Nedarim — Blatt 23a

1und die Rabbanan quältensich, von der Sonne nach dem Schatten und vom Schatten nach der Sonne [gehend].

2Da sprach Boṭnith, Sohn des Abba Šaúl b. Boṭnith zu ihm: Hast du auch damit rechnend gelobt, daß die Rabbanan sich dadurch vom Schatten nach der Sonne und von der Sonne nach dem Schatten [gehend] abquälen könnten? Dieser erwiderte: Nein. Da lösten sie es ihm auf.

3R. Jišma͑él b. R. Jose hatte ein Gelübde aufzulösen und kam zu den Rabbanan. Sie fragten ihn: Hast du damit rechnend gelobt? Er erwiderte ihnen: Jawohl. – Hast du damit rechnend gelobt? Er erwiderte ihnen: Jawohl. [Dies wiederholte sich] viele Male. Als nun ein Walker sah, daß die Rabbanan sich abquälten, schlug er ihn mit einem Walkerkorbe. Hierauf sprach er: Damit rechnend, daß ein Walker mich schlagen wird, habe ich nicht gelobt. Da löste er es sich selberauf.

4R. Aḥa aus Diphte sprach zu Rabina: Dies ist ja Unvermutetes, denn er konnte ja nicht daran denken, daß ihn ein Walker schlagen wird, und es wird gelehrt, man öffne ihm keinen Ausweg mit Unvermutetem!? Dieser erwiderte: Dies ist nicht Unvermutetes, denn Ruchlose, die die Rabbanan quälen, sind nicht selten.

5Die Frau Abajjes hatte eine Tochter, die er an seinen Verwandten und sie an ihren Verwandten [verheiraten] wollte. Da sprach er zu ihr: Jeder Genuß von mir sei dir verboten, wenn du meinen Willen übertrittst, und sie an deinen Verwandten verheiratest. Sie aber übertrat seinen Willen und verheiratete sie an ihren Verwandten. Als er hierauf zu R. Joseph kam, sprach er zu ihm: Würdest du ihn ihr abgelobt haben, wenn du gewußt hättest, daß sie deinen Willen übertreten und sie an ihren Verwandten verheiraten wird? Er erwiderte: Nein. Da löste R. Joseph es ihm auf. –

6Ist es denn in einem solchen Falle erlaubt? – Allerdings, es wird auch gelehrt: Einst gelobte jemand seiner Frau die Festwallfahrt ab, sie aber übertrat seinen Willen und zog zur Festwallfahrt hinauf. Als er hierauf zu R. Jose kam, sprach er zu ihm: Würdest du es ihr abgelobt haben, wenn du gewußt hättest, daß sie deinen Willen übertreten und zur Festwallfahrt hinaufziehen wird? Er erwiderte: Nein. Da löste R. Jose es ihm auf.

7R. ELIE͑ZER B. JA͑QOB SAGT, AUCHWENN JEMAND SEINEN NÄCHSTEN MIT EINEM GELÜBDE BELEGT, BEI IHM ZU ESSEN, SPRECHE ER: JEDES GELÜBDE, DAS ICH TUN WERDE, SEI NICHTIG; NUR MUSS ER BEIM GELOBEN DARAN DENKEN.

8GEMARA. Wenn er ihn sagen [hört]: jedes Gelübde, das ich tun werde, sei nichtig, so hört er ja nicht auf ihn und kommt nichtzu ihm!? –

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.