Nedarim — Blatt 9b
1denn R. Meír sagt esnur vom Gelobten, nicht aber vom Gespendeten. – Es heißt ja: wenn aber: wie ihr Gespendetes, so ist dies ein Gelübdedes Nazirates und des Opfers!? – Lies: so ist dies ein freiwilliges Nazirat und Opfer.
2Geloben wohl deshalb nicht, weil man zu einem Verstoßekommen könnte, somit sollte dies auch vom Spendengelten, wobei man ebenfalls zu einem Verstoßekommen kann!? –
3Man verfahre nach Hillel dem Älteren. Es wird nämlich gelehrt: Man erzählt von Hillel dem Älteren, niemand habe während seines Lebens eine Veruntreuung an seinem Brandopfer begangen; er brachte [das Vieh] profan in den Tempelhof, weihte es da, stützte darauf die Handund schlachtete es. –
4Allerdings beim freiwilligen Opfer, wie ist es aber beim freiwilligen Nazirat zu erklären!? – Er ist der Ansicht Šimo͑n des Gerechten.
5Es wird nämlich gelehrt: Šimo͑n der Gerechte sagte: Nie im Leben aß ich vom Schuldopfer eines unreinenNazirs, außer im folgenden Falle. Einst kam zu mir ein Nazir, ein Mann aus dem Süden, und ich sah, daß er hübschäugig war, von gutem Aussehen, die Locken in Krausen herabwallend. Ich sprach zu ihm: Mein Sohn, was veranlaßte dich, dieses schöne Haar zu verunstalten?
6Er erwiderte mir: Hirte war ich daheim bei meinem Vater. Als ich einst Wasser schöpfen ging und in der Quelle mein Spiegelbild betrachtete, überfiel mich der böse Trieb und wollte mich aus der Welt verstoßen. Da sprach ich zu ihm: Frevler, weshalb stolzierst du mit einer Welt, die nicht dein, mit dem, was dereinst Moder wird und Gewürm. Beim Kult, ich schere dich für den Himmel.
7Hierauf stand ich auf, küßte ihn aufs Haupt und sprach zu ihm: Mein Sohn, viele mögen der Naziräer deinesgleichen in Jisraél sein! Deinethalben spricht die Schrift:Wenn jemand ein Nazirgelübde ausspricht, dem Herrn gesondert zu sein.
8R. Mani wandte ein: Vom Schuldopfer eines unreinen Nazirs aß er wohl deshalb nicht, weil es wegen einer Sünde dargebracht wird, demnach durfte er auch von allen anderen Schuldopfern nicht essen, da sie wegen einer Sünde dargebracht werden!?
9R. Jona erwiderte ihm: Aus folgendem Grunde: in der Aufregung geloben sie ein Nazirat, und wenn infolge der Verunreinigung ihnen die Tage des Nazirats zuvielwerden, bereuen sie es, sodaß sie Profanesin den Tempelhof bringen. –
10Demnach sollte dies auch von einem reinen Nazirgelten!? – Von einem reinen Nazir nicht, weil er sich einschätzt, sein Gelübde haltenzu können.
11Wenn du aber willst, sage ich:
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.