Nasir — Blatt 45b

1weil die jungen Priester durch sie in Aufregung geraten könnten. Jener entgegnete: Gegen deine Worte ist ja von der Ehebruchsverdächtigten einzuwenden; von dieser heißt es:der Priester stelle sie vor den Herrn, und wir befürchten nicht, die jungen Priester könnten durch sie in Aufregung geraten!?

2Dieser erwiderte: Jene pudert und schminkt sich, diese pudert und schminkt sich nicht.

3HIERAUF NIMMT ER DAS HAAR SEINES GEWEIHTEN HAUPTES UND LEGT ES UNTER DEN KESSEL; SCHERT ER SICH IN DER PROVINZ, SO LEGT ER ES NICHT UNTER DEN KESSEL. DIES GILT NUR VOM SCHEREN IN REINHEIT, BEIM SCHEREN WEGEN VERUNREINIGUNG ABER LEGT ER ES NICHT UNTER DEN KESSEL.

4R. MEÍR SAGT, ALLE LEGEN ES UNTER DEN KESSEL, MIT ALLEINIGER AUSNAHME DES UNREINEN IN DER PROVINZ.

5GEMARA. NIMMT ER DAS HAAR SEINES GEWEIHTEN HAUPTES. Die Rabbanan lehrten: Hierauf nimmt er etwas Brühe, gießt es auf das Haar seines geweihten Hauptes und legt es unter den Kessel mit dem Fleische vom Heilsopfer ; hat er es unter den Kessel mit dem Fleische vom Sündopfer oder vom Schuldopfer gelegt, so hat er der Pflicht genügt. – Wie kommt ein [reiner] Nazir zu einem Schuldopfer!? Raba erwiderte: Wenn es ein unreiner Nazir ist und er es unter den Kessel des Fleisches vom Schuldopfer gelegt hat. –

6Woher dies? Raba erwiderte: Die Schrift sagt:das sich unter der Schlachtung des Heilsopfers befindet, etwas vom Schlachtopfer selbst befinde sich unten. –

7Aus welchem Grunde hat er der Pflicht genügt, wenn er es unter den Kessel mit dem Fleische vom Sündopfer gelegt hat? – Die Schrift sagt Schlachtung, und dies schließt das Sündopfer und das Schuldopfer ein. – Aus [dem Worte] Schlachtung ist ja hinsichtlich der Brühe gefolgert worden!? – Die Schrift könnte ja sagen: von der Brühe des Friedensopfers, wenn es aber Schlachtung heißt, so schließt dies auch das Sündopfer und das Schuldopfer ein. –

8Vielleicht deutet es nur auf [die Einschließungen] des Sündopfers und des Schuldopfers!? –Demnach sollte es heißen: Heilsopfer und Schlachtung, wenn es aber Schlachtung des Heilsopfers heißt, so ist beides zu entnehmen.

9Die Rabbanan lehrten: Alle legen es unter den Kessel, ausgenommen der Unreine, der sich in der Provinz schert, weil sein Haar zu begraben ist – so R. Meír. R. Jehuda sagt, Reine legen es da und dort unter, Unreine legen es da und dort nicht unter. Die Weisen sagen, niemand lege es unter den Kessel, ausgenommen der Reine im Tempel, weil dann [das Scheren] nach Vorschrift erfolgt.

10HIERAUF KOCHT ODER SCHMORT ER DAS HEILSOPFER, UND DER PRIESTER NIMMT DEN GEKOCHTEN BUGVOM WIDDER, EINEN UNGESÄUERTEN KUCHENAUS DEM KORBE UND EINEN UNGESÄUERTEN FLADEN, LEGT SIE AUF DIE HANDFLÄCHE DES NAZIRS UND SCHWINGT SIE. SODANN IST ES DEM NAZIE ERLAUBT, WEIN ZU TRINKEN UND SICH AN TOTEN ZU VERUNREINIGEN.

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.