Nasir — Blatt 62a
1man könnte glauben, sie können überhaupt nicht Naziräer sein, so heißt es jemand!? – Es wird ja gelehrt, R. Joḥanan sagte, dies seieine überlieferte Halakha beim Nazir. –
2Wozu heißt es demnach beim Schätzgelübde :wenn jemand ein Gelübde ausspricht, die Schätzung !? Merke, das Schätzgelübde gleicht ja dem Gelübde, denn die Schrift sagt: wenn jemand ein Gelübde ausspricht, somitbraucht es ja beim Schätzgelübde nicht zu heißen: wenn jemand ausspricht. Hinsichtlich des Gelübdes wird nämlich gelehrt :Jemand, wozu heißt es zweimal jemand? – Dies schließt Nichtjuden ein, daß auch sie gleich den Jisraéliten geloben und freiwillig spenden können. –
3Vielmehr, [das Wort] jemand ist dazu nötig, das Gelübde dessen, der dem Mannesalter naheist, einzuschließen. –
4Einleuchtend ist dies nach demjenigen, welcher sagt, das Gelübde dessen, der dem Mannesalter nahe ist, sei nach der Tora [gültig], wozu aber sind [die Worte] wenn jemand ausspricht nach demjenigen nötig, welcher sagt, das Gelübde dessen, der dem Mannesalter nahe ist, sei nur rabbanitisch [gültig]!? – Dies schließt das Gelübde eines Nichtjuden ein, der dem Mannesalter nahe ist. –
5Einleuchtend ist dies nach demjenigen, der wie folgt auslegt: die Kinder Jisraél, nur der Schätzungswert von diesen kann gelobt werden, nicht aber kann der Schätzungswert von Nichtjuden gelobt werden; man könnte glauben, daß sie auch kein Schätzgelübde tun können, so heißt es jemand.
6Wozu aber sind [die Worte] wenn jemand ausspricht nötig nach demjenigen, der wie folgt auslegt: die Kinder Jisraél, diese können ein Schätzgelübde tun, nicht aber können Nichtjuden ein Schätzgelübde tun; man könnte glauben, deren Schätzungswert könne auch nicht gelobt werden, so heißt es jemand; auch ein einen Monat altes Kind kann ja geschätzt werden!?
7R. Ada b. Ahaba erwiderte: Dies schließt einen Nichtjuden aus, der das Gelübde nicht aussprechen kann, selbst wenn er erwachsen ist. –
8Wozu schrieb der Allbarmherzige beim Nazirat: wenn jemand ausspricht; merke, das Nazirat gleicht ja dem Gelübde, somit sind ja [die Worte] wenn jemand ausspricht nicht nötig!? –
9Dies schließt Ansätze, die nichts beweisen, ein. Es wird nämlich gelehrt: Ansätze, die nichts beweisen, gelten, wie Abajje sagt, als Ansätze, und wie Raba sagt, nicht als Ansätze. – Erklärlich ist dies nach Abajje, wie ist es aber nach Raba zu erklären !? –
10Vielmehr, [die Worte] wenn jemand ausspricht sind wegen einer Lehre R. Tryphons nötig. Es wird nämlich gelehrt : R. Jehuda sagte im Namen R. Tryphons: keiner von beidenist Nazir, weil das Nazirat bestimmt ausgesprochen werdenmuß. – Einleuchtend ist dies nach R. Tryphon, wie ist es aber nach den Rabbanan zu erklären!? –
11Vielmehr, dies ist wegen der folgenden Lehre nötig. Die Auflösung von Gelübden schwebt in den Lüften und es gibt keine Stützedafür;
12R. Elie͑zer sagt, es gebe wohl eine Stütze dafür, denn es heißtzweimal : wenn jemand ausspricht, wenn jemand ausspricht, einmal wegen des verbindlichen Aussprechens und einmal wegen des entbundenen Aussprechens.
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.