Nedarim — Blatt 23b

1[Die Mišna] ist lückenhaft und muß wie folgt lauten: wenn jemand seinen Nächsten bei ihm zu essen nötigt und ihn mit einem Gelübde belegt, so ist dies ein Anspornungsgelübde. Undwenn jemand wünscht, daß seine Gelübde des ganzen Jahres nichtig seien, so spreche er am Beginne des Jahres: jedes Gelübde, daß ich tun werde, sei nichtig; nur muß er beim Geloben daran denken. –

2Wenn er daran denkt, hebt er ja seine Erklärung auf und bestätigtsein Gelübde!? Abajje erwiderte: Lies: nur darf er beim Geloben nicht daran denken.

3Raba erwiderte: Tatsächlich nach dem ursprünglichen Wortlaute, nur wird hier von dem Falle gesprochen, wenn er dies am Beginne des Jahres erklärt hat, und nun beim Geloben nicht weiß, worauf die Erklärung sich bezogen hat; wenn er beim Geloben darandenkt und sagt, er gelobe unter der früherenErklärung, so ist sein Gelübde nichtig, wenn er nicht sagt, er gelobe unter der früheren Erklärung, so hebt er seine Erklärung auf und bestätigt sein Gelübde.

4R. Hona b. Ḥenana wollte diesbei der Vorlesung vortragen, da sprach Raba zu ihm: Der Tanna hat es verheimlicht, damit man mit Gelübden nicht leichtfertig umgehe, und du willst es in der Vorlesung vortragen!

5Sie fragten: Streiten die Rabbanan gegen R. Elie͑zer b. Ja͑qob oder nicht? Und ist, wenn du sagst, sie streiten, die Halakha wie er oder nicht? – Komm und höre: Wir haben gelernt: Sagt jemand zu seinem Nächsten:

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.