Nedarim — Blatt 21b
1Es ist nicht gleich; hierbei sagen wir, Fromme versprechen wenigund tun viel,
2da aber ist es wirklich zweifelhaft, ob weniger als einen Sela͑ und mehr als einen Šeqel gemeint war, sodaß es nur als Anspornung gilt, oder es wörtlich gemeint war, sodaß es ein [gültiges] Gelübde ist. – Dies bleibt unentschieden.
3R. Jehuda sagte: R. Asi sagte, diese vier Gelöbnisschwüre benötigen des Nachsuchens bei einem Gelehrten. Als ich dies Šemuél vortrug, sprach er zu mir: Der Autor lehrt: vier Gelöbnisschwüre erklärten die Weisen für aufgelöst, und du sagst, sie benötigen des Nachsuchens bei einem Gelehrten!?
4R. Joseph lehrte diese Lehre wie folgt: R. Jehuda sagte im Namen R. Asis: Ein Gelehrter darf nur Gelübde wie diese vier auflösen. Er ist nämlich der Ansicht, man gebe ihm keine Anleitung zum Bereuen.
5Einst kam jemand zu R. Hona, und als dieser ihn fragte, ob er noch mit dem Herzen dabeisei, sagte er: nein; da löste er es ihm auf.
6Einst kam jemand zu Rabba b. R. Hona. Da fragte er ihn: Würdest du, wenn zehn Leute dich dann beruhigthätten, gelobt haben? Dieser erwiderte: Nein. Da löste er es ihm auf.
7Es wird gelehrt: R. Jehuda sagte: Man frage ihn, ob er noch mit dem Herzen dabei sei, und wenn er ‘nein’ sagt, löse man es ihm auf. R. Jišma͑él b. R. Jose sagte im Namen seines Vaters: Man frage ihn, ob er, wenn zehn Personen ihn dann beruhigt hätten, gelobt haben würde, und wenn er ‘nein’ sagt, löse man es ihm auf.
8Einst kam jemand zu R. Asi, und dieser sprach zu ihm: Du bereuest es nun? Jener erwiderte: Ob nicht! Da löste er es ihm auf. Einst kam jemand zu R. Elea͑zar, und dieser sprach zu ihm: Wolltestdu geloben? Jener erwiderte: Hätte man mich nicht geärgert, würde ich nichts gewollt haben. Da sprach er zu ihm: Wie du [jetzt] willst. Einst kam eine Frau, die ihrer Tochter den Genuß abgelobt hatte, zu R. Joḥanan. Dieser sprach zu ihr: Würdest du deiner Tochter den Genuß abgelobt haben, wenn du gewußt hättest, daß die Nachbarinnen über sie sagen würden:
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.