Nedarim — Blatt 10a

1du kannst auch sagen, es sei R. Jehuda, denn R. Jehuda sagt esnur vom Gespendeten, nicht aber vom Gelobten. –

2Er lehrt ja aber: besser als das eine und das andere, man gelobe und halte!? – Lies: man spende und halte. –

3Geloben wohl deshalb nicht, weil man zu einem Verstoßekommen könnte, somit sollte dies auch vom Gespendeten gelten, wobei man ebenfalls zu einem Verstoßekommen kann!? –

4R. Jehuda vertritt hierbei seine Ansicht, denn er sagt, man bringe sein Lamm in den Tempelhof, weihe es da, stütze darauf die Handund schlachte es. –

5Allerdings beim freiwilligen Opfer, wie ist es aber beim freiwilligen Nazirat zu erklären!? –

6R. Jehuda vertritt hierbei seine Ansicht, denn es wird gelehrt: R. Jehuda sagte: Die früheren Frommen lüsteten, ein Sündopfer darzubringen, während der Heilige, gepriesen sei er, es zu keinem Verstoßedurch sie kommen ließ. Was taten sie nun? Sie verpflichteten sich Gott zu einem freiwilligen Nazirat, um Gott ein Sündopfer zu schulden.

7R. Šimo͑n sagt, sie gelobten kein Nazirat; vielmehr, wer ein Brandopfer darbringen wollte, spendete freiwillig und brachte es dar; wer ein Heilsopfer, spendete freiwillig und brachte es dar, wer ein Dankopfer samt seinen vierBrotarten, spendete freiwillig und brachte esdar; zu einem Nazirat aber verpflichteten sie sich nicht, um nicht Sünder zu heißen, denn es heißt:er schaffe ihm Sühne dafür, daß er sich an der Seele vergangen hat.

8Abajje sagte: Šimo͑n der Gerechte, R. Šimo͑n und R. Elea͑zar ha Qappar sind alle der gleichen Ansicht, der Nazir sei ein Sünder. Šimo͑n der Gerechte und R. Šimo͑n, wie wir ebengesagt haben,

9und R. Elea͑zar ha Qappar Berabbi in folgender Lehre: R. Elea͑zar ha Qappar Berabbi sagte: Er schaffe ihm Sühne dafür, daß er sich an der Seele vergangen hat; an welcher Seele hat er sich vergangen? Weil er sich dem Weingenusse entzogen hat. Nun ist [ein Schluß] vom Leichteren auf das Schwerere zu folgern: wenn dieser, der sich nur die Entziehung des Weingenusses auferlegt, Sünder heißt, um wieviel mehr derjenige, der sich die Entziehung jeglichen Genusses auferlegt. Hieraus daß, wer im Fasten verweilt, Sünder heiße. –

10Der Schriftvers spricht ja vom unreinen Nazir!? – Dieser sündigte zwiefach.

11SAGT JEMAND: QONAM, QONAḤ, QONAS, SO SIND ES UMSCHREIBUNGEN FÜR QORBAN’. WENN ḤEREQ, ḤEREKH, ḤEREPH, SO SIND ES UMSCHREIBUNGEN FÜR ḤEREM. WENN NAZIQ, NAZIḤ, PAZIḤ, SO SIND ES UMSCHREIBUNGEN FÜR NAZIR. WENN ŠEBUTHA, ŠEQUQA, ODER WENN JEMAND BEI MOHI GELOBT, SO SIND ES UMSCHREIBUNGEN FÜR ŠEBUA͑.

12GEMARA. Es wurde gelehrt: Die Umschreibungen sind, wie R. Joḥanan sagt, fremdsprachliche Ausdrücke, und wie R. Šimo͑n b. Laqiš sagt, von den Weisen ersonnene Ausdrücke, deren man sich beim Geloben bediene. So heißt es auch:in dem Monat, den er in seinem Herzen ersonnen. –

13Weshalb führten die Rabbanan die Umschreibungen ein? – Damit man nicht ‘Opfer’ spreche. – Mag man doch ‘Opfer’ sprechen!? – Man könnte ‘Opfer dem Herrn’ sprechen. – Mag man doch ‘Opfer dem Herrn’ sprechen!? – Man könnte ‘dem Herrn’ und nicht ‘Opfer’ sprechen, somit den Gottesnamen unnötig hervorbringen.

14Es wird nämlich gelehrt: R. Šimo͑n sagte:

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.