Nedarim — Blatt 35a
1Er wandte gegen ihn ein: Wenn er zu ihm sagt: leihe mir deine Kuh, und dieser ihm erwidert: Qonam sei dir diese Kuh, die ich für mich brauche, mein Vermögen sei dir [verboten], wenn ich noch eine Kuh außer dieser habe, oder wenn er zu ihm sagt: leihe mir deine Axt, und dieser ihm erwidert: Qonam sei dir diese Axt, die ich für mich brauche, mein Vermögen sei dir[verboten], wenn ich noch eine Axt außer dieser habe, und es sich herausstellt, daß er eine hat, so ist es ihm bei seinen Lebzeiten verboten, und wenn er stirbt oder sie ihm geschenktwird, erlaubt!?
2R. Aḥa, Sohn des R. Iqa, erwiderte: Wenn sie ihm von einem anderengeschenkt wird.
3R. Aši sagte: Dies ist auch zu beweisen, denn es heißt: sie ihm geschenkt wird, und es heißt nicht: er sie ihm schenkt.
4Raba fragte R. Naḥman: Gibt es eine Veruntreuungbeim Qonam oder nicht.
5Dieser erwiderte: Du hast es gelernt: in Orten, wo man dafür eine Belohnung erhält, fällt der Nutzen dem Heiligtume zu. Demnach gleicht es dem Geheiligten, und wie es beim Geheiligten eine Veruntreuung gibt, ebenso gibt es beim Qonam eine Veruntreuung.
6Hierüber streiten folgende Tannaím. [Wenn jemand sagt:] Qonam, dieser Laib sei Geheiligtes, und ihn ißt, einerlei ob er selber oder ein anderer, so begeht er eine Veruntreuung. Dahergibt es bei diesem eine Auslösung. [Wenn er sagt:] dieser Laib sei mir Geheiligtes, und ihn ißt, so begeht er eine Veruntreuung, ein anderer aber nicht. Daher gibt es bei diesem keine Auslösung – so R. Meír.
7Die Weisen sagen, ob so oder so, begehe er keine Veruntreuung, da es beim Qonam keine Veruntreuung gibt.
8R. Aḥa, Sohn des R. Ivja, sprach zu R. Aši: Wer begeht die Veruntreuung, wenn [jemand zu einem sagt]: mein Laib sei dir [Qonam], und ihn ihm dannschenkt: sollte der Schenkende sie begehen, so ist er ihm ja nicht verboten, und sollte der Empfänger sie begehen, so kann er ja sagen: ich habe ihn als Erlaubtes angenommen und nicht als Verbotenes? Dieser erwiderte: Der Empfänger begeht die Veruntreuung, sobald er ihn gebraucht. Auch jeder andere, der Geld des Heiligtums ausgibt, glaubt, es sei profan, dennoch begeht er eine Veruntreuung, ebenso begeht auch dieser eine Veruntreuung.
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.