Mensch ist selbst zerschnitten oder sterbend nicht eher verunreinigend, als bis ihm die Seele ausgeschieden ist. Gegen denjenigen, der dies aus [den Worten] sich zu entweihen entnimmt, [ist ja einzuwenden,] hier wird gelehrt, daß er nicht verunreinigend sei!? – Die Verunreinigung erfolgt erst, wenn die Seele ausgeschieden ist, entweiht aber ist er bereits.
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.