Nasir — Blatt 61b
1ausgenommen ein Nichtjude, bei dem die Unreinheit keine Geltunghat. – Woher, daß bei ihm die Unreinheit keine Geltung hat? – Die Schrift sagt :wenn jemand unrein wird und sich nicht reinigt, so soll diese Person aus der Mitte der Gemeinde ausgerottet werden; nur bei dem es eine Gemeinschaft gibt, ausgenommen dieser, bei dem es keine Gemeinschaft gibt. –
2Woher dies, vielleicht verfällt ernur der Ausrottungsstrafe nicht, wohl aber wird er unrein!? – Die Schrift sagt:es sprenge der Reine auf den Unreinen; bei dem es eine Reinigunggibt, gibt es auch eine Unreinheit, und bei dem es keine Reinigung gibt, gibt es auch keine Unreinheit. –
3Vielleicht gibt es bei ihm nur keine Reinigung, wohl aber eine Unreinheit!? – Die Schrift sagt: wenn jemand unrein wird und sich nicht reinigt.
4R. Aḥa b. Ja͑qob erwiderte: Anders ist es hierbei; die Schrift sagt:ihr sollt sie euren Söhnen nach euch vererben,
5bei dem die VererbungGeltung hat, hat auch die Unreinheit Geltung, und bei dem die Vererbung keine Geltung hat, hat auch die Unreinheit keine Geltung. – Demnach sollte dies auch von den Sklaven gelten!?
6Vielmehr, erwiderte Raba, allerdings ist beim Schätzgelübde wie folgt auszulegen: die Kinder Jisraél, die Kinder Jisraél können ein Schätzgelübde tun, nicht aber können Nichtjuden ein Schätzgelübde tun ; man könnte glauben, deren Schätzungswert könne auch nicht gelobt werden, so heißt es jemand.
7Wenn man aber hierbei auslegt: die Kinder Jisraél können ein Nazirat geloben und das Opfer bringen, nicht aber können Nichtjuden ein Nazirat geloben und das Opfer bringen, man könnte glauben, sie können überhaupt nicht Naziräersein, so heißt! es jemand,
8so ist zu erwidern: hinsichtlich des Opfersbraucht es nicht hieraus gefolgert zu werden, denn dies geht aus folgendem hervor:Als Brandopfer, nicht aber als Naziropfer– so R. Jose der Galiläer. –
9Vielleicht aber wie folgt: die Kinder Jisraél können ein lebenslängliches Nazirat geloben, nicht aber können Nichtjuden ein lebenslängliches Nazirat geloben; man könnte glauben, sie können überhaupt nicht Naziräer sein, so heißt es jemand!? R. Joḥanan erwiderte: Heißt es denn: lebenslänglicher Nazir!? –
10Vielleicht aber wie folgt: die Kinder Jisraél können ihren Kindern ein Nazirat auferlegen, nicht aber können Nichtjuden ihren Kindern ein Nazirat auferlegen; man könnte glauben, sie können überhaupt nicht Naziräer sein, so heißt es jemand!? R. Joḥanan sagte ja, dies sei eine Halakha beim Nazir. –
11Vielleicht aber wie folgt: die Kinder Jisraél scheren sich wegen des Naziratesihres Vaters, nicht aber scheren sich Nichtjuden wegen des Nazirates ihres Vaters;
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.