Nedarim — Blatt 22b
1hatten wir den Jarden noch nicht überschritten.
2Rabba b. R. Hona sagte: Wer in Zorn gerät, dem gilt auch die Göttlichkeit nichts, denn es heißt:der Frevler inseines Zornes Hochmut, er ahndet nicht, es ist kein Gott, das sind all seine Gedanken. R. Jirmeja aus Diphte sagte: Er vergißt auch sein Studium und nimmt an Torheit zu, denn es heißt:denn Zorn ruht im Busen der Toren; ferner heißt es: der Tor legt Narrheit dar. R. Naḥman b. Jiçḥaq sagte: Es ist sicher, daß seine Sünden mehr sind als seine Verdienste, denn es heißt:ein Mann von Grimm ist an Missetaten reich.
3R. Ada b. R. Ḥanina sagte: Hätten die Jisraéliten nicht gesündigt, so würden ihnen nur die fünf Bücher der Tora verliehen worden sein und das Buch Jehošua͑, weil dieses die Wertschätzung des Jisraéllandes ist. – Weshalb? – Denn bei viel Weisheit ist viel Gram.
4R. Asi sagte: Man komme seinem Wunschenicht nach, wenn er beim Gott Jisraéls [gelobt hat], ausgenommen [das Gelübde:] Qonam sei mir der Genuß meiner Frau, die mir meinen Geldbeutel gestohlen hat, oder: die mein Kind geschlagen hat, und es sich herausstellt, daß sie ihn nicht gestohlen, daß sie es nicht geschlagen hat.
5Einst kam [eine Frau] zu R. Asi, und er fragte sie, wobei sie gelobt habe. – Beim Gott Jisraéls. Da sprach er zu ihr: Hättest du bei Mohi gelobt, das nur eine Umschreibung ist, so würde ich dir deinen Wunsch erfüllt haben, da du aber nicht bei Mohi, sondern beim Gott Jisraéls gelobt hast, so kann ich dir deinen Wunsch nicht erfüllen.
6Einst kam R. Kahana zu R. Joseph, und dieser sprach zu ihm: Möge der Meister etwas kosten. Jener erwiderte: Nein, beim Herrn des [Welt]alls, ich koste nichts. Da sprach er zu ihm: Nein, beim Herrn des [Welt]alls, du darfst nichts kosten. – Erklärlich ist es von R. Kahana, daß er sagte: nein, beim Herrn des [Welt]alls, wozu aber sagte R. Joseph: nein, beim Herrn des [Welt]alls? – Er sprach zu ihm wie folgt: Hast du nicht gesagt: beim Herrn des [Welt]alls? Du darfst daher nichts kosten.
7Raba sagte im Namen R. Naḥmans: Die Halakha ist, man öffne [einen Ausweg] zur Reue, und man komme seinem Wunsche nach auch beim [Gelübde:] beim Gott Jisraéls.
8Raba lobte R. Seḥora vor R. Naḥman, daß er ein bedeutender Mann sei. Da sprach dieser zu ihm: Wenn du ihn triffst, bringe ihn zu mir. Jener hatte gerade ein Gelübde aufzulösen und kam deshalb zu R. Naḥman.
9Dieser fragte ihn: Hast du damit rechnend gelobt? Jener erwiderte: Jawohl. – Damit rechnend? – Jawohl. [Dies wiederholte sich] viele Male, bis R. Naḥman ärgerlich wurde und zu ihm sprach: Geh heim.
10Nachdem R. Seḥora fortgegangen war, fand er selber folgenden Ausweg: Rabbi sagte: Welches ist der rechte Weg, den der Mensch sich wähle? Der zur Ehre gereicht dem, der ihn einschlägt, und ihm Ehre bringt bei den Menschen. Damit rechnend, daß R. Naḥman dadurchärgerlich sein könnte, habe ich nicht gelobt. Da löste er es sich selberauf.
11R. Šimo͑n b. Rabbi hatte ein Gelübde aufzulösen und kam zu den Rabbanan. Sie fragten ihn: Hast du damit rechnend gelobt? Er erwiderte: Jawohl. – Damit rechnend? – Jawohl. [Dies wiederholte sich] viele Male
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.