Nedarim — Blatt 11b
1Es wird gelehrt: [Sagt jemand:] Profanes, das Profane, wie Profanes, einerlei ob [er sagt:] das ich deines esse, oder: das ich deines nicht esse, so ist es erlaubt. [Anderweitig] haben wir gelernt: [Sagt jemand:] es verboten, wenn: nicht sei profan, was ich deines nicht esse, so ist es erlaubt.
2Der Anfangsatz vertritt die Ansicht R. Meírs, der nicht der Ansicht ist, aus der Verneinung sei die Bejahung zu entnehmen,
3dagegen aber lehrt der Schlußsatz: [sagt er:] nicht sei profan, was ich deines nicht esse, so ist es erlaubt. [Anderweitig] haben wir gelernt: [Sagt jemand:] nicht sei Opfer, was ich deines nicht esse, so ist es ihm nach R. Meír verboten, und auf unseren Einwand, R. Meír sei ja nicht der Ansicht, aus der Verneinung sei die Bejahung zu entnehmen,
4erwiderte R. Abba, es sei ebenso, als würde er sagen: es sei Opfer, darum esse ich deines nicht. Demnach sollte es auch hierbei heißen: es sei nicht profan, darum esse ich deines nicht!? –
5Dieser Autor ist der Ansicht R. Meírs in einer Hinsieht und streitet gegen ihn in einer Hinsicht. Er ist seiner Ansicht in einer Hinsicht, indem er nicht der Ansicht ist, aus der Verneinung sei die Bejahung zu entnehmen, und er streitet gegen ihn in einer Hinsicht, hinsichtlich [der Bezeichnung] ‘Opfer’.
6R. Aši erklärte: Das eine, wenn er sagt: als profan, und das andere, wenn er sagt: nicht profan; dies heißt: es sei nicht profan, sondern Opfer.
7REIN, UNREIN, ZURÜCKGEBLIEBENES, VERWERFLICHES, SO IST ES IHM VERBOTEN. Rami b. Ḥama fragte: Wie ist es, wenn jemand sagt: dies gelte für mich wie Heilsopferfleisch nach der Blutsprengung!? –
8Wenn er diese Wendung gebraucht, läßt er es ja von Erlaubtemerfassen!? – Vielmehr, wenn Heilsopferfleisch und profanes Fleisch vor ihm liegen, und er sagt: das eine sei wie das andere; wird es vom ersten Zustande erfaßt oder wird es vom erlaubten Zustande erfaßt?
9Raba erwiderte: Komm und höre: Übriggebliebenes, Verwerfliches.
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.