Nasir — Blatt 43b

1R. Ḥisda sagte im Namen Rabhs: Ist seinem Vater der Kopf abgeschlagen worden, so darf er sich an ihm nicht verunreinigen, denn die Schrift sagt:an seinem Vater, wenn er vollständig ist, nicht aber, wenn er unvollständig ist. R. Hamnuna sprach zu ihm : Demnach darf er, wenn [sein Vater] durch die Steppe A͑raboth reiste und Räuber ihm den Kopf abgeschlagen haben, sich an ihm nicht verunreinigen!?

2Dieser erwiderte: Du sprichst von einem Pflichttoten; wenn er sich mit einem Fremden befassen muß, um wieviel mehr mit seinem Vater. –

3Gilt dieser denn als Pflichttoter, es wird ja gelehrt, Pflichttoter sei derjenige, der niemand hat, der ihn bestattet, wenn er aber ruftund man ihm antwortet, sei er kein Pflichttoter; dieser aber hat ja einen Sohn!? – Da er sich auf dem Wege befindet, so ist es ebenso, als würde er niemand zur Bestattung haben.

4Man wandte ein:An ihr verunreinige er sich; an ihr verunreinige er sich, nicht aber verunreinige er sich an einzelnen ihrer Glieder, weil er sich nicht einmal an einem Gliede seines lebenden Vaters oder an einem Gliede seines toten Vaters verunreinigen darf ; wohl aber darf er nach einem gerstengroßen Knochensuchen.

5Das Suchen nach einem gerstengroßen Knochen ist wohl zu verstehen, wenn etwas fehlt !? –

6Nein, hier ist die Ansicht R. Jehudasvertreten, denn es wird gelehrt : R. Jehuda sagte : An ihr verunreinige er sich, nicht aber verunreinige er sich an einzelnen ihrer Glieder, denn er darf sich nicht einmal an einem Gliede seines lebenden Vaters verunreinigen, wohl aber verunreinige er sich an einem Gliede seines toten Vaters. –

7R. Kahana lehrte ja aber eine Lehre des R. Elie͑zer b. Ja͑qob: An ihr verunreinige er sich, nicht aber darf er sich an einzelnen ihrer Glieder verunreinigen; ausgenommen sind eine Olive von der Leiche, eine Olive Verwestes und ein Löffel Moder.

8Man könnte glauben, daß er sich auch am Rückgrat, am Schädel und am dem Umfange oder der Gliederzahl nach größeren Teile [der Leiche] nicht verunreinigen dürfe, so heißt es:sprich zu ihnen, womit die Schrift noch eine weitere Verunreinigung hinzufügt.

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.