Nasir — Blatt 64a

1Was ist der Grund des ersten Autors? R. Jiçḥaq b. Evdämi erwiderte: Es heißt:an irgend einem Kriechtiere, das kriecht, wo es auch kriecht, und dem widersprechend heißt es:auf der Erde; wie ist dies zu erklären? Bei einer sicheren Berührung ist es verunreinigend, bei einer zweifelhaften Berührung ist es nicht verunreinigend. –

2Was ist der Grund R. Šimo͑ns? U͑la erwiderte: Es heißt:nur eine Quelle, und es heißt: ist unrein; wie ist dies zu erklären? Schwimmt es in einem Gefäße, so ist es verunreinigend, wenn im Grund[wasser], so ist es nicht verunreinigend.

3Die Rabbanan lehrten: Wenn die [unreine Sache] getragen oder gezogen wird und darüberein Zweifel besteht, so ist sie verunreinigend, weil sie als liegend gilt, wenn sie aber geworfen wird und darüberein Zweifel besteht, so ist sie nichtverunreinigend ;

4ausgenommen ist eine Olive von einer Leiche, der Fall, wenn eine [solche] Unreinheit bezeltetwird, und alles, was nach oben wie nach unten verunreinigt, dies schließt männliche und weibliche Flußbehafteteein.

5Rami b. Ḥama fragte : Wie ist es, wenn eine Leiche sich in einem Gefäße befindet und das Gefäß auf dem Wasser schwimmt: richten wir uns nach dem Gefäßeoder nach der Leiche?

6Und wie ist es ferner, wenn du entscheidest, daß wir uns nach dem Gefäße richten, wenn die Leiche sich auf einem Kriechtiere befindet: ist es, da die Unreinheit des anderen bis zum Abend und die des ersteren sieben Tage anhält, ebenso als würde das Unreine in einem Gefäße liegen, oder bilden sie zusammen eine gepreßte Unreinheit?

7Und wie ist es ferner, wenn du entscheidest, es sei ebenso als würde das Unreine sich in einem Gefäße befinden, wenn ein Kriechtier sich auf einem schwimmenden Aase befindet: bilden sie, da die Unreinheit von beiden bis zum Abend anhält, zusammen eine gepreßte Unreinheit, oder aber, das andere ist in Olivengröße und das erstere in Linsengrößeverunreinigend?

8Und wie ist es ferner, wenn ein Kriechtier sich auf einem Kriechtiere befindet: ist zu berücksichtigen, daß für beide ein gleiches Quantum bestimmt ist, oder aber, sie sind ja von einander getrennt?

9Und wie ist es ferner, wenn du entscheidest, daß es bei einem Kriechtiere auf einem Kriechtiere ebenso sei, als würde es in einem Gefäße liegen, da sie von einander getrennt sind, wenn ein Kriechtier sich auf einem zerflossenen Aase befindet: gilt es, da es zerflossen ist, als Flüssigkeit, oder behält es seinen Charakter als Speise?

10Und wie ist es ferner, wenn du entscheidest, es behalte seinen Charakter als Speise, wenn ein Kriechtier sich auf Samenergußbefindet? Und wie ist es ferner, wenn du entscheidest, er gelte, da er [vom Körper] abgeht, als Speise, wenn ein Kriechtier sich auf dem Entsündigungswasserbefindet und das Entsündigungswasser auf anderem Wasser schwimmt? – Wir wissen dies nicht, und dies bleibt unentschieden.

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.