Nedarim — Blatt 10b

1Woher, daß man nicht ‘dem Herrn ein Brandopfer’, ‘dem Herrn ein Speisopfer’, ‘dem Herrn ein Heilsopfer’ sagen darf? Es heißt:ein Opferdem Herrn.

2Nun ist [ein Schluß] vom Leichteren auf das Schwerere zu folgern: wenn die Tora hierbei, wo man den Gottesnamen nur wegen des Opfers erwähnen will, sagt, daß man ‘ein Opferdem Herrn’ spreche, um wieviel mehr ist dies unnötig [verboten]. –

3Es wäre anzunehmen, daß hierüber Tannaím streiten: Die Schule Šammajs sagt, Umschreibungen von Umschreibungen seien verboten, und die Schule Hillels sagt, Umschreibungen von Umschreibungen seien erlaubt.

4Wahrscheinlich ist der, welcher sagt, Umschreibungen von Umschreibungen seien verboten, der Ansicht, die Umschreibungen seien fremdsprachlicheAusdrücke, und derjenige, welcher sagt, sie seien erlaubt, der Ansicht, sie seien von den Weisen ersonnene Ausdrücke. –

5Nein, alle sind der Ansicht, die Umschreibungen seien fremdsprachliche Ausdrücke, nur ist die Schule Šammajs der Ansicht, auch dieseseien fremdsprachliche Ausdrücke, und die Schule Hillels der Ansicht, diese seien keine fremdsprachlichen Ausdrücke.

6Wenn du aber willst, sage ich: die Schule Šammajs ist der Ansicht, bei den Umschreibungen von Umschreibungen seien die Umschreibungenzu berücksichtigen, und die Schule Hillels ist der Ansicht, bei den Umschreibungen von Umschreibungen seien die Umschreibungen nicht zu berücksichtigen.

7Welche sind Umschreibungen von Umschreibungen der Gelübdeformeln? R. Joseph lehrte: Maqnamna, Maqnahna, Maqnasna. – Welche sind Umschreibungen von Umschreibungen der Bannformel? – Maphšaálehrte: Ḥeraqim, Ḥerakhim, Heraphim. – [Welche sind] Umschreibungen von Umschreibungen der Nazirformel? R. Joseph lehrte: Meḥazqana, Menazḥana, Mephiḥana.

8Sie fragten: Wie ist es mit Mephaḥzana, Mithḥazana, Mitha͑zana? Rabina fragte R. Aši: Wie ist es mit Qinama: heißt dies Qonam, oder Qinmon [Zimmt]?

9R. Aḥa, Sohn des R. Ḥija, fragte R. Aši: Wie ist es mit Qina: heißt dies Hühnerschlag [qina] oder heißt dies soviel wie Qonam? – Dies bleibt unentschieden.

10Welche sind Umschreibungen von Umschreibungen der Eidesformel [šebua͑]? – Šebuél, Šebuthiél, Šequqaél. – Unter Šebuél ist ja Šebuél, der Sohn Geršons, zu verstehen!? – Vielmehr Šebubaél, Šebuthiél, Šequqaél. Šemuél sagte: Sagt jemand Ašibatha, so ist dies nichts; wenn Ašqiqa, so ist dies nichts; wenn Qurnasa, so ist dies nichts.

11ODER WENN JEMAND BEI MOHI GELOBT, SO SIND ES UMSCHREIBUNGEN. Es wird gelehrt: R. Šimo͑n b. Gamliél sagte: Sagt er: bei Mohi, so ist dies nichts, wenn aber: beim Eid, den Mohi sprach, so ist dies eine Umschreibung der Eidesformel.

12SAGT JEMAND: NICHT SEI PROFAN, WAS ICH DEINESESSE, NICHT TAUGLICH, NICHT ERLAUBT, [NICHT] REIN, UNREIN, ÜBRIGGEBLIEBENES, VERWERFLICHES, SO IST ES IHM VERBOTEN.

13[SAGT JEMAND:] WIE DAS LAMM, WIE DIE SCHUPPEN, WIE DAS HOLZ, WIE DIE FEUEROPFER, WIE DER ALTAR, WIE DER TEMPEL, WIE JERUŠALEM, ODER WENN ER BEI EINEM DER DIENSTGERÄTE DES ALTARS GELOBT, AUCH OHNE [DAS WORT] ‘OPFER’ ZU ERWÄHNEN, SO HAT ER BEIM OPFER GELOBT. R. JEHUDA SAGT, WER ‘JERUŠALEM’ SAGT, HABE NICHTS GESAGT.

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.