Nedarim — Blatt 28a

1NUR NICHT MIT EINEM SCHWURE; DIE SCHULE HILLELS SAGT, AUCH MIT EINEM SCHWURE.

2DIE SCHULE ŠAMMAJS SAGT, MAN DÜRFE IHMNICHT MIT EINEM GELÜBDE ZUVORKOMMEN, UND DIE SCHULE HILLELS SAGT, MAN DÜRFE IHM AUCH ZUVORKOMMEN. DIE SCHULE ŠAMMAJS SAGT, [ER GELOBE] NUR DAS, WAS DIESER IHN ZU GELOBEN ZWINGT, UND DIE SCHULE HILLELS SAGT, AUCH DAS, WAS ER IHN NICHT ZU GELOBEN ZWINGT.

3ZUM BEISPIEL: WENN DIESER ZU IHM SAGT: SPRICH: QONAM SEI MIR DER GENUSS VON MEINER FRAU, UND ER SPRICHT: QONAM SEI MIR DER GENUSS VON MEINER FRAU UND MEINEN KINDERN, SO IST ES IHM, WIE DIE SCHULE ŠAMMAJS SAGT, VON SEINER FRAU ERLAUBT UND VON SEINEN KINDERN VERBOTEN, UND WIE DIE SCHULE HILLELS SAGT, VON DIESEN UND JENER ERLAUBT.

4GEMARA. Šemuél sagte ja aber, das Gesetz der Regierung sei Gesetz!?

5R. Ḥenana erwiderte im Namen R. Kahanas im Namen Šemuéls: Dies gilt von einem Zöllner ohne Begrenzung. In der Schule R. Jannajs erklärten sie: Von einem Freibeute-Zöllner.

6DASS ES KÖNIGLICHES GUT IST, AUCH WENN ES KEIN KÖNIGLICHES GUT IST. Wie gelobe er? R. A͑mram erwiderte im Namen Rabhs: Er sage: Mögen mir alle Früchte der Welt verboten sein, wenn es nicht königliches Gut ist. –

7Sobald er sagt: verboten sein, sind ihm ja alle Früchte der Welt verboten!? – Er sage: heute. – Wenn er ‘heute’ sagt, hört ja der Zöllner nicht auf ihn!? –

8Er sage ‘heute’ im Herzen, mit den Lippen aber ohne Vorbehalt. Obgleich wir sonst der Ansicht sind, im Herzen [gedachte] Worte gelten nicht, ist es bei einem Zwange anders.

9DIE SCHULE ŠAMMAJS SAGT, MIT ALLEM &C. Die Schule Sammajs sagt, [er gelobe] nur das, was dieser ihn zu geloben zwingt, und die Schule Hillels sagt, auch das, was er ihn nicht zu geloben zwingt. Zum Beispiel: wenn dieser zu ihm sagt: [sprich:] qonam sei mir der Genuss von meiner Frau, und er spricht: qonam sei mir der Genuss von meiner Frau und meinen Kindern, so ist es ihm, wie die Schule Sammajs sagt, von seiner Frau erlaubt und von seinen Kindern verboten, und wie die Schule Hillels sagt, von diesen und jener erlaubt.

10R. Hona sagte: Es wird gelehrt: Die Schule Šammajs sagt, er dürfe ihm nicht mit einem Schwure zuvorkommen, und die Schule Hillels sagt, er dürfe ihm auch mit einem Schwure zuvorkommen. Demnach darf er ihm nach der Schule Šammajs nur mit einem Schwure nicht zuvorkommen, wohl aber mit einem Gelübde, und wir haben gelernt, die Schule Šammajs sagt, er dürfe ihm nicht mit einem Gelübde zuvorkommen!?

11Ferner: nur zuvorkommen darf er ihm nicht mit einem Schwure, wohl aber darf er ihm mit einem Schwure geloben, und dem widersprechend wird gelehrt, die Schule Šammajs sagt, man dürfe bei allem geloben, nur nicht mit einem Schwure!? –

12Unsere Mišna spricht von einem Gelübde, um die Ansicht der Schule Šammajs hervorzuheben, und die Barajtha spricht von einem Schwure, um die Ansicht der Schule Hillelshervorzuheben.

13R. Aši erwiderte: Er meint es wie folgt: die Schule Šammajs sagt, beim Schwure gebe es kein Nachsuchen und die Schule Hillels sagt, beim Schwure gebe es ein Nachsuchen.

14SAGT JEMAND:] DIESE PFLANZUNGEN SOLLEN OPFERGABE SEIN, WENN SIE NICHT GEBROCHEN WERDEN, DIESES GEWAND SOLL OPFERGABE SEIN, WENN ES NICHT VERBRANNT WIRD, SO GIBT ESFÜR SIE EINE AUSLÖSUNG; WENN ABER: DIESE PFLANZUNGEN SOLLEN OPFERGABEN SEIN, BIS SIE GEBROCHEN WERDEN, DIESES GEWAND SOLL OPFERGABE SEIN, BIS ES VERBRANNT WIRD,

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.