Nedarim — Blatt 31b

1Vielmehr, unsere Mišna spricht von einer durchschnittlichen Ware, und Šemuél spricht von einer gesuchten Ware.

2Übereinstimmend mit Šemuél wird gelehrt: Wenn jemand Sachen vom Händler kauft, um sie in das Haus seines Schwiegervaterszu senden, und mit ihm vereinbart: wenn man sie von mir annimmt, so zahle ich dir den Preis, wenn aber nicht, so vergüte ich dir einen Dankeswert, so ist er, wenn sie auf dem Hinwege von einem Unfall betroffen werden, ersatzpflichtig,

3und wenn auf dem Rückwege, ersatzfrei, weil er einem Lohnhütergleicht.

4Einst erhielt ein Makler Wein zum Verkaufe, der aber nicht verkauft und auf der Rücksendung von einem Unfalle betroffen wurde. Da verurteilte ihn R. Naḥman Ersatz zu leisten. Raba wandte gegen R. Naḥman ein: So ist er, wenn sie auf dem Hinwege von einem Unfall betroffen werden, ersatzpflichtig, und wenn auf dem Rückwege, ersatzfrei!?

5Dieser erwiderte: Bei einem Makler gilt der Rückweg als Hinweg; würde er denn, auch wenn er einen Käufer an der Tür seines Hausesgefunden hätte, ihn nicht verkauft haben!?

6SAGT JEMAND:] QONAM, DASS ICH VON UNBESCHNITTENEN NICHTS GENIESSEN WERDE, SO IST ES IHM VON UNBESCHNITTENEN JISRAÉLITEN ERLAUBT UND VON BESCHNITTENEN DER WELTLICHEN VÖLKER VERBOTEN;

7[SAGT ER: QONAM,] DASS ICH VON BESCHNITTENEN NICHTS GENIESSEN WERDE, SO IST ES IHM VON UNBESCHNITTENEN JISRAÉLITEN VERBOTEN UND VON BESCHNITTENEN DER WELTLICHEN VÖLKER ERLAUBT. ‘UNBESCHNITTENE’ HEISSEN NUR DIE NICHTJUDEN, WIE ES HEISST:denn alle Völker sind unbeschnitten, und das ganze Haus Jisraél ist unbeschnittenen Herzens. FERNER HEISST ES: dieser unbeschnittene Pelišti da. FERNER HEISST ES:es könnten sich freuen die Töchter der Pelištim, frohlocken die Töchter der Unbeschnittenen.

8R. ELEA͑ZAR B. A͑ZARJA SAGTE: WIE WIDERWÄRTIG IST DIE UNBESCHNITTENHEIT, DASS DIE FREVLER DAMIT GESCHMÄHT WERDEN, WIE ES HEISST: denn alle Völker sind unbeschnitten. R. JIŠMA͑ÉL SAGTE: BEDEUTEND IST DIE BESCHNEIDUNG, DASS DARÜBER DREIZEHN BÜNDNISSEGESCHLOSSEN WORDEN SIND.

9R. JOSE SAGTE: BEDEUTEND IST DIE BESCHNEIDUNG, DASS SIE SOGAR DEN STRENGEN ŠABBATHVERDRÄNGT.

10R. JEHOŠUA͑ B. QORḤA SAGTE: BEDEUTEND IST DIE BESCHNEIDUNG, DASS IHRETHALBEN DEM GERECHTEN MOŠE NICHT EINMAL EINE STUNDE AUFSCHUB GEWÄHRT WURDE.

11R. NEḤEMJA SAGTE: BEDEUTEND IST DIE BESCHNEIDUNG, DASS SIE SOGAR [DAS GESETZ ÜBER] DEN AUSSATZVERDRÄNGT. RABBI SAGTE: BEDEUTEND IST DIE BESCHNEIDUNG, DASS UNSER VATER ABRAHAM, TROTZ ALLER GEBOTE, DIE ER AUSGEÜBT, NICHT EHER ‘VOLLKOMMEN’ GENANNT WURDE, ALS BIS ER SICH BESCHNITTEN HATTE, WIE ES HEISST:wandle vor mir und sei vollkommen.

12EINE ANDERE AUSLEGUNG: BEDEUTEND IST DIE BESCHNEIDUNG, DENN WENN NICHT SIE, WÜRDE DER HEILIGE, GEPRIESEN SEI ER, SEINE WELT NICHT ERSCHAFFEN HABEN, WIE ES HEISST:so spricht der Herr: wenn nicht mein Bund bei Tage und bei Nacht, würde ich die Gesetze des Himmels und der Erde nicht gemacht haben.

13GEMARA. Es wird gelehrt: R. Jehošuá b. Qorḥa sagte: Bedeutend ist die Beschneidung, daß sogar alle Verdienste unseres Meisters Moše ihm nicht beistanden, als er die Beschneidung vernachlässigte, wie es heißt: da fiel ihn der Herr an und wollte ihn töten.

14Rabbi sagte: Behüte und bewahre, daß unser Meister Moše die Beschneidung vernachlässigt hätte, vielmehr sprach er wie folgt: Vollziehe ich die Beschneidung und gehe, so bestehtLebensgefahr, wie es heißt:und es geschah am dritten Tage, als sie Schmerzen litten &c. Vollziehe ich die Beschneidung und warte drei Tage, so sagte ja der Heilige, gepriesen sei er, zu mir:geh, kehre nach Miçrajim zurück. Moše wurde vielmehr deshalb bestraft,

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.